Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1842)
- Date
- 1842-04-30
- Page
- Seite 272 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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272 fert, so stand wenigstens zu erwarten, daß ein nicht ganz unwissenschaftliches Produkt, das von mir auf Verlangen der Tempeldirektion Ln Hamburg über deren Gebetbuch abgegebenes und von ihr zum Druck befördertes Votum sich entweder einer wissenschaftlichen Erörterung erfreuen, oder ganz ignorirt werden würde. Herr Di*. F. äußerte wiederholt, daß er meines Votums nicht habhaft werden könne, was mich noch mehr, als er es von einem Freunde geliehen bekam, zu obgedachter Erwartung berechtigte. Wie mußte ich mich nun wundern, Ln No. IS. des Orients eine angeblich aus Schwerin datirte Korrespondenz — eine Fiktion, die dem Dr. Fürst wie seinem elenden Korrespondenten alle Ehre macht — bei gelegentlicher Erwähnung des Votums wieder dieselben gemeinen Schimpfwörter und grundlosen Ausfälle auf meinen persönlichen Charakter und mein öffentliches Wirken gehäuft zu sehen und auch nicht ein einziges Wörtchen über den Inhalt der erwähnten Schrift angedeutet zu finden! Herr Dr. Fürst scheint nicht zu ahnen, daß solche Gemeinheiten die Ehre seines Blattes Ln den Augen der meisten Leser — mir Ausnahme seiner gesinnungslosen Gesinnungsgenossen — total ruiniren, und dessen Untergang früher oder später herbeiführen müssen. Was den Herrn Dr. Fürst zu solch einer systematischen Verfolgung — der alle Mittel gleich scheinen — bestimmen mag, muß allen Lesern ein Räthsel sein, und findet nur darin seine Lösung, daß die Wuth eines durch eigene Schuld abgesetzten Lehrers und die fixe Idee des Dr. Fürst, daß ich seinem Blatte den Zutritt in meine Gemeinden versperre, das ganze schöne wahlverwandtschaftliche Berhaltniß zwischen Korrespondenten und Redakteur bildet. Und diese kleinliche Rache des Korrespondenten und Redakteurs scheuet sich nicht, zu den absurdesten Erdichtungen ihre Zuflucht zu nehmen! Und der Orient, der ein Zeitspiegel unserer Tagesgeschichte sein will, birgt in seinem Schooße einen solchen unsaubern Geist der Unwahrheit und der Gemeinheit! Ich kann solches Treiben nur aus tieftr Seele verachten, und ob der Ohnmacht lächeln, deren giftige Pfeile mich nicht treffen und deren Geifer mich nicht besudelt. Herrn Dr. Fürst und seinem elenden Korrespondenten aber erkläre ich hiermit vor den Augen Israels, daß ich die in den beiden genannten Artikeln gegen mich ausgeheckten persönlichen Verunglimpfungen als schamlose Lügen und ehrlose Verläumdungen betrachten werde, bis sie dieselben entweder durch glaubhafte Urkunden beweisen, oder öffentlich zurückgenommen haben werden. Für meine entfernte Freunde und Theilnehmer, die mit Freude auf mein Gottlob nicht ungesegnetes Wirken Hinsehen, und bei der Wahrnehmung solcher Gemeinheiten sich in meinem Interesse tief verletzt fühlen, will ich noch zur besondern Satisfaktion nachfolgendes, in Folge des von mir zur Hohen Landes-Regierung abgestatteten Jahresberichtes vom hochseligen Großherzog Paul Friedrich mir zugegangenes allerhöchstes Reskript, — welches ^nir jetzt als ein Zeichen der menschenfreundlichen Anerkennung des Hochseligen doppelt lieb und werth ist — Ihnen, hochgeehrtester Herr Redakteur, zur Veröffentlichung gehorsamst überreichen. Das Datum wird zur Entschuldigung der mir etwa vorzuwerfenden Ostentation wol hinlänglich beweisen, daß ich mich mit der öffentlichen Mittheilung nicht allzusehr übereilt habe, und daß nur jene gemeinen und gehässigen Insinuationen, die augenscheinlich nur darauf hinausgehen, mich in der öffentlichen Meinung herabzusetzen und dieselbe in Bezug auf mich mit aller Gewalt irre zu führen, mich dazu bestimmen konnten. Paul Friedrich von Gottes Gnaden Großherzog von Mecklenburg rc. rc. rc. Der Unserer Regierung von euch abgestattete Jahresbericht über den kirchlichen und religiös-sittlichen Zustand der israelitischen Gemeinden in Unserm Lande, hat Uns die Ueberzeugung gewährt, daß ihr eurem Berufe mit eben so anerkennenswerther Einsicht und Pflichttreue oblieget, als eure Thätigkeit schon jetzt von sehr erfreulichen Erfolgen begleitet ist, welche mit der Zeit des Einflusses darauf nicht entbehren werden. Unseren israelitischen Unterthanen immer mehr die Achtung zu erwerben und zu sichern, welche den auf ächter Religiosität beruhenden bürgerlichen und häuslichen Tugenden gebührt, und haben wir Unsere Zufriedenheit mit eurem Streben euch hierdurch gerne zu erkennen geben wollen. Gegeben durch Unsere Regierung, Schwerin, am 17. November 1841. An den Landes-Rabbiner gez. Paul Friedrich. Dr. Holdheim. L. von Lützow. Ich glaube, daß abgesehen von dem in diesem Augenblick mit der öffentlichen Mittheilung vorstehenden Reskripts beabsichtigten Zweck, es jedem israelitischen Herzen wohl thun wird, einen Fürsten in diesem Tone zu und von seinen israelitischen Unterthanen sprechen zu hören. Ehre seinem hochseligen Andenken! Dr. Saw. Holdherm. Druck von I. B. Hirschfeld.