Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 49 (10.12.1842)
- Date
- 1842-12-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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VI. Jahrgang. Allgemeine No. 4». Zeitung -es Indcuthums. unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Dr. Ludwig Philippson, Baumgartners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Eoncesfion.) Leipzig, den 10. December 1842. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 \ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Afrika. Aus Marokko. Ein englischer Arzt, Davidson, reiste 1835 durch Marokko in die Wüste Sahara, wo er von Arabern ermordet wurde. In seinem Tagebuch, das nur in wenigen Exemplaren abgezogen worden, erzählt er auch Folgendes. Beim Heransteigen des Atlas erreichte er zuerst Trasermut. „Ich speiste Abends mit den Juden, die eine sonderbare Bevölkerung bilden, sie veranstalteten Tanz und Musik, und die Frauen zeigten sich ohne Rückhalt in der Gesellschaftder Männer. Jeder dieser Juden hat einen Berber zum Herrn; ich weiß nicht, was ich aus ihnen machen soll, sie sehen so frei und trotzig aus." In einem Brief an den Herzog von Süsser schrieb Davidson: „Die Juden im Atlas sind physisch und moralisch denen sehr überlegen, die unter den Mauren wohnen. Jede jüdische Familie steht unter dem unmittelbaren Schutz eines Berber, wobei sie jedoch einen eigenen jüdischen Scheich haben, der Jurisdiktion ausübt. Sie sind nicht so herabgewürdigt, wie die unter Mauren wohnenden, welche unter mohammedanischem Gesetz stehen; ihr Verhältniß zu dem Berber ist das von Klienten zu dem Patron, und dieser letztere muß in allen Fällen das Interesse des Juden wahren. Sie tragen alle Waffen und leisten abwechselnd Kriegsdienste bei dem Patron. Sie sagen, daß sie nicht in der! babylonischen Gefangenschaft gewesen, daß sie viele! Schriften besitzen und eine Stadt besessen haben, die i aus dem Felsen gehauen sei, wo die Häuser viele j Stockwerke übereinander hätten; diese haben sie bei! ihrer Einwanderung bewohnt, bis Christen sie in die i Thäler vertrieben, die sie jetzt bewohnen." — Späi ter erzählt er: „Wir kamen an einen starken Juden-! ott, aus dem einige Leute mit Wein und Milch ka-! men, die ich mit den Lippen berühren und einen j Tropfen auf meines Pferdes Mähre gießen mußte."— | „In Warika wurde ich von einigen Juden besucht, welche sagten, daß hier die Gräber von zwei Rabbinern seien, welche der zweiten Zerstörung von Jerusalem entgangen wären, und daß ihre Nation seit dieser Zeit hier ansässig gewesen. Sie sprachen von Büchern, welche diese Tradition bewiesen, wollten sie mir aber nicht zeigen. Jenseits des Gebirges sei j eine Ebene, so groß, als die von Marokko, wo Ju-! den wohnen, die Nebukadnezar entflohen seien und! von dieser Zeit ihre Geschichte urkundlich besäßen, j der Schnee ist jedoch zu tief, als daß ich ihre Resi-! denz, genannt Kibla, erreichen könnte. In Warika j leben 60 Judenfamilien, aber in den Dörfern umj her sind sie noch zahlreicher. Hier haben alle Juden j zusammen Einen Herrn aus dem Berberstamm; jede i Familie bezahlt einen Dukaten Steuer, aber sie müssen alle Reisenden, die im Namen des Sultans kommen, freihalten."