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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-12-03 · Heft 48 (3.12.1842) · p. Seite 702

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 48 (3.12.1842)
Date
1842-12-03
Page
Seite 702 (sequence 6)
Language
German
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702 Stände zählt pro 1842 unter 152 Aktionären . 39 Israeliten. Nimmt man noch an, daß un-! ter den übrigen 113 auch 25 Landedelleute sind, so bleibt das hiesige Verhältniß statt 1 zu 20 nur I—2}. Ja, neben diesen 39 Israeliten sind nur 31 Bürger dieser Königl. Freistadt. Wir könnten noch viel herzählen, gestattete es der Raum; doch Eins wollen wir noch erwähnen. Bei der diesjährigen Pesther Kunst-Ausstellung ist nach 'Arad nur dem hiesigen Goldarbeiter Moritz Brüll vom Ungar. Kunstverein ein Belobungsdekret für einen künstlich verfertigten Siegelring zugeschickt worden. Krakau. Krakau, im November. (Pn'vatmitth.) Eine geraume Zeit hat dieses Organ über die traurige Lage der hiesigen Juden das tiefste Stillschweigen beobachtet; denn was es an's Licht zu fordern nöthig hatte, das hat es im gehörigen Maße gefördert, und anstatt daß es die nämlichen Jeremiaden wiederholen sollte, hat es lieber der Welt das Urtheil überlaffen, ob man noch heut zu Tag ruhig solchen Bedrückungen Zusehen sollte, und harrte eines Ausspruchs entgegen, der wenigstens ein Verfahren solcher Art mißbilligen sollte. Aber kein Laut von Außen, keine Regung von Innen; und so mußte natürlich Alles noch schlimmer wie vorher werden. Nun hat man auch hier schon zum bekannten Mittel jenes Pharaonen gegriffen, um der Vermehrung der Juden Einhalt zu tintn: man hat ihnen das Heirathen unter tausend Bedingungen erschwert. Niemand darf heirathen der nicht eine gewiffe Summe aufzuzcigen hat, der entweder nicht Gymnasialstudien gemacht, oder ein Handwerk erlernt hat, der minderjährig ist u. dgl. Solche Maßregeln, die man, wenn sie mit Bewilligung anderweitiger Rechte und einer angemessenen bürgerlichen Freiheit Hand | in Hand gingen, immer lobenswürdig und ersprießlich nennen müßte, zeigen hier im Gegentheil den sich täglich vermehrenden Haß gegen die Juden. Und anderseits duldet ungern die menschliche Seele eine Last, die man ihr gewaltsamer Weise auflegt. — Ja, man ging noch weiter: ein sechsmonatlicher Arrest ist allen den "Neuvermählten zur Strafe auferlegt, die ohne Erlaubniß des Staates einen ahn- . lichen Verband eingegangen. Der Polizeidirektor! laßt einem solchen Paare die freie Wahl, zusammen oder successiv den Arrest zu überstehen. Biele junge Leute — hauptsächlich der untern Klasse — ließen sich davon nicht abschrecken, und unterwarfen sich willig einer solchen Strafe. Bald wimmelte das Gefangniß von solchen Ehepaaren, und man war genöthigt, da der Raum sie nicht mehr fassen konnte, ihnen ein andres Lokal einzuräumen. Dienstag haben sie freien Fuß. Ein Jeder bekommt monatlich sein Gewisses, wovon er sich kärglich nähren muß. Alles sieht man hiev nur vereinigt, was auf die Verschlimmerung der jüdischen Lage auch im Entferntesten Einfluß haben kann. Zum Zirkelkommissär der Israeliten ist ein getaufter Jude eingesetzt!! Nun wenn man immer nach Außen zu kämpfen hat, wie kann der Mensch da einen Blick in sein Inneres werfen? Wie kann er Hohes und Edles entwerfen und gedeihen lassen, wenn er immerwährend die härtesten Schläge von sich abwehren muß? — Eine zahlreiche Klasse Menschen, die man barbarischerweise in den schmutzigsten Winkel eingepfercht hat, und bei aller ihrer Vermehrung ihr keine Spanne Erde mehr zutheilen will; ein Volk, dem man alle Nahrungszweige entzogen und ihm nichts zu wählen übrig ließ als zwischen Handel und Wucher, das man von den Dörfern und Vorstädten verbannt; Menschen, die überall gemieden werden, denen alles Oeffentliche geschlossen ist, denen endlich der größte Hohn, die größte Schmach geschieht — aus einem solchen Volke, aus solchen Menschen, was kann aus ihnen werden? Es wäre kein Wunder, wenn die moralische und psychische Substanz eines solchen Volkes eine Richtung genommen haben würde, die ganz außer der Sphäre unsrer Vorstellung liegt; kein Wunder wäre es wenn die grüßte Superstition, die knechtischesten Gesinnungen eine solche Nation beherrschen würde, wenn jede mögliche Reform und? freie Ansicht zu ihr unzugänglich wären. Aber was ' die Schuld ihrer christlichen Mitbürger noch vergrößert, ist, daß die dasigen Israeliten geistige Talente besitzen, die sie würdig machen überall zu einem Staatsvereine zu gehören. In ihrer Nüchternheit und Enthaltsamkeit, in ihrem sanftmüthigen Wesen und zuvorkommenden Höflichkeit werden zwar viele natürliche Folgen ihres niedergebeugten Lebens erblicken; aber wenn man im nähern Umgänge mit

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