Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1842)
- Date
- 1842-05-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 30. Ti. Zahrgang. Allgemeine Zeitung des Zndenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Dr. Ludwig Philipps»», Baumgärtners Buchhandlung Geistlicher der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg. £eip$ig„ (Mit König!. Sächsischer allergnadigster Concession.) Leipzig, den 14. Mai 1842. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. Ln Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Leitender Artikel. Alls H ..., den 2. MaL. Es wird für keinen Einsichtsvollen einer Erwähnung bedürfen, wie wenig daß, nach der jetzigen Lage der Dinge der preußischen Inden gesicherte Recht des freiwilligen Militärdienstes eine vollständige Entschädigung für die Zurücksetzung, die in der Befreiung von der Militärpflichtigkeit liegt, zu geben im Stande ist. Der ganze sittliche und intellektuelle Werth des Menschen ist cs, der den Grad der Ansprüche bestimmt, welche die Menschheit, das Vaterland, wie die Einzelnen an ihn zu machen berechtigt sind, je hoher der Mensch ste.ht, desto hoher schlagen wir das Maß seiner Obliegenheiten an, und in jeder Befreiung des Einzelnen von einer allgemeinen Pflicht, wenn diese Befreiung nicht grade in der Kollision mit einer, an Werth mindestens gleichstehenden Pflicht ihren Grund hat, liegt eine Erklärung der Unzulängllchkeit, liegt eine Geringschätzung des Befreiten. Aber diese tiefgründliche Verachtung, die in der gefürchteten Maßregel ausgesprochen läge, ist nicht das einzige Uebet, das aus derselben für die preußischen Juden zu befürchten steht. Es soll hier noch auf ein ferneres aufmerksam gemacht und ein Mittel zu seiner Vermeidung an die Hand gegeben werden, das, wenn es auch das drohende Ungewitter selbst zu beschwören nicht im Stande'sein sollte, doch vielleicht den gekränkten auch eine nicht ganz geringe Satisfaktion jener Verachtung gegenüber gewähren würde. ] Es liegt auch bei der besten Gesinnung in der Natur! der Sache, daß der Einzelne, der einem guten Zwecke j ein Opfer zu bringen Gelegenheit hat, bevor er seinen j Entschluß faßt, den Vorschub, den er der Förderung diej ses Zweckes zu leisten im Stande wäre, gegen den Nachs theil, den er sich durch dieses Opfer zuziehen muß, abwaeft, . und wenn er ein starkes Mißverbältniß zwischen Beiden bemerkt, seine Kräfte lieber für andere Zwecke, > denen er Größeres zu bieten vermag, aufspart. So wird > auch der beste Patriot in Zeiten des Friedens, wenn ihm i die Wahl anheim gestellt bleibt, ob er Militärdienste thun! will oder nicht, sich fragen, ob der Gewinn, den das Vaterland durch seine einzelnen Kräfte erhält, in einem angemessenen Verhältnisse zu den Nachtheilen steht, den j die Last dieses Dienstes, das Herausreißen ans seiner - Karriere ff. für ihn, als Einzelnen haben muß, und es! steht zu befürchten, daß in den meisten Fällen die Ent- ■ scheidung zum Nachtheile des Vaterlandes ausfallen wird, j Denn was kann er, der Einzelne, mit seiner geringen Kraft dem großen Ganzen werden? Sein Entschluß, da- oder dorthin gelenkt, kann von dem entschiedensten Einfluß auf sein eigenes Leben, aber von keinem Einfluß! auf das Gedeihen der Gesammtheit sein. Freilich, wäre! er im Stande, mit seinem Einzelnwllleu, mit seinem rso-! lirt gefaßten Entschlüsse auf alle, ihm Gleichstehenden einj zuwirkcu, würden sie Alle handeln oder handeln müssen, j wie er, dann würden seine Entbehrungen Nichts bedeu-! teil gegen den Gewinn, den das Ganze daraus ziehen j würde, und sein Entschluß würde dann keinen Augenblick