Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1842)
- Date
- 1842-08-06
- Page
- Seite 482 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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482 Civilisation angehören, zum Bedürfniß und zum Kampfe geworden. Mag nun mit dieser Schrift alles Lokale und Persönliche in diesem Streite abgeschlossen, und nur das Allgemeine in ihm zu weiterer Förderung und Lösung übergeben sein. Jedenfalls hat der Tempel für sich das gewonnen, daß er in zahlreichen Männern der Gegenwart Stützen und Träger gefunden. Es mögen daher hier nur noch die Endworte der gedachten Einleitung eine Stelle finden: „Männer der Fortschrittes! die Ihr von der Idee der Fortbildung durchdrungen seid und die väterliche Religion zu ihrem welterlösendem Ziele führen möchtet, — werdet nicht ungeduldig in Euecn Bestrebungen, wenn die Zeit nur eine langsame Entwickelung gestattet, wenn die Umstände vielfache Rücksichten erfordern. Dringet nicht ungestüm vor, um dem Bessern den Siez zu verschaffen; ermüdet aber auch nicht bei dem Widerstande, der Euch in mannichfaltigen Gestalten entgcgentcitt. Widerstand fanden Alle, welche Mißbräuche wegzuräumen und das Reich des Lichtes zu fördern suchten; aber dem Lichte ist der Sieg verheißen, und es wird ihn erringen. — Ihr aber, Männer des Stillstandes! die Ihr von dem Geiste finsterer Jahrhunderte in Banden gehalten, das Recht der Gegenwart verkennt, und in uns nur frivole Bilderstürmer seht, — Ihr bekämpfet vergeblich die Nothwendigkeit einer Umgestaltung der religiösen Zustande. Diese Nothwendigkeit tritt Euch überall entgegen, wie der Prophet Elias dem Ahab, und ihr werdet Euch der Gewalt des umbildenden Weltgeistes doch fügen müssen. Es hilft nicht, die abgestandene und erstarrte Form krampfhaft im Leben festhallen zu wollen; das Leben weist sie unberührt ab, und regenerirt sich gleich der Ehrysalide, die ihre Hülle abstceift, wenn ihre Zeit gekommen ist. Lernet Weisheit von den weisen Lehrern früherer Jahrhunderte, welche auf die Pulsschläge der Zeit achteten, und den Ausspruch: „Es ist Zeit für Gott zu wirken," nicht kasuistisch verdreheten, sondern im Sinne der Fortbildung anwcndelen. Seid Hirten nach dem Herzen Gottes, und fördert Erkenntniß und Vernunft. (Jer. 3, 15.) Wollt Ihr jedoch durchaus in starrer Unthätigkeit verharren, und das Prophetenorakel der Zeit als eine pythische Kovulsion betrachten, — wollt Ihr den Tempel, oder — was hier dasselbe ist — eine zeitgemäße Umbildung des Kultus als Ketzerei und Abfall von Euch weisen, und dessen Anhänger für Nichljuden erklären, weil sie nicht alle Phrasen der alten Agende als Pflichtgebete betrachten: nun, so befördert Ihr auch ferner, wie bisher, den Verfall der väterlichen Religion, und zwingt die Anhänger der Fortbildung Euch gänzlich fahren zu lassen. Dieß haben sie mit Opfern bisher vermeiden wollen; dieß würden sie, sollte cs eintreten, aufrichtig bedauern, jedoch nicht Euretwegen, sondern wegen der Gesammtheit Israels, welche berufen ist, im Lichte Gottes zu wandeln. Aber nein! Israel wird von der Vorsehung noch immer geleitet, über den Tod und über das Todte hinaus. Jedes Bestreben, das Bessere zu hindern, oder gar zu unterdrücken, hat keinen günstigem Erfolg, als Bileams Bann- und Fluchversuch, — er wurde zum Segen. So war die neueste Reaktion gegen den Tempel diesem nur förderlich, auch dadurch, daß sie erleuchteten Lehrern in Israel eine Veranlassung wurde, sich für die Idee der Fortbildung auszusprechen. Diese im Jsraelismus, wie in der Natur des Menschen, tief gegründete Idee ist dadurch mehr hervvrgehoben und verbreitet worden. Wir können daher die folgenden Blätter der Mit- und Nachwelt in voller Wahrheit als ein Denkmal der Fortbildung übergeben, und dürfen getrost der Zukunft entgegengehen, von der cs heißt (Jer. 31.): Einst schließe ich mit Israel einen neuen Bund, spricht Gott; ich werde meine Lehrein ihr Inneres geben und in ihr Herz schreiben, so daß Alle mich erkennen, die Kleinen wie die Großen.-No. 3. ist ein kleiner Nachläufer von dem Berf. der „Beiträge zur Kritik," worin er theils diese vertheidigen, theils einige Bemerkungen über das Hamb. Gebetbuch heranbringen will. ' Im Ganzen tritt er auf die Seite desselben, nur gefällt ihm nicht die Einstreuung deutscher Gebete, die Annahme einiger altern Phrasen und die kurze Behandlung des Opferkultus. Wir können bei diesem Schriftchen nur unser früheres Urtheil wiederholen. Herr Löwengard besitzt Unabhängigkeit des Urkheils und manche Eigenthümlichkeit des Gedankens; allein es ist bei ihm noch nicht zur Durcharbeitung.gekommen, und er sollte seine Muße lieber auf umfassende Bearbeitung irgend eines speziellen Gegenstandes verwenden: dann stände es wohl zu erwarten, daß er ein Tüchtiges leistet. —