Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1842)
- Date
- 1842-05-07
- Page
- Seite 286 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Concessionirte Erziehungs - Anstalt für Zsmelitm in Aachen von Dr. Ludwig Wih 1. Schon seit lange ist in der Rheinprovinz das Bedürfniß nach einer Erziehungs - und Bildungsanstalt für Israeliten, wie dergleichen in Frankfurt a. M., Hamburg nnd anderen größeren Städten des übrigen Deutschlands! bereits bestehen, fühlbar geworden. Diesem Bedürfnis; ab-! zuhelfen, habe ich durch Gründung einer solchen Anstalt! in Aachen mir zur Lebensaufgabe gemacht. Ein geborner Rheinländer, gebildet an einem rheinischen Gymnasium und einer rheinischen Universität, im Hebräischen von dem bekannten seligen Ober-Rabbiner L. Carlburg in Crefeld unterrichtet, glaube ich, besonders ans das Vertrauen und die Theilnahme rheinlandischer Eltern rechnen zu dürfen. Um jedoch dem Institut die größtmögliche Ausdehnung und Wirksamkeit zu verschaffen, ist mein Augenmerk gleichzeitig auf die Nachbarstaaten Belgien, Holland, Frankreich und England gerichtet. — Was den Charakter meiner Anstalt betrifft, so sollen ihn folgende Worte naher angeben: Der Schüler soll in derselben diejenigen Einsichten, Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, durch deren Besitz er sich zu einem umsichtsvollen und brauchbaren Menschen bildet, um so für seinen künftigen Beruf, von welcher Art derselbe auch sei, die gründlichste und sicherste Vorbereitung zu erlangen. Zur Erreichung dieses Zweckes wird vor Altem eine gute nnd sittliche Erziehung — durch einen gründlichen Religionsunterricht getragen —, dann die Kenntniß der Sprachen, besonders des Deutschen, Französischen, Englischen und Italienischen (für Holländer auch des Holländischen), der Naturlehre und der Handelswissenschaften, des Gesangs, Zeichnens und Schönschreibens erstrebt werden. Von alten Sprachen soll die hebräische in allen Klassen, die lateinische in den beiden oberen gelehrt werden. Die Anstalt besteht aus fünf Klassen. Unterricht auf einem musikalischen Instrument, im Tanzen, Turnen und Reiten soll in Privatstunden, auf Verlangen der Eltern, gegen eine besondere Vergütung ertheilt werden. Für geräumige und gesunde Wohnungen in einem der besseren und schöneren Theile der Stadt ist Sorge getragen worden. Die Anstalt befindet sich in der Mitte des Tempelherrngrabens. — Ein Arzt wird täglich die Anstalt besuchen, um sich von der Gesundheit der Zöglinge zu überzeugen. Ein längerer Aufenthalt in München, Hamburg und Frankfurt a. SW., in London, Paris und Straßburg hat mir Gelegenheit geboten, mich mit den besten Unterrichts- und Erziehungsanstalten bekannt zu machen; ich habe neben meiner litterärischen Thatigkeit längere Zeit im Erziehungsfache gewirkt, und glaube mich nun theoretisch und praktisch für die Leitung eines solchen Instituts hinlänglich vorbereitet. Die Lehrer, welche ich für dasselbe gewonnen, gehören zu den ausgezeichnetsten; sie sind alle Spezialitäten. Für Geschichte und Geographie Herr Gymnasial-Oberlehrer Dr. Qebeke, für das Lateinische die HH. Gymnasial-Oberlehrer DD. Menge und Klapper, für Mathematik nnd Naturwissenschaft der Herr Oberlehrer Eduard Heis, für das Französische und Italienische Herr Küpper-Deutschmann, für das Englische Herr Preston, für den Religionsunterricht Herr Fi ebermann, Lehrer bei der israelitischen Gemeinde. Den Unterricht im Deutschen und Hebräischen werde ich ertheilen. Zur Gesang wird Herr Wimmelbach, im Zeichnen Herr Thomas, im Schönschreiben Herr Schmitz unterrichten. Die Schüler werden ihre Arbeiten unter meiner Aufsicht oder der eines Lehrers machen. Zöglinge zahlen jährlich für Unterricht, Kost, Wohnung, Wäsche und Bedienung 250 Thaler. Die Zahlungstermine sind 6 Monat pränumerando beim Eintritt und sofort 3 Monat pränumerando. — Jeder Zögling muß ein Bett, 6 Betttücher, 6 Servietten, 6 Handtücher, Messer, Gabel und Löffel mitbringen. Die Anstalt wird am 15. Mai eröffnet werden. — Anmeldungen werden baldmöglichst erbeten. Zu jeder Jahreszeit werden Zöglinge ausgenommen. Jede Aufkündigung von Seiten der Eltern muß ein Vierteljahr vorher Statt finden; widrigenfalls muß für das ganze Quartal bezahlt werden. Aachen zeichnet sich vor vielen andern Städten aus: durch schöne und gesunde Lage, durch herrliche und romantische Umgebungen, durch seine berühmten Badeanstalten, die alljährlich eine große Menge angesehener Fremden von allen Nationen herbeirufen, durch seine wissenschaftlichen und Kunstanstalten, durch sein Theater, durch bedeutende Industrie und den erleichterten Verkehr mit Belgien und Frankreich und seine Eisenbahnverbindung mit Köln. — Für eine jüdische Erziehungsanstalt macht Aachen noch besonders empfehlenswerth, daß es ein schönes israelitisches Bethaus mit einem gut organi, sirten Gottesdienst hat. Nähere Auskunft über die Anstatt und ihren Vorsteher ertheilen auf portofreie Briefe der Ober-Rabbiner Herr Dr. Ullmann in Crefeld, nnd der Vorsteher der Bürger- und Realschule, Herr Oberlehrer Dr. Heß, in Frankfurt am Main. In München ist eine Hosmeisterstelle offen zu 175 fl. Gehalt und freier Station. Die fünf zu erziehenden Kinder müssen in Religion, den Elementen und der französischen Sprache unterrichtet werden. Bewerber haben sich an die Redaktion zu wenden.