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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-08-13 · Heft 33 (13.8.1842) · p. Seite 499

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 33 (13.8.1842)
Date
1842-08-13
Page
Seite 499 (sequence 15)
Language
German
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499 und aller Herzen sind euch geöffnet. — Ihr könnet es doch nicht leugnen wie man uns von vielen Seiten so menschenfreundlich entgegen kömmt! beharren wir aber bei unsrem Eigensinn: so werden wir auch noch Zeuge von Rückschritten sein, die nicht ausbleiben können. — Esset und trinket, was der Gesundheit zuträglich! ruhet von der Arbeit an den Tagen, welche der Staat dazu bestimmt! heirathet die, welche für euch passend! erziehet eure Kinder zu tugendhaften Menschen! und ein jeder Staat wird sein gerechtes Mißtrauen gegen euch fahren lassen. Dieses ist das Raisonnement dieser praktischen Partei und ohnlangst hat ein Wortführer derselben in der Ständeversammlung in Frankreich sein Votum in diesem Sinne öffentlich abgegeben. Nun! heißt dieses nicht, ganz vernünftig argumentirt? Oder hat es nur den Schein? Ich frage euch meine orthodoxen Mitbrüder in diesem Sinne weiter. Wie!! sollen wir uns noch immer an den alt verjährten Thorheiten des Zudmthums binden? Sollen wir aufgeklärte Menschen des 19. Jahrhunderts uns noch Vorschriften machen lassen, wie wir von der Arbeit ausruhen sollen und welche Speisen wir genießen müssen, unsren Hunger zu stillen? Sind wir auf dem rechten Wege, wenn wir, als Juden, nach dem Gesetze Mosche den Schabbat vorschriftmaßig feiern und diese oder jene Speise meiden, die vorgeschriebenen Abschnitte des Pentateuchs zur gehörigen Zeit pünktlich lesen rc., oder sind diejenigen Juden, welche es willkürlich unterlassen auf dem rechten Wege? Sind wir in unsrer frommen Einfalt zu belächeln und zu bemitleiden, oder sind jene als Pflichtvergessene zu bedauern? Es ist jetzt wol endlich Zeit daß man hiermit in's Klare komme. — Seit einigen Dezennien ist vieles in Frage gestellt, was früher Niemand anzutasten wagte. — Tiefe Denker sind diesem oder jenem Wege gefolgt; wem sollen wir Laien Nachfolgen? Reform! Reform! ist das Feldgeschrei. — Väter welche für das Wohl ihrer Kinder besorgt sind, wissen nicht, welche Erziehung sie denselben geben sollen, um nicht über kurz oder lang sich von denselben belächelt, und die denselben so mühsam eingefloßten Regeln zum Wege des Lebens als eine altmodige Scharteke zur Seite gestellt, zu sehen. — Ist denn Israel von Männern entblößt, die ein entschiedenes Wort hierüber zu sprechen wagen? Diese Erscheinung in unsrer Zeit ist nun keineswegs etwas Neues, wie uns die ältere Geschichte hierüber zur Genüge belehrt, aber die Geschichte bezeugt auch, daß bei ähnlichen Vorfällen immer Männer aufrcaren, welche mit Energie ihre Rüge, Vermahnung, und Belehrung hierüber hören ließen, und wir! in unsrer Zeit? Niemand tritt ernstlich hiergegen auf und scheint es einem Laien, wie ich bin, Vorbehalten zu sein, sich diesem Unwesen entgegen zu stellen. Bevor ich zu Werke schreite, ergehet jedoch hierdurch eine Aufforderung an die Schriftgelehrten und Gesetzkundigen in Israel: Es trete hervor der Mann, welchem Gott die Fähigkeit dazu verliehen hat, und steuere diesem Unwesen mit Kraft. Hat sich aber binnen einem halben Jahre Niemand hierzu angefunden, so muß ich annehmen daß ich hierzu bestimmt sei und so will ich dann, — der ich diesem Gegenstände seit einer Reihe von Jahren meine Betrachtungen gewidmet habe, da es mir alsdann zu einer unabweislichen Pflicht geworden ist, das Resultat derselben, meinen Zeitgenossen mittheilen. In einem herauszugebenden Werke, beabsichtige ich, zuerst die Fragen zu beantworten, 1) Können und sollen die Mitglieder der genannten religiösen Gesellschaft, die mosaisch religiösen Gesetze vernünftiger Weise noch pünktlich befolgen? —*) 2) Sind wir Juden vernünftiger Weise verpflichtet, überall noch Mitglieder dieser religiösen Gesellschaft zu bleiben? alsdann sollen auch nachfolgende Fragen, welche mit den vorgehenden in inniger Verbindung stehen, ihre Erledigung finden. a) Können die Mitglieder dieser religiösen Gesellschaft, in einem Staate welcher dem Prinzip der Einheit Gottes zugethan ist (wozu auch natürlich sogenannt christliche Staaten gehören) ohne Schaden für's Ganze, als vollständige Staatsmitglieder mit gleichen Pflichten und Rechten ausgenommen werden? b) Beruhen Judenthum und Ehristenthum gegenseitig auf homogenen oder heterogenen Prinzipien? e) Kann die christsich religiöse Gesellschaft als solche, das Judentbum anerkennen? 6) Wird das Ehristenthum durch diese Anerkennung nicht gefährdet? Da nun meine Stellung in der, bürgerlichen Gesellschaft von der Act ist, daß ich Verpflichtungen gegen Eltern, Geschwister, Frau und Kinder und diejenigen Mitbürger habe, mit denen ich als Kaufmann in Geschäftsverbindung stehe; denen ich um solche zu erfüllen meine ganze Zeit widmen muß: so bin ich gezwungen um die Zeit und ruhige Muße zu erlangen, welche zu dem heiligen Geschäfte welchen ich mich zu widmen beabsichtige erforderlich ist, die Hülfe meiner Zeitgenossen in Anspruch zu nehmen. — Ich glaube, daß mir diese Hülfe am besten durch Einzahlung einer Pränumeration auf das Werk, welches ich mit der Hülfe Gottes herauszugeben beabsichtige, zu Theit würde. — Die Pranumerations-Gelder würden alsdann in den verschiedenen Orten bei sichern Banquiers rc. so lange deponirt werden bis zum Erscheinen des ersten Theits des Werkes. — Ich würde jedoch keineswegs eine thatigere und kräftigere Mitwirkung in dieser Hinsicht zurückweisen. — Nach °) Die öffentlichen Diskussionen in Betreff der Gebete und Betweise der Juden, find mir nicht unbekannt geblieben, ich lasse diese aber vorerst als sekundär auf sich beruhen; denn hier ist die Nede von Sein oder Nichtsein des Judenthums, dort aber nur von der Bewegung im Judenthum.

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