Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 52 (31.12.1842)
- Date
- 1842-12-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. SD. TI. Jahrgang. Allgemeine Zeitnng -es Zi»dcnth«ms. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Dr. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. jy L eipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnadigster Concession.) Leipzig, den 31. December 1842. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 } Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden? Alle Buchhandlungen, Postämter und Aeitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sächf. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Leitender Artikel. Magdeburg, den 18. Dezember. Wir beeilen uns, ein so eben erschienenes, treffliches Schriftchen von Rießer näher zu skizziren, uns um so angenehmer, da die Stimme Rießer's auf diesem Gebiete lange geschwiegen. Es ist betitelt: „Besorgnisse und Hoffnungen für die künftige Stellung der Juden in Preußen. Hamburg, 1842." Allerdings Verhältnisse, die im Augenblick einen gewissen Stillstand erreicht haben, besprechend, hat es den doppelten Erfolg, erstens die in Zeitungen und Broschüren geführte Bekämpfung zu resumiren, zweitens die Wachsamkeit nnd das Interesse wieder anzufachen. — Das Schnftchen (66 S.) ist im verflossenen Frühjahr geschrieben, durch äußere Störungen unvollendet geblieben, nunmehr durch Tinen Nachtrag vermehrt, dem Druck übergeben. — Der Verf. giebt das Motiv seiner Schrift als ein doppeltes an: daß man aus dem augenblicklichen Stillstände nicht auf völlige Beseitigung des Gesetzentwurfes schließen dürfe, während er im Gegentheil jetzt erst recht zur Berathung und Verarbeitung gekommen, dann, daß dem Gesetzentwurf ein ideelles Moment untergelegt war, dessen Bekämpfung zu aller Zeit dringlich ist. Diese Idee ist nun: Die Erhaltung der jüdischen Rationalität. Sehr treffend sagt hier R.: „Was wir dem Hasse bestritten haben, das können und wollen wir auch dem Wohlwollen nicht einranwen." Er bestreitet nun zuvörderst das „Wunderbare" in der Erhaltung des Judenthums. Wir haben hier eine klassische Stelle vor uns, die wir ganz Herstellen müssen: „Wer in dem jüdischen Religions-Dasein das Prinzip eines geistigen Lebens erkannt, wer den Hauch einer lebendigen Seele darin empfunden hat, der kann gar nicht auf den Gedanken kommen, zu fragen, wie sich dieses Leben doch möge erhalten haben; der kann sich nicht verwundern über sein Bestehen. Das ist ja die Natur des Geistigen, daß es ewig ist, und es wäre eine wunderbare Anomalie, wenn ein geistiges Leben unterginge. Die Ewigkeit des Judenthums ist die Ewigkeit der Idee, die Ewigkeit des Geistes, die Ewigkeit der Ueberzeugung, über welche die Stürme der Zeiten und der Völker nichts vermögen. Außer diesem giebt es keinen Erklärungsgrund für sie; aber wenn dieser nicht der wahre wäre, so lohnte es sich fürwahr auch nicht der Mühe, das Bestehen des Judenthums zu erklären oder zu fördern. Die Rationen des Alterthums sind untergegangen im Sturme der Zeiten, weil in ihrem nationalen Dasein die Macht und der Kricgsruhm und die Herrschaft, also Aeußeres und Vergängliches, die belebenden Elemente waren. Nachdem also diese Macht, dieser Ruhm und diese Herrschaft gebrochen waren, blieb keine Lebenskraft, kein Lebensstoff für ein selbstständiges Gesammt-Leben mehr übrig; es wäre also wunderbar gewesen, wenn die besiegte Nation sich nicht mit der siegenden vermischt hätte, nicht in dieselbe aufgegangen wäre. Aber wir wollen nicht ungerecht und nicht einseitig sein, sondern wollen freudig bekennen, daß das Heid-