Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1842)
- Date
- 1842-10-01
- Page
- Seite 599 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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599 Nach einem Dekret d. d. Hochstätt d. 11. Zuli 1609 hat Markgraf Joachim Ernst auf inständiges Anhalten, Flehen und unterthäniges Bitten der Judenschaft, Rabbi und Ausschuß, den Schutz noch auf eine gewisse Zeit gnädigst bewilliget und zugleich befohlen, daß die Juden ferner bei ihren Privilegiis gelassen und auf ihr Anträgen ihnen hiecinnen die hülfliche Hand geboten werde. Aus diesen und andern Dekreten geht hervor, daß der Landesherr allein das Recht hatte, zu bestimmen, an welchem Orte sich ein Jude ansiedeln durfte. Die Beschwerden der Gemeinden wurden dabei wenig berücksichtigt. Beschwerde der Stadt-Vogtei Langenzenn 1704 d. 19. September. Dekrete von den Jahren 1664, 1665, 66, 67, 68, beziehen sich theils auf den Schutz der Juden, theils auf die Abgaben, welche sie an die hochfürstliche Haushofmeisterei in Ansbach leisten mußten; dabei ist eine Abgabe von einem Pfund Federn und einem Pfund Staub für jeden Juden, letztere wurde d. 17. Dezember 1679 aufgehoben. Der Begrabnißplatz ist in Fürth von jeher gewesen. Laus. Nach Hüttenbach hat der Sage nach vor ungefähr 500 Jahren ein Rittergutsbesitzer von Seckendorf die ersten Juden aus Franken gebracht. In der Synagoge findet sich eine Zahl eingehauen, die auf das Jahr 1706 christl. Zeitr. deutet; wahrscheinlich geht diese Zahl auf die Erweiterung der Synagoge. Leutershausen. In Leutershausen sind nach der Beschreibung der Stadt und des Amtes Leutershausen, welche der ehemalige Amtsvogt Wolf Tobias Weiß am 8. November 1757 amtlich gefertiget hat, die Juden erst seit Anfang des 17. Jahrhunders ansässig gewesen. Dem widerspricht jedoch das Stadtbuch, nach welchem schon 1440 Juden mit vollem Bürgerrechte in Leutershausen Vorkommen. Im ersten Jahresbericht des h. Vereins ist angeführt: im Jahr 1487 waren die Zinsen von den Leutecshauser Juden schon auf zwei, auch drei Pfennige vom Gulden, auf einen Heller vom Pfund gesteigert, doch blieb es da noch, wo es nach Stadtrecht gehen sollte, bei drei Hellern. Die Uebereinstimmung dieser verschiedenen Angaben läge vielleicht in der Vertreibung der Juden aus hiesiger Gegend im 13. Jahrhundert und die neue Ansiedlung derselben zu Anfang des 17. Jahrhunderts. Daher wird die Aufnahme des ersten fremden Juden in Leutershausen, 1612 als etwas Bemerkenswerthes aufgeführt; daher gab es noch 1693 Konspirationen gegen die Juden. In alten Akten findet sich ausgezeichnet: Ein Jud von Grünstadt in der Grafschaft Leiningen hat seine Pflicht zum Bürgerrecht geleistet Donnerstag den 26. August 1612. Ist der erste fremde Jud hier in Leutershausen geweßt. Die Bürger in Leutershausen haben sich in eine höchst sträfliche Verbindung gegen die Juden dergestalt eingelassen, daß nicht allein ein höchst vermessentlicher Aufstand, sondern für die Juden und ihren Leib Gefahr zu besorgen war. Markgraf Georg Friedrich ertheitte ihnen gegen solche Angriffe einen Schutzbrkef 1682. Jetzt sind 19 Judenfamilien in Leutershausen, welche eine im Jahr 1755 neu erbaute Synagoge besitzen; die Begräbnißstatten sind zu Bechhofen. Die Juden zu Vestenbergsreuth, Burghastach, Uehtfeld, Damansfürth, Neustadt, Schornweisach wollten neben dem christlichen Friedhofe einen jüdischen errichten. Von Würzburg, welches damals Münchsteinach im Vorsatz hatte, wurden sie begünstigt. Heftige Streitigkeiten, welche sogar militärische Maßregeln nöthig machten, waren die Folge. Endlich wurden sie von Baireuth aus zur Ruhe gebracht. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben'werden Annoncen aller Art gegen lj Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Im Verlage von F. A. Reichel in Bautzen ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Historisches Wörterbuch der jüdische» Schriftsteller und ihrer Werke von G. B. DE-ROSSI, aus dem Italienischen übersetzt von Dr. C. H. Hamberger. Zweite Auflage, gr. 8. brosch. 336 S. Preis 2 Thlr. Ein gebildeter junger Mann, israelitischer Religion, der zugleich Unterricht in der französischen und englischen Sprache zu ertheilen im Stande ist, kann in einem ansehnlichen Hause, in einer der ersten Städte Baierns, ein vortheilhaftes Unterkommen finden» Lust tragende, die sich über ihren moralischen und wissenschaftlichen Charakter auszuweisen vermögen, wollen sich unter der Chiffer L. B. per Addr. Herrn I. G. Werner Fleischergasse No. 291 in Leipzig wenden, welcher dann das weitere besorgen wird. —