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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-11-12 · Heft 46 (12.11.1842) · p. Seite 677

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 46 (12.11.1842)
Date
1842-11-12
Page
Seite 677 (sequence 5)
Language
German
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677 dere der moralische Bildungsstand der Juden Mecklenburgs angegriffen wird. Jedermann weiß, daß, obwol in den politischen wie in den religiösen Verhältnissen der Juden noch so manches zu wünschen übrig bleibt, die hohe Landesregierung es wahrlich nicht an wirksamen Mitteln fehlen läßt, um auf dem -Wege moralisch-religiöser Gesittung der 'nur langsam sich entwickelnden Gesetzgebung entgegenzukommen und die zeitgemäße bürgerliche Stellung der Juden vorzubereiten, wie so manches neugeschaffene Institut des jüngst verflossenen Jahrzehends, in welchem Einsicht und Humanität sich die Hände reichen, dafür vollgültiges Zeugniß gicbt. Das genannte Buch wimmelt übrigens von Fehlern und Unrichtigkeiten aller Art, die theils der völligen Unkenntniß des behandelten Gegenstandes, theils der unmoralischen Tendenz, Hie der Verfasser damit verbindet, zuzurechnen sind. Denn gerade die besseren und edleren Bestrebungen der Juden, welche die Verbesserung ihres innern moralisch-religiösen Zustandes zum Ziel haben, und wodurch sie am meisten der wohlwollenden humanen Absichten der Regierungen sich würdig zu machen suchen, sind es, auf die der Verfasser seinen Hauptangriff richtet, und die er am gierigsten zu verläumden und zu verdächtigen sucht. Die Kenntniß, die der Verfasser von den Zuständen Mecklenburgs entwickelt, darf als ein richtiger Maßstab seines ganzen elenden Machwerks gelten. Dr. S. Holdheim, Landes-Rabbiner." Hamburg, 19. Oktober. (Privatmitth.) Gestern wurde hier das Jahresfest der Schlacht bei Leipzig, wie gewöhnlich durch eine allgemeine Kirchenfeicr nebst einer Kollekte für die Invaliden aus jener Zeit und ihre hülfsbedürftigen Waisen begangen. Der hiesige neue Tempel feiert bekanntlich an diesem Tage zugleich den Jahrstag (diesmal den 24sten) seiner Eröffnung, und wirklich ist es schlagend richtig, einen deutsch-israelitischen Kultus an demselben Tage eingeweiht zu sehen, an dem das Gefühl der Deutschheit allgemein zum Durchbruch und zum Uebergewicht gelangte, und wo die deutschen Juden sich als wirkliche Glieder des deutschen Volkes erkannten und zeigten. Daß nicht alle die Erwartungen jener Epoche in Erfüllung gegangen sind, daß man jetzt sogar, um die gewaltsame und widerrechtliche Vorenthaltung der Rechte jedes Deutschen zu beschönigen, uns das höhere, das moralische Gut der deutschen Nationalität abzusprechen und zu verkümmern wagt — das ist nur ein lächerliches flüchtiges Meteor, das eben so wenig die ewige Gerechtigkeit der Geschichte stören kann, als ein Irrlicht den Ocean entzündet. Aber wenn die größeren deutschen Staaten schon längst die Feier des 18. Oktobers vergessen haben, lebt sie noch in den freien Städten, wo ihre Bedeutung noch nicht überlästiz geworden ist, und wenn sie auch da nicht mehr leben wird, wird sie in unserm Tempel bestehen und Jahr für Jahr werden seine Prediger es aussprechen, was seine ganze Existenz ausspricht und immermehr aussprechen wird: die innigste Durchdringung des religiös-jüdischen und des national-deutschen Elements. Diesmal ward die Feier des Tempels noch bedeutend erhöht, denn nach vollendetem Gottesdienste fand in Gegenwart der Tempelbehörde und einer Anzahl von Mitgliedern desselben die Grundsteinlegung des neuen Tempelgebäudes — dessen Mauern schon zu bedeutender Höhe angewachsen sind — Statt. Die einfache Zeremonie bestand in Verlesung des von sämmtlichen Anwesenden Unterzeichneten Protokolls, dem eine Standrede des Dr. Salomon voranging und ein Gebet des Dr. Frankfurter folgte. Ein Zell war hiezu errichtet, an dessen Rückwand zwischen Eichenlaub die Namen der Ur-Direktoren des Tempelvereins M. I. Bresselau (t 1839), S. I. Fränkcl (h 183»), M. Robinow (-f 1810) und Dr. W. Leo-Wolf sich zeigten. Abends hatten eine Anzahl von Mitgliedern und Freunden des Tempels, etwa 80 Personen beiderlei Geschlechts, unter Vorsitz des Dr. Rießer ein Diner veranstaltet, bei welchem eine heitere und lebensfrohe Stimmung herrschte. Offizielle Toaste wurden auf den Senat (durch Dr. Kley), auf die Gemeindevorsteher (durch Dr. Rießer), auf den Tempelverein und das Andenken seiner verstorbenen Gründer (durch Dr. Salomon), auf die Prediger, auf unsere Damen und auf unsere wohlthätigen Anstalten ausgebracht, denen sich eine Anzahl freiwilliger Toaste anreihte, worunter ein schöner, phantasiereicher auf den mitanwescnden Salomon Heine (durch Dr. Frankfurter) und ein launig versisizirter (durch Cobelli) auf den ebenfalls mir anwesenden obersten

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