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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-05-07 · Heft 19 (7.5.1842) · p. Seite 284

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 19 (7.5.1842)
Date
1842-05-07
Page
Seite 284 (sequence 12)
Language
German
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284 der sehr bald nach der Abfassung sein eigenes Werk desavouirte und— vergessen hatte ^), Beweis genug, wie wenig Werth er selbst auf dasselbe gelegt hat. Ja, ich getraue mich, zu behaupten, daß der wackere Rabbi, dem im Talmud große Lobreden gehalten werden^), seine Bereitwilligkeit, ein so inhumanes gotteslästerliches Gebet niedergeschrieben zu haben, tief bereuet haben müsse, denn nicht umsonst erzählt uns die Mischna, daß eben dieser bnillw einen Spruch aus der Schrift im Munde führte, der gerade das Gegentheil von dem aussagt, was das Gebet enthält, nämlich: „Fällt dein Feind so freue dich nicht, strauchelt er, so frohlocke nicht dein Herz, es mißfällt deinem Gott, der es sieht, «nd sein Zorn dürfte stch von ihm auf dich wenden (Prov. 24, 17) J). Ist es nicht auffallend meine Brüder, daß in dem ganzen Abschnitte dieser Samuel der einzige ist, der keine eigene Lehre giebt, sondern nur die der Schrift im Munde führt? Und ist cs nicht noch auffallender, daß gerade der Mann, der ein solches Gebet verfaßte, einen solchen Spruch im Munde trägt? Lediglich die Nene hat ihn gequält, mit diesem sich nun eigen gemachten Wahlspruch beschwichtigte er sein Gewissen und sühnte seine Uebereilung, indem er auf diese Weise sein eigenes Thun widerrief. — Und wir scheuen und schämen uns nicht, das was in einem unbewachten Augenblick niedergeschrieben wurde, Jahrhunderte nachzubetcn und statt die Schwäche eines sonst so großen Rabbi in Vergessenheit zu bringen, dieselbe — unsterblich zu machen?-'*) 1) NN8W n^riN nsaV) ms'ia 2) b'y rib tn nund 'os* 3) nb — p-is rvttN 4) In meiner Schrift: das neue Gebetbuch re. S. 23 habe ich aus den talm. Schriften mehrere Stellen citirt, die sich ebenfalls gegen diese Art von Gebeten auf's unverkennbarste aussprechen. Eine noch schlagendere finde hier ihren Platz: Wir lesen nämlich riwns nth folgende Worte: vneeb ib *n<3N 'il ■hkn rrb nnis ci-ir'N sia ti'dp'n ipbv dbisb 82« Und wie viel ähnliche Beispiele lassen sich aus der Bibel und der Geschichte «»führen?! Jehoachas, der Böses that in den Augen Ad b u. f. Kein Volk hat seines Glaubens halber so viel geduldet und gelitten, kein Volk für die Erhaltung seines Glaubens so große und so schwere Opfer gebracht, wie unsre wackern und frommen Väter. „Priester und Opfer" zugleich, wie einer unsrer geistreichsten Dichter singt'), ist Israel. Gegen Einen, der in andern Bekenntnissen einer großen Idee das Leben geweihet, zählt Israel — Familien, Hunderte, Tausende! Und wir thun wohl daran, von Zeit zu Zeit diesen uns so nah gestandenen Märtyrern in Liebe und Ehrfurcht zu gedenken, um an ihrem Märtyrerthum uns zu erheben, im Glauben uns zu befestigen und kein Opfer zu scheuen für Gott und seine heilige Lehre. — Aber bei der Erwähnung jener edlen und großen Seelen den Gott der Liebe und der Barmherzigkeit um — Rache für ihre Quäler und Henker anrufen, wie es in den bezeichneten Stellen geschieht, das ist der Heimgegangenen Väter eben so unwürdig, wie der zurückgebliebenen Kinder, und mit den bessern und reinern Begriffen vor Gott schlechterdings nicht zu vereinigen. Es ist ein solches Gebet aber nicht nur unfromm, es ist auch unbesonnen. In beiden angegebenen Stellen flehet der Betende, Gott möchte das vergossene Blut rächen-vor unfern Augen Welch eine jammer- und schreckensvolle Zeit muß das wol sein, in welchen das Blut von — Millionen Märtyrer an den Mördern heimgesucht und gerächt wird? Das wollen wir mit eigenen Augen mit ansehen? Eine solche Zeit wollen wir erleben?? Wissen wir, was wir beten? Und so unfromm und unbesonnen so — unnütz ist ein solches Gebet, eine Gottes, war der Vater des trefflichen Joasch. 2 Kön. 14, 1—3. Achas war der Vater des Königs Chi skia der unter den Fürsten in Juda als Muster glanzte. Das. 18, 1—6 ein Regent den der Rabbi Hillel für Israels Messias halt 0& ü"s ^"NN:v). Aus welchem Geblüte stammte Rabbi Akkiba und Rabbi Maier? — Und wir arme kurzsichtige Sterbliche wollen dem Herrn der Welt vorschreiben, wen er — vertilgen soll? Welche Gotteslästerung!! 1) St ein he im in den Gesängen aus der Verbannung, welche sang Obadjah den Amos rc.

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