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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-10-29 · Heft 44 (29.10.1842) · p. Seite 655

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 44 (29.10.1842)
Date
1842-10-29
Page
Seite 655 (sequence 11)
Language
German
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655 Fühlen sich, von Dir umwoben, Aller Lebenslast enthoben, Fühlen schon der Ruhe Nah'n Nach des Tages steiler Bahn. Breit den Mantel aus, voll Duft, Den manch' Sternlein schon durchbtinkt; Friede ruft, Liebe winkt, Und die Brust voll süßer Feier Hebt sich leichter, hebt sich freier, U»d das Auge, ungeblendet. Sich voll Ahnung aufwartswendet. Um die Flammen im Kamin Sammet, Freunde, Euch herum, Wie sie sprüh'n, Lastet stumm Aller Sorgen schwere Zungen, Doch von Liebe süß durchdrungen, Sei vergangner Zeiten Bild Bor der Freunde Blick enthüllt. S. Und der Aelteste beginnt: Meines Lebens Wege Waren mühselig sehr, Und auf öden Pfaden Schritt ich stets einher; Selten schaute die Freude Mir in das Fenster herein, Selten gab mir die Wonne Ihren Strahlenschein; Ach, unter schweren Seufzern Lernt' ich lächeln nur, Und die Thränen verwischten Wieder des Glückes Spur. Neben des Säuglings Wiege Grub man der Mutter Grab, Und dem Knaben senkte Man den Vater hinab; Eine Waise verstoßen, Irrt' in die Welt ich hinaus, Durch die fremden Fluren, In des Sturmes Graus. Mit dem Bettelstäbe Trat ich die Reise an. Und des Elends Zähre Gab mir, was ich gewann. Niemand lehrte mich beten Als die grimme Noth, Nur vom Sehen kannt' ich Meines Gottes Gebot. Ströme, Berg' überschritt ich, Keine Heimath für mich, Lander, Städte durchirrt' ich, Keinen Heerd für mich. Hob ich an die Klage, Ward ich doch nie gehört, Zeder wandte sich von mir, Mürrisch und beschwert; Spott und Hohn umrangen Mich in Dorf und Stadt, Polnischen Juden zu hetzen. Das Recht ein Jeder hat- Also bin ich erwachsen, Wissens- und liebeleer, Und ich mußt' nur zu tragen. War es leicht, war es schwer. 3 Es war ein Wintertag Mit hellem Sonnenstrahle, Doch eisig schnitt die Lust Durch Forst und Berg' und Thale; Ich wallt' in leichtem Kleid Mit vielen hundert Riffen, Und zween der Tage schon Hatt' ich nicht einen Bisten: Ich schlich nur langsam fort. Verwirrt an Sinn und Denken, In den gefrornen Schnee Wollt' oft ich schon mich senken — Ich trat jetzt aus dem Wald In eines Dörfchens Zeile, Doch trieb von jeder Thür' Man mich mit grimmer Eile: Zuletzt blieb ich noch steh'n Vor stattlichem Gebäude, Und sing, mir unbewußt,

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