Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1842)
- Date
- 1842-06-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. SS. VI. Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Dr. Ludwig Philipps»«, Baumgärtners Buchhandlung Geistlicher der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg. zu Leipzig» (Mit Königl. Sächsischer allergnadigster Concefsion.) Leipzig, den 18. Juni 1842. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels Registers u.s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition aUhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Großbritannien. London, 24. Mai. (Privatmitth.) Ich übersende Ihnen heute eine wortgetreue Ucbersctzung eines Berichtes aus der Beilage der Times, welcher eine merkwürdige Verhandlung über den Standpunkt der Juden in unsrem Lande betrifft. Der glückliche Ausgang der Sache wirft ein Helles Licht auf die wahre Gesinnung des englischen Volkes, und ist ein schönes Intermezzo in den trüben Nachrichten, welche uns vom Kontinente zukommen. Doch zum Bericht. In der Stadt Bedford eristirt eine reiche Stiftung, begründet von Sir W. Harpur, Lord-Mayor von London unter Elisabeth, welche Freistellen in Eduards dev sechsten lateinischer Schule, Ausstattungen armer Mädchen, Lehrgelder für Handwerksburschen, Belohnungen für Dienstboten-Trcue u. dgl. m. ertheilt. Einige jüdische Familien in der Stadt sind von Zeit zu Zeit aus dieser Stiftung unweigerlich unterstützt worden, mit einer einzigen Ausnahme im Jahre 1821, weswegen Herr Michael Joseph und die Äeltesten der Synagoge auf bet l^ciulenlialL-Street damals an den Lordkanzlcr Eldon Rekurs nahmen. Der Fall ward von dem Gencral-Attoreey Sir Sam. Romilly und Mehreren untersucht, und nach genauer Erörterung dekretirtc der Lordkanzler, die Juden hätten keinen Anspruch auf die Wohlthaten jei ner Stiftung. Jndeß genoffen dennoch stadtbürtige Israeliten Wohlthaten aus der Stiftung und bei einigen geschieht dies bis heute fort. Bei der letzten Quartalsitzung im April meldeten sich zwei Juvenmädchen zu der Ausstattung; das Gesuch ward aber abgewiesen, indem alle Juden Fremde, und nicht zu den Wohlthaten berechtigt seien. Eine bedeutende Aufregung erfolgte, und so veranlagten die Verwalter eine General-Versammlung, um einen genügenden Beschluß über den Gegenstand zu haben. Die Versammlung fand am Donnerstag den 19. Mai statt unter Vorsitz des Mayors, welcher von Amtswegen Verwalter ist. Herr Hyne trug den Gegenstand vor, indem er eine mit etwa 300 Unterschriften von verschiedenen Einwohnern versehene Petition vorlegte, welche verlangt, daß der Jsabella Lyon und Franciska Levy als stadtbürtigen wohlberufenen Mädchen das Ausstattungs-Ratum ertheilt werden möge. Der Konsulent der Verwaltung verlas das Dekret Lord Eldon's s» wie aus Swanson's Reports > die Argumente jener Entscheidung. Zugleich zeigte er an, daß keine Meldungen von Juden von der Zeit bis 1831 vorgekommen seien, wo er selbst aus der Verwaltung getreten sei. Herr Green sagte, er sei überzeugt die Gefühle aller Administratoren auszusprechen, wenn er erkläre, daß sie alle sehr eifrig dafür wären, die Anrechte der Juden zu erweitern, wenn dies auf gesetzliche Weise geschehen könne.