Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1842)
- Date
- 1842-05-14
- Page
- Seite 304 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Phantom, das die letzte Stunde ihm trübt, wahrzunehmen. Wie soll er über sein Vermögen bestimmen, wie über seinen Nachlaß verfügen, darf doch sein wirklicher Vermögensbestand nicht gekannt werden, damit nicht die gesetzliche Judenstcuer über den Nachlaß wie ein Raubthicr Herstürze und ihn verzehre? Da muß zu Fiktionen Zuflucht genommen werden: das Vermögen wird ohne gerichtlichen Schutz, ohne Urkunden Andern anvectraut; und der Sterbende scheidet mit dem folternden Gedanken, ob nicht dieses Vertrauen zum Nachtheilc seiner Erben werde gemißbraucht werden. Dieses harte Loos der böhmischen Juden zu mildern soll nun der Vorsatz der Staatsrcgierung sein. Die weise österreichische Regierung darf mit dieser Sühne für das durch fast ein Jahrhundert an mehren Geschlechtern begangene Unrecht, für die Hunderltausenden verursachte Qual und auf sie gehäufte Bedrückung nicht zaudern" Ofen, 27. April (Privatmitth.) Die geehrten Leser dieser Zeitung werden sich vielleicht noch erinnern, im Jahrgange 1838. Nr. 27. einen Artikel aus Stuhlweißenburg gelesen zu haben, in welchem erzählt wurde: daß der löbl. Magistrat dieser den Juden bis dahin verschlossenen k. Freistadt, aus freiem Willen (der Landtag wurde erst ein Jahr spater eröffnet) die Thore ihrer Stadt geöffnet, und sie nebst Versprechungen bedeutender Vergünstigungen zur Uebcrsiedelung in ihre Stadt cinluden. Daß wirklich Juden diese menschenfreundliche Einladung angenommen, und wie sie von dem lvbl. Magistrate ferner behandelt werden, ergiebt sich aus einem Berichte, den wir der Ofner Zeitung entnommen hier wörtlich folgen lassen. , „Stuhlweißenburg. Es ist den'israelitischen Bewohnern Stuhlweißenburgs, eine eben so heilige als angenehme Pflicht, den humanen, echt liebevollen Geist, von welchem der löbl. Magistrat mit der Gesammtbürgerschast, gegen die in ihrer Mitte wohnenden Israeliten erfüllt ist, öffentlich dankbar anzuerkennen. Diese fanden nicht nur eine höchst menschenfreundliche Aufnahme in Stuhlwcißenburg, sondern erhalten fortwährend Beweise von Edelsinn, Wohlwollen und Vertrauen. So unterhalten Israeliten außer anderen Handlungen bereits auch mehrere Schnittwaarenhandlungen, und erst kürzlich beglückte der löbliche Magistrat und die Wahlbürgerschaft die Israeliten mit dem Geschenke eines schönen, angemessenen Grundes zu einem Gottesacker. Solche Thatsachen sprechen für sich selbst und erwecken auch für die Zukunft die erfreulichsten Hoffnungen. Der Himmel segne die guten Bewohner Stuhlweißenburgs, die das Hauptgebot aller Religionspartcien — das j Gebot der Liebe — gegen ihre israelitischen Mirbür-! ger so thätig erfüllen." I Wir statten hiermit in diesem Organe für jüdi-! sches Interesse im Namen aller guter, vorurtheils-! freien Menschen dem löbl. Magistrate, so wie der i biedern Bürgerschaft der k. Freistadt Stuhlweißen- 1 bürg, unfern wärmsten und innigsten Dank ab.! Möge dieses tolerante und liebevolle Benehmen j manchen andern Städten und Städtchen Ungarns! — deren Bewohner noch immer vor dem Gedanken:! mit Juden in einem Orte, oder gar — Gott veri zeih' mir meine Sünde! — in einem Hause zu : wohnen — schaudern, zum Muster dienen.! Quam i'elix, et «juanta foret respnblica, cives i Si cuuctos uuus couciliasset amor. Oven. Berichtigung. Die in meinem „offnen Schreiben an Herrn Rabbiner Geiger" in der Anmerkung S. 231 gewagte Zusammenstellung der Aeußerung eines hiesigen Gelehrten „Niemand würde u. s. w. mit der Wiesbadner Angelegenheit beruht auf einem, sogar anochronistischen, Jrckhum meinerseits, da jene Aeußerung ein halbes Jahr vor jenem widrigen Vorfall Statt fand. Hamburg. H.r. Bemerkungen. 3 Thlr. Pr. dtf. haben wir gestern aus Berlin für die Abgebrannten zu Ellrich empfangen. — Der Aufsatz aus Papa von Herrn „Garfunkel" kann als ein Produkt der krassesten Unwissenheit nicht ausgenommen werden, so gern wir der Partei des Herrn Rabbinen das Wort leihen möchten. Die Redaktion. Druck von 2» Hirschfeld,