Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1842)
- Date
- 1842-07-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 30. VI. Jahrgang. 2111 C Ulf 1 )1 f Zeitung -es Zu-enthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Dr. Ludwig Philipps»«, Baumgärtners Buchhandlung Geistlicher der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit Königl. Sächsischer allergnadigster Concession.) Leipzig, den 23. Juli 1842. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.s.w umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Leitender Artikel. Magdeburg, den 8. Juli. - i Wir müssen unsre Leser heute auf einen Artikel aus , der ofener Zeitung aufmerksam machen, den wir in; dieser Nummer mittheilen. Nicht wir, sondern die, den Juden sonst nicht wohlgesinnte Posener Zeitung sagt das in dem kleinen Artikel Enthaltene ans, das uns von gro-; ßer Bedeutung scheint. Mit einem Worte: es wird; über den Abzug der Juden aus dem Großher-! zogthum Posen geklagt, und daß der Verkehr j dadurch ungemein leide. Während also von jeher; über die Ueberfüllnng des Großherz ogthnms von Juden,! und wie sebr das Großherzogtbum darunter leide, mit j bitteren Worten Klage geführt wurde, sehen wir, daß * jetzt, beim Abzug einer, doch noch nicht allzugroßen Anzahl Inden von den übelen Folgen dieses Abzugs nachdrücklich gesprochen wird. So ein Stück Wirklichkeit tritt! alten böswilligen Insinuationen mit glänzender Beredt-! samkeit entgegen, und macht alle, aus tiefem Haß ent-; springenden Phrasen von der Schädlichkeit der Juden sieg-; reich zu Schanden. Wir haben vor Kurzem (No. 22—24) einen Aussatz des Herrn Prof. Richtet zu Erlangen gebracht, den dieser christliche Gelehrte für den historischen Verein in Mr'ttelfranken, also gar nicht mit der Absicht weiterer Veröffentlichung, also gewiß in völliger Unparteilichkeit geschrieben, und worin er sonnenklar erwies, daß Nürnberg seinen frühern großen Glanz den Inden ' verdankte (S. 331), aber seinen Verfall nur der Austreibung der Juden (S. 354) zuzuschreiben hat. Möchten solche geschichtliche Thatsachen endlich einmal den ungerechten Anklägern zu einer gerechten Beurtheilung der israelitischen Glaubensgenossen die Augen öffnen! Magdeburg, den 11. Juli. Etwas zur Beruhigung unsrer norddeutschen Glaubensbrüder. Es wäre wirklich einmal Zeit, diese ließen sich viel weniger von den böswilligen Artikeln der Leipziger Allgemeinen Zeitung affiziren, als es geschieht. Diese Zeitung hat ihre Bedeutung längst verloren. Sie begann mit einem Schwünge von Freisinnigkeit, der ihr in den damals schwierigen Zeiten — die Kölner und Hannöver'schen Wirren — eine große Verbreitung schnell verschaffen mußte. Sie hat aber — die Gründe sind wol kaum verborgen — einen freisinnigen Punkt nach dem andern ausgegeben, und ihr Hauptvergnügen und Hauptelement ist noch der Privatskandal. Dabei hat sie sich ein eigenes System von der Unparteilichkeit gemacht, welches, nebenbei gesagt, auch manche Btätter auf ganz anderen Gebieten trifft. Sie läßt auf einer und derselben Seite die verdumpftesten Vorurtheile, die mittelalterlichsten Verdunkelungen neben zeitgemäßer Gesinnung und angemessener Würdigung aufmarschiren; sie läßt heute in den Himmel erheben, und morgen in den tiefsten Sumpf werfen ein und dasselbe. Wohl aufgemerkt, betrifft es Fakta, so kann