Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1842)
- Date
- 1842-05-14
- Page
- Seite 298 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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298 Ländern, wo die Vorurtheile sie von den bürgerlichen und politischen Rechten entfernt halten, die Nothwendigkeit des Unterrichts, welcher die Unterschiede der Stände ausgleichct, indem er die Intelligenz verstärkt. Diese Erziehung ist es, welche man gegenwärtig unter den Israeliten Algiers entwickeln muß, um sie noch mehr an Frankreich zu befestigen und aus ihnen intelligente, ergebene und nützliche Bürger zu bilden." „Die Schulen zu Marseille, die Normalschule von Aix, die Kunst- und Gewerbeschule, welche in letzterer Stadt in Kürze errichtet wird, könnten viele Schüler placiren. Es bedürfte hierzu einiger Erleichterungen für die freie Uebung des israelitischen Kultus. Die Herren Altaras und Cohen würden über diesen Gegenstand einen Plan vorlcgen, der leicht und mit wenigen Kosten auszuführen wäre."— Frankreich. Marseille, 2>. April. (Privatmitth.) Am vergangnen Osterfeste wurde hier die erste Konfirmirung israelitischer Mädchen vollzogen, über die in der Allg. Zeit, des Judenth. zu berichten desto angemessner sein wird, als dieser Akt hier auf eine ganz eigenthümliche Weise gefeiert wurde. Es liegt sowol das hierüber veröffentlichte Programm als auch ein gedruckter Bericht, Ilnuser r»iav unterzeichnet, mir vor, und aus Beiden ziehe ich Ihnen Folgendes: Der Bericht beginnt: „Unsere Religion ist durch die Jahrhunderte geschritten, ausgesetzt den stürmischesten und zerstörendsten Begebenheiten; sie sah andere Religionen um sich Zusammenstürzen und Nationen verschwinden! Nachdem sie die grausamsten Verfolgungen und das Joch der ungerechtesten Vorurtheile überstanden, lebt sie noch auf den ältesten Trümmern des Menschengeschlechts ..." „Dieser lange und bewunderungswürdige Bestand bezeugt laut den göttlichen Schutz... er ist ein Wunder, würdig des Nachdenkens des Weisen und der Ehrfurcht Aller . . . ." „Die Israeliten, in Frankreich durch so verschiedene Stellung, als Militär- oder Civilpersonen, Magistrate, Beamtete oder Kaufleute, Künstler, Handwerker oder Arbeiter, getrennt, reich, arm, Alle, wenn die Tage unsrer hohen Feste nahen, eilen in die Tempel, und richten gemeinschaftlich ihre Gebete an die göttliche Vorsehung." „Verachtend die Hohnworte des Jndifferentismus und die Spöttereien der Zweifelsucht, erhalten sie stets in der Tiefe ihrer Herzen die Anhänglichkeit an den Glauben unsrer Väter und den Kultus ehrwürdiger Ueberlieferungen." „An den Festtagen die priestcrlichen Segnungen in unfern Tempeln, der Austausch treugemeinter Wünsche, die Niedrigsten mit den Mächtigsten die religiösen Ehren theilend, die Familienhäupter ihre segnende Hand über ihre Kinder streckend, die Bezeugungen kindlicher Ehrfurcht an ihren Oberhirten, Alles bietet ein Gemälde der patriarchalischen Sitten der frühesten Zeiten dar; und wenn das heilige Tabernakel sich öffnet, wenn der Groß-Rabbiner den Schutz des Himmels auf Frankreich herabruft, auf die königliche Familie, auf alle unsre Mitbürger, sehet die Gläubigen aufrecht und andächtig, höret ihr glühendes Amen..... Sie vereinigen in einer Liebe ihre uralte Religion und ihr Vaterland." „Man weiß, wie die eminentesten Männer der israelitischen Religion überall sich eifrig bemüht haben, den Ritus unsers Kultus mit den Forderungen der Civilisation und der gesellschaftlichen Bedürfnisse zu vereinbaren. Ueberall hat der Erfolg den Anstrengungen entsprochen; weise war es, den Modifikationen Zeit zu lassen, in den Ideen und Sitten Wurzel zu fassen, bevor man sie in kanonische Vorschriften verwandelte. So verschwand das Schisma, und Alle, von der Vernunft geleitet, werden das Werk der Weihe mit ihren Kräften befördern." „Die französischen Predigten und Vorträge unsrer Geistlichen, die Gebetbücher in der Muttersprache, schon von vielen Gläubigen angenommen, deuten unter Anderm die neuen Gebräuche an, und die Erfahrung zeigt jeden Tag was übrig bleibt zu thun." „Bis jetzt besuchten die israelitischen Mädchen, im Heiligthum der Familie erzogen, nur selten und ohne vorgeschriebene Verpflichtung den Tempel; sie empfingen allein von ihren Müttern die religiöse Unterweisung und das Beispiel der Frömmigkeit. Es gab für sie keine Einsegnung (sucrement) vor der der Ehe... Der Ursprung dieser Jsolirung verliert sich in dem Dunkel der Vorzeit, und gehört ohne Zweifel noch den heutigen Sitten des Orients an. Eine solche Anomalie mußte verschwindin, und es