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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-07-09 · Heft 28 (9.7.1842) · p. Seite 420

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 28 (9.7.1842)
Date
1842-07-09
Page
Seite 420 (sequence 16)
Language
German
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420 nicht täuschen. Die Städte Mainz, Speyer, Worms leben in den jüdischen Sagenkreisen ein unvergängliches Leben; in denselben hatten sich vor der blutigen Verfolgung Gemeinden nach gewissen Satzungen gebildet; wahrscheinlich erleuchtete auch sie ein Strahl jenes wissenschaftlichen Lichtes, das von den jüdischen Akademiecn ausging, welche im Oriente bis zum zehnten Jahrhundert blühten und durch den gelehrten Sinn der Kalifen nicht wenig gehoben wurden. Dieß ist die Blüthenzeit jüdischer Wissenschaft. Während der Occident in verächtlicher Unwissenheit lebte, während das Recht des Stärkeren sich immer entschiedener geltend zu machen strebte, während nur in wenigen abgeschiedenen Freistätten die Wissenschaften gediehen, gebührt den Juden im Orient der Ruhm gründlicher vielseitiger Bildung. Diesem glücklichen Zustande machten die Kreuzzüge ein Ende: mit gleicher Wuth wurde Occident und Orient verheert. Der Religionseifer versuchte sich mit gleicher Wuth an Juden und Jslamiten. Die aus den östlichen Gegenden vertriebenen wandten sich im Allgemeinen nach Spanien. Hier lebten sie ruhig bis in das fünfzehnte Jahrhundert. Am Ende desselben vertrieb sie Ferdinand der Katholische, so wie einige Jahre später die durch verjährte Sympathieen mit ihnen verbündeten Mauren. Wer das politische Vcrhältniß genau erwägt, in welchem Ferdinand zu seiner Gemahlin Jsabella stand, wer die nur mit großen Schwierigkeiten durchzuführende Bereinigung der getrennten spanischen Lheile von seiner Vermählung an bis zu dem blutigen Kriege mit Granada, betrachtet, wird zwar das Grausame seiner Verfahrungsweise nicht leugnen können, jedoch zu der Ueberzeugung gelangen müssen, daß der Religionselfer, der ihm nachher den obengenannten Beinamen vom Pabste erwarb, seinem Ringen nach Einigung der getrennten Provinzen und nach Erweiterung seiner Gewalt nur dienend zur Seite stand. Freilich war der Erfolg anders, und was er zur Befestigung der königlichen Macht beschlossen, sollte bald nach ihm zur Beschränkung derselben sich ausbilden. Antonio de Solls spielt in seinem wichtigen Geschichtswerke, die Eroberung von Mexiko, auf solche Staatsverhaltnisse mit gründlichem Scharfsinn an. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Wichtiges Werk für Philologen und Orientalisten! So eben erschien im Verlage von Heinrich Franke in Leipzig und ist in allen Buchhandlungen vorräthig: Averrois Commentarius in Aristotelis de arte rlietorica libros tres. Hebraicc versus a Todroso Todrosi Arelatensi nunc primuin ex codice bibliothecae senatoriae Lipsiensis cum prolegomenis copiosissimis edid. Dr. J. Goldenthal. Mit Titelvignette. Preis auf schönem Velinpapier nur 1\ Thlr. Für die Leser dieser Zeitung noch die Notiz, daß dies Werk dem Sir Moses Montefiore, zum Dank für seine Bemühungen in Alexandrien und Konstantinopel gewidmet ist, mit einem dazu geeigneten Prooemio. I Ein Rechtsgelehcter mosaischer Konfession, der eine öffentliche Anstellung ohne Glaubenswechsel nicht erlangen kann, wünscht durch Hülfe seiner Religionsgenossen ein seiner Bildung entsprechendes Unterkommen zu gewinnen, bei welchem ihm die ungeschmälerte Bewahrung seiner Grundsätze möglich wäre. Er wendet sich dieserhalb mit diesem öffentlichen Schreiben an seine Glaubensbrüder, insbesondere an größere jüdische Gemeinden und empfiehlt denselben seine Wünsche, in dem Vertrauen, daß es noch viele hochherzige Männer giebt, die solche Gesinnung ehren und deren Durchführung möglich machen werden. Etwaige Eröffnungen wolle man unter der Ehiffec X. Z. so bald wie thunlich an die Redaktion dieser Blätter gelangen lassen. Druck von I. B. Hirschfeld.

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