Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1842)
- Date
- 1842-10-29
- Page
- Seite 660 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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660 Aerger und Neid immer klarer machten. Wir aber schwiegen und werden schweigen. — Wenn wir auf die Reihe bestandener und bestehender jüdischer Blätter in allen Sprachen blicken, wie auf: die Sulamith, Jedidja, der Jude, die Annalen, Ja regen eration. die Archives, die revue orientale, die Jaarboeken ff. ff. — so sehen wir, mögen ihre Verdienste groß oder klein sein, überall wenigstens einen anständigen Ton, der die Schicklichkeit bewahrte; niemals zeigten sie das widerwärtige Schauspiel, daß Blätter, die das Judenthum durcharbeiten, veredeln und vertheidigen sollen, sich unter sich erniedrigen, heruntersetzen, moralisch vernichten wollen. Dem „Orient" war es Vorbehalten, dies auf deutschen Boden zu verpflanzen. — Nur hierauf wollten wir das Publikum verweisen. Doch ein Umstand kömmt uns zur Hülfe, der es uns leicht macht, den „Orient" von uns abzuwehren: es ist die Gesinnungslosigkeit, mit der dieses Blatt überhaupt verfahrt; wie es überallhin Unfrieden, Zwietracht in die Gemeinden zu streuen, überall jedem keimenden Werke entgegenzutreten, alles Gute und Edle werthlos zu machen sucht, wie es dem Einen Weihrauch bis zur Kriecherei spendet, dem Andern Genickstöße versetzt — ohne daß freilich Beides wesentliche Wirkung hatte — und warum? bloß um Aussehen zu erregen und Abonnenten zu gewinnen. Der „Orient," wenn er seinen Weg nicht ändert, vermöchte nur das Eine — die jüdische Presse zu zerstören, indem er ihr das mühsam erworbene Ansehn — noch eine sehr zarte Pflanze — raubt. Mag nun das jüdische Publikum zusehen, wie es mit seinem Gelde solch' Treiben unterstützen wolle: wir werden nicht aufhören, ungestört Alles, was uns zum wahren Wohle Jsrael's zu gereichen scheint, mit dem Aufwands aller unsrer schwachen Kräfte zu unterstützen *). Magdeburg, den 16. Oktober 1842. Die Redaktion. *) Um nur einen Vorfall dem Publikum vorzuführen, und zu zeigen, wie die Interessen des Judenthums dem „Orient" ganz gleichgültig sind, wenn er nur seinen trüben Motiven genügen kann, sei hier ein so eben empfangenes Schreiben abgedruckt. „Sr. Hochehrwürden Herrn Rabbiner Di-. L. Philippson. Stolp, 10. Oktober 1842. „Gestern Abend von einer Reise von Baldenburg in Westpreußen zurückgekehrt, wohin ich berufen war, um am 6. d. M. die neue Synagoge einzuweihen, wurde ich höchst unangenehm von einem Referate im Oriente No. 41. d. d. Stolp 24. Septemb. überrascht, in welchem sich ein mir unbekannter Referent über die hiesige Gemeinde und mich aussprichr, und sich unterfängt, eine Gemeindeangelegenheit zur Oeffentlichkeit zu bringen, worin auch Ihr geehrter Name vorkommt, und worüber die ganze Gemeinde, insbesondere die Herren Repräsentanten mit mir von größter Indignation erfüllt sind. Wenn die hiesige Gemeinde sich Ihrem gütigen Ansinnen vom 13. Juli nicht anschloß, so lagen dafür besondere Gründe vor, die aber weit entfernt von den im Orient berührten sind; jedenfalls war es vom Referenten unpassend, darüber zu sprechen, und der ganze Artikel, der zu meinem und der Gemeinde Lob abzielen sollte, ist dadurch geschändet. Mehrere aber, die das Referat vor dessen Einsendung gelesen haben, wollen behaupten, daß mehrere Stellen in diesem Betreff nicht gestanden, sondern erst aus der Feder des Redakteurs geflossen seien. Das mußte uns nur höchst unbillig erscheinen, und es geschieht ebensowol in meinem eignen Willen, als im Aufträge der Herren Repräsentanten, daß ein eigenes Schreiben an Sie ergehe, um die hiesige Gemeinde, die ebensowohl den Frieden unter sich, als auch nach Außen erhält, nicht in ein falsches Licht gestellt zu sehen. Möge Ihnen die Versicherung genügen, daß ein Jeder in hiesiger Gemeinde Sie zu hochschätzt, um nicht von Unwillen über diesen Vorfall durchdrungen zu sein. Ich aber zeichne mit kollegialischer Hochachtung « Ew. Hochehrwürden ergebenster Dr. I. Klein, Rabbiner." Da hat denn das Publikum nur ein Pröbchen von der Moralität des „Orients"; und dabei handelt es sich nicht um unsere Person, sondern um die Angelegenheit von fünfundvierzig Gemeinden, unter denen solche von 3000—8000 Seelen! Die' Redaktion. Druck von Z. B. Hirfchfeld