Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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VIII» Jahrgang. Allgemeine No. 1. Zeitung des Zudenthums. unpartheiisches Organ Redacteur: Dr. Ludwig Philippson, 0t a& bin et zu Magdeburg. für alles jüdische Interesse. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 1. Januar 1844. Diese Aeitvng erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 98 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Bemaßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. füden Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22| Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worder. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs, wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Das Jahr 1843. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, Frankfurt am Main, Frankfurt am Main. Preußen: Posen, Berlin. Rußland und Polen: Riga. Literar. Nachrichten r Magdeburg (Biblische Exegese?. Leitender Artikel. Magdeburg, den 22. Dezember. Das Jahr 1843. In keiner Angelegenheit bedarf es der Aufmunterung, bedarf es der rüstigen Ausdauer, des Nimmermüdewerdens, Zmmerwachseins mehr, als in den Angelegenheiten des Judenthums. Die letzten Jahre haben im Allgemeinen nach außenhin die Sache der bürgerlichen Gleichstellung für die Juden eher zurückals vorwärtsgebracht. Indem der 'öffentliche Geist überhaupt einer völligen Zersetzung anheimgefallen ist, so daß die Prinzipien in tausendfarbige Nüan<;irungen auseinandergefahrm sind: können sich in Folge dessen auch die barockesten, untauglichsten Ansichten geltend machen, ohne zurückgewiesen zu werden. Der Geschmack ist so ekel geworden, daß er völlig zuw verdorbenen, überladenen Magen ward. Was ist es, was jetzt Aufmerksamkeit erweckt, was gelesen, besprochen, schmackhaft gefunden wird?. Was auffällig, was sonderbar, ja was närrisch ist. Die gesunde Kost sagt nicht zu. Man hat ihrer im Ueberfluß. Was übertrieben, gehässig, vernichtend ist, und hätte es auch nicht die entfernteste Basis. Was aber in den Schranken der Mäßigkeit, Billigkeit, Vorurtheilslosigkeit, Gründlichkeit sich hält, das läßt man liegen, das weiß man ja längstens von selbst. Unter diesen Richtungen hat die Emanzipationsarrgelegenheit der israelitischen Glaubensgenossen unsäglich gelitten. Die alten, begründeten Ansichten, aut-aut, entweder humaner Emanzipationsfreund, oder Judenhaffer haben einem ganzen Haufen von Masken und Larven Platz gemacht, die vor dem Publikum ihr Spiel treiben, und — nicht ungern gesehen werden. Jeder Fant bringt die seinige zu Markte, und besitzt er die Kunst, einige besondere markirte Verzerrungen in ihr sichtbar zu machen, so schaut man begierig darauf hin, und die Zeitungen berichten: „hier macht großes Aufsehen ff." Wie die Sache selbst dabei steht, danach fragt Niemand. Bald ist es „der christliche Staat," der die Aufnahme der Juden verhindert, bald wieder „sollen sich erst die Christen emanzipiren;" dann wieder soll „die Reform des Judenthums" erst vor sich gehen, aber im Gegentheil sagt der vierte „das Judenthum ist unveränderlich, das reformirre Judenthum ist kein Judenthum," darum sind die Juden nicht emanzipationsfähig; bald haben die Juden „keinen Einfluß auf die Weltgeschichte" geübt, bald üben sie überall „den nachtheiligsten Einfluß," und was Alles noch Sonderliches, Widerstreitendes, Pudelnärrisches zu Markte