Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1842)
- Date
- 1842-10-29
- Page
- Seite 646 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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646 gung einer genau detaillirten und gehörig belegten Rechnungsabschlusses und der betreffenden Korrespondenz, mit einem Schlage zu entkräften, zog es jenes Konntevor, zu sehr auf den wohlbegründetcn Ruf seiner Mitglieder vertrauend, eine hervorgerufene Dankadresse aus Jerusalem als Rundschreiben zirkuliren zu lassen. Um so leichter wurde daher die öffentliche Meinung, von dem aus Jerusalem abgesandten Aron Selig, der in Auftrag seiner Komittenden das westliche Europa durchzog, um Beitrage zur Erbauung einer Synagoge zu sammeln, und der vom amst. Kommit« allerdings manche unverdiente Verfolgung und Kränkung erlitt, gegen das amst. Kommitv bearbeitet, und durch manche angeblich authentische Dokumente der Verdacht hervorgerufen, als ob ein gewisser Jesaias Pinzkcr, welchem vom amst. Kommitö die Vertheilung aller Spenden vorzugsweise zugetheilt ist, zum Theil solche zur Erlangung irgend eines tyrannischen Einflusses und zu Zwecken, die gewiß nicht im Sinne der Geber liegen, verwendet, (vgl. Anlage). Ein wohlbekannter Schriftsteller hat sogar schon zur öffentlichen Vorlegung und Begründung aller desfallsigen Beschwerde, die ihm zugänglichen Aktenstücke gesammelt, an deren dokumentirte Wahrheit nicht leicht zu zweifeln sein sollte. Wenn auch jeder, dem der gegründete Ruf und die persönlichen Tugenden der Mitglieder jenes Kommito's für genügende Belege ihrer umsichtigen Verwaltung gelten, jenen Anschuldigungen im höchsten Grade mißtrauen mag, so haben doch in den Augen vieler, die sich nicht an Personalitäten, sondern an vorliegende Thatsachen halten, die verbreiteten Gerüchte leider so viel bewirkt, daß viele, sehr edle Männer vordersamst ihre gewöhnlichen Spenden für dorthin zurückhieltcn. Wenn daher das amsterd. Kommitö nicht in möglichster Schnelle eine gehörig belegte Bilanz aller Einnahmen und Ausgaben des im Jahre 5f>85 gestifteten Vereins zur Unterstützung unserer armen Brüder im heiligen Lande, dem kontribuirenden Publikum nebst der auf den Gegenstand bezughabenden Korrespondenz vorlegt, so wie auch über die Verwendung der eingegangenen Beiträge für die im Jahre 5»97 durch ein Erdbeben heimgesuchten Städte Zefath und Liberias öffentlich berichtet, wodurch allein aus die legalste Weise die im dunkeln geschärften Pfeile der Böswilligkeit unschädlich gemacht werden; wenn es dieser gerechten Forderung nicht Genüge leistet, vielmehr fortfährt, auf die selbstgeschaffene Amtswürde gestützt, die öffentliche Stimme nicht zu achten, dann hat es nur sich selbst anzuklagen, wenn die reichliche Quelle eurpäischer Wohlthaten für die fremdländischen Brüder zu versiegen beginnt. Das amsterd. Konimittö hat zwar an einen seiner Korrespondenten zur Entschuldigung seines Verfahrens und zur fernem Abweisung der verlangten Rechnungsablage, die Befürchtung ausgedrückt, es könne dem jüdischen Interesse nachtheilig sein, wenn die Summen bekannt würden, die wir alljährlich zur Unterstützung unserer Brüder nach Palästina senden. Diesem Scheingrunde entgegnen wir offen und frei, daß es für unsere vaterländischen Gesinnungen nicht einmal den Schein einer Anklage abgeben kann, wenn wir durch Spenden unsere Sympathie für die armen Bewohner eines Landes, das wir einst das Unsere nannten, und das in seinen heiligen Hügeln die theuern Ueberreste unserer Vorfahren birgt, darlegen; und das um so weniger in einem Zeitalter, wo zwei der erleuchtesten Völker Europas eines Grabes wegen so viel zur Gründung einer Kirche in jenem Lande verwenden. Auch in Staatsökonomischer Hinsicht haben wir von einer Veröffentlichung nichts zu fürchten, indem alle Gemeinden Israels ihre heimischen Armen vollkommen unterstützen, cs ihnen daher nicht zum Vorwurf gemacht werden kann, daß sie diese den fremdländischen hintenansetzen. Möge diese mahnende Aufforderung den Doppelzweck erreichen, das amsterd. Kommite aus seinem heimlichen, die Oeffentlichkeit scheuenden Verstecke aufzuregen, damit solches nicht mehr, aus stolzer Bescheidenheit, sein segensreiches Wirken für unsere in Elend und Schmach darbenden Brüder in nächtliches Dunkel zu hüllen sich bemühe; andrerseits aber auch bewirken, daß edle Menschenfreunde fortfahren ihre Brüder in Osten reichlich zu unterstützen. Anlage. Aus einem Briefe von dem in Deutschland wohlbekannten Herrn Abraham Salomon Salmer an Aron Selig: