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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-09-10 · Heft 37 (10.9.1842) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 37 (10.9.1842)
Date
1842-09-10
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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9 sache blieb es doch immer, und zwar eine um so bindendere, als es hier nicht blos die Heilung einer körperlichen Krankheit, sondern die Verhütung eines Seelenübels betraf. Indem sich nun der hiesige Vorstand, von der niedrigen Instanz zurückgewiesen, an die höhere, an das Gewissen des Seelenarztes jener Individuen wandte, so hat er den geradesten Weg emgeschlagen, der unter diesen Umstanden nur eingeschlagen werden konnte. Da man aber auch hier kein Gehör fand, so blieb nur noch die letzte, höchste Instanz — die Oeffentlichkeit, und an diese zu appelliren stand doch wohl Jedem frei. — Wenn nun der S. d. R., darüber erbost, die wohlbeqründete Forderung des hiesigen Vorstandes eine grobe Bettelei nennt, so ist das eine grobe Unwahrheit und eine gemeine Beleidigung zugleich. — Die Kostner Juden nähren sich mühsam und redlich von dem Werke ihrer Hände, und es befindet sich nicht Einer in ihrer Mitte, der seiner Gemeinde oder gar einer fremden zur Last siele. Von der Wahrheit dieser Behauptung hat sich wol die ganze rabb. Familie bei Gelegenheit der Hochzeit, die sie hier unlängst gefeiert, zur Genüge überzeugt; ihr Wohlthatigkeitssinn hat hier kein Feld für die fromme Saat gefunden. — Oder erschien dem S. d. R. etwa das als eine grobe Bettelei, daß der hiesige Vorstand seiner Familie die Hochzeitsgebühren nicht erlasien wollte, die der ärmste Handwerker geben muß und auch ohne Einwand giebt, wohl einsehend, daß die Gemeinde eine angemesiene Vergütung zu fordern berechtigt ist, wenn sie ihre besoldeten Diener zur Vollziehung der rituellen Hochzeitsfeierlichkeiten hergiebt? Es ist allerdings unangenehm so Etwas berühren zu müssen, aber durchaus nothwendig; das Publikum muß doch wissen, was diese Herren unter ,,grobe Bettelei" verstehen. — Wenn der S. d. R. ferner in vornehm abfertigendem Tone mir den Rücken zukehrt, so muß ich mich schon darüber hinweg setzen, so niederschlagend es auch für mich sein mag; allein, wenn er, in gnädiger Herablassung dem Publikum sich zuwendend, diesem im Vorbeigehen erzählt: es habe der hiesige Vorstand seinem Vater bei dessen Jnstallirung einen Gratulationsbesuch abgestaltet, so weiß man wahrlich nicht, ob man in Zorn gerathen ob der dreisten Unwahrheitoder ob man laut auflachen soll über den thörichten Dünkel! Sie glauben also alles Ernstes: Das Streben Ihres Vaters finde Anerkennung? Denn in einem solchen Falle könnte ihm ja nur eine Auszeichnung der Art von Seiten einer auswärtigen korporativen Vertretung zu Theil werden. — Nein mein Lieber! In so tiefer Finsterniß wandelt keine Gemeinde in unserer Provinz, am allerwenigstens die Kostner; und wenn die ganze Geschichte nicht absichtlich erlogen ist, so beruht sie auf einer fixen Idee, die alles Grundes entbehrt. — Was ferner den Brief betrifft, so haben sich, dem Rabb. sehr nahe stehende Personen überzeugt, daß derselbe von hier abgegangen ist; der Abgang des Briefes setzt aber den Empfang desselben außer allem Zweifel. Das Journal endlich, auf das sich der S. d. R. beruft, beweist Nichts; denn dies kann nur für denjenigen Glaubwürdigkeit haben, der dem Herrn überhaupt auf's Wort glaubt. Es zerfallt demnach die ganze „Entgegnung" in ein Nichts, und der P—r Rabb., nach wie vor ungerechtfertigt dastehend, ist dem jüd. Publikum, und mithin auch mir, noch immer die Antwort auf die Frage schuldig: warum er, nachdem es zu seiner Kenntniß gelangt war, daß zwei Juden aus seiner Gemeinde der Gefahr ausgesetzt seien, einen n*D zu begehen, zur Abwendung dieser Gefahr Nichts, rein gar Nichts gethan hat. — Mag man diese offene Sprache immerhin als eine maßlose Frechheit bezeichnen und neben andern Mitteln auch zur Geringschätzung seine Zuflucht nehmen, das soll mich nicht einschüchtern. Ich gebe gern zu, daß ich tief unter dem Rabb. stehe, aber 12TUJ Dip72S 'is-i ■ppbin ys tBn'h. Wie groß aber d. Törin ist, davon können sich die Herren leicht überzeugen. Sie dürfen nur auf bie Stimme des sogenannten ynnn 22 hören — hören, wie sie und mit ihnen die Religion durch Vorfälle der Art bei diesem schlichten Manne in immer größern Mißkredit gerathen, und wahrlich! wenn es ihnen ernstlich darum zu thun ist, ihre Aufgabe, von welchem Standpunkte es auch sei, zu lösen, so werden sie sich rastlos bemühen, durch unzweideutige Beweise der Liebe zur Wahrheit die verscherzte Achtung wieder zu gewinnen. Mystifikationen hingegen nützen ihnen Nichts, sie schaden vielmehr selbst im Sinne der Mystisizirenden; denn das Publikum ist nicht nur so einsichtsvoll, um sich keinen blauen Dunst vormachen zu lassen, es besitzt auch Ehrgefühl, und muß sich höchlich verletzt fühlen, wenn es sieht, wie man es wieder und wieder nur zum Besten hat. — Kosten den 25. Aug. 1842. X. Druck von I. B. Hirfchftld.

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