Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1842)
- Date
- 1842-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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VI. Jahrgang. Zeitung Allgemeine No. 4L. des Zudeilthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Dr. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. KU Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 15. Oktober 1842. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 .}- Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere u hat sich die König!. Sachs, wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Belgien. Brüssel, im September. (Privatmitth.) Den Artikeln, mit denen Sie und Andere die Jnvektiven > des Dr. Hermes beantwortet, reiht sich ein sehr! würdiger des Herrn Kuranda in den Gränzboten S. 739 ff. an. Wir heben als etwas Faktisches das > Ende hervor: ,,Warum finden wir unter den Wij derlegungsgründen des Herrn Dr. Hermes gar nicht z das Wort Belgien erwähnt? Die belgische Revolution war gewiß nicht gegen die Kirche gerichtet;! denn die Männer der Kirche waren es, welche sie! geschaffen. Sowol in der ersten Revolution gegen j Oesterreich und die Josephinischen Edikte, als auch! im Jahre 1830 gegen die holländisch-protestantische Domination waren es die Priester, welche das Volk ' leiteten. Belgien ist ein christlicher Staat pur exl cellence. Wie kömmt es nun, daß die belgische Kon-! stitution den Juden die vollständigste Gleichstellung; mit allen übrigen Bürgern gewährte? j Daß diese Gleichstellung nicht bloß eine legislative,; sondern eine faktische geworden ist, könnten wir mit vielen Beweisen belegen. Wir heben aber nur das Beispiel heraus, welches dieser Frage am Nächsten liegt: das Militär. Nach genauen Belegen, die wir von Seiten des Kriegsministeriums bezogen, besinj den sich in der belgischen Armee 12 Offiziere jüdi- I schen Glaubens* **)), worunter der Platz-Kommandant von Ppern, ohne daß es dem hochwürdigen Herrn Kardinal-Erzbischof von Mecheln, oder der katholischen Majorität der Kammer in den Sinn gekommen ist, darin eine Gefahr für den Geist des Christenthums zu erblicken •*). Man verzeihe diese kleine Renommisterei, sie ist nöthig für unfern Fall; renommirt doch auch die Kölnische Zeitung mit der preußischen Toleranz gegen Meierbeer, und daß man jenem deutschen Künstler, der unter seinen lebenden Kunstgenossen die größte europäische Anerkennung gefunden, nachdem sein Verdienst längst von fremden Staaten geehrt *) Oie Liste, die wir erhielten, zahlt folgende auf: HL Louis. Lieutenant Colonel, commandant <1<; place d’Ypres, Chevalier (le Pordre de Leopold et de la Jegion d’honntMir; J. Meyer, capitaine au 2me regimenl; N. Brand, lieutenant de gensd’armerie; ferner 3 j»r<*mie*rlieutenants , 5 seconde-lieulenanls, I Kriegökasten - Oss'Zier. Anm. d. Re d. 0. G ran z b. **) Man könnte noch hinzufügen, daß im Civilstande ebenfalls wenigstens eben so viele Juden angestellt sind, und unter Anderen der königl. Prokurator beim Landgericht zu Mo ns, Herr Goudcheaux, etn Jude ist, der sowol von seinen Oberen als Untergebenen sehr geschätzt wird; daß an der hiesigen Universität z^vei Professoren, für Jurisprudenz und Medizin, angestellt, und endlich daß drei Juden mit dem Kreuze des Lropoloocdens dekorirt sind. Anm. d. Corr.