Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1842)
- Date
- 1842-04-30
- Page
- Seite 267 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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267 würdigte ihn nicht einmal einer Antwort; da aber der hier herrschende religiöse Sinn es nicht zuließ, Juden nothgedrungen einen rro -112'« begehen zu lassen, so sah sich die Gemeinde zu den verhältnißmäßig bedeutendesten Ausgaben genöthigt. In diesem Jahre nun, wo sich die Anzahl der jüdischen Korrigenden wiederum vergrößert hat, wandte man sich abermals an die betreffenden Gemeinden, und zwar unmittelbar an die Nabbinen derselben, hoffend, denen werde doch die Sache zu Herzen gehen, zumal der hiesige Vorstand ihnen unumwunden und aus'F Bestimmteste erklärt-hatte: man würde diejenigen, deren Gemeinden die verlangten 2 Rthlr. nicht einschicken werden, y»n essen lassen. Aber, man wird es kaum glauben, außer dem Vorsteher der Schmiegler und dem Rabb. der Kempner Gemeinde haben die der übrigen Städte' der billigen Forderung unseres Vorstandes nicht im entferntesten genügt, ja den Herren Rabb. erschien die Sache so geringfügiger Art, daß sie die an sie gerichteten Briefe nicht einmal einer Antwort werth hielten. Nun frage ich: wie kann und darf ein Rabb., sage ein Rabb. aus der alten Schule, Briefe in solcher Angelegenheit mit solcher Gleichgültigkeit beseitigen? Wie kann er da des eben so psychologisch begründeten, als praktisch sich bewährenden Satzes ib rrw:: nu n-Äiy2 -lni-ö so ganz und gar vergessen? Sollte dieser .ihn nicht anseuern, Alles aufzubieten, um ein “D und wäre es auch der verworfenste («in ba'-ua1' «arro ■’s £]n) vor so einer Sünde wie N222 H'« zu bewahren? Muß er da nicht von Haus zu Haus schicken und das dazu nöthige Geld erbetteln lassen? und bliebe dies fruchtlos, muß er nicht das erforderliche Geld dazu aus seiner Lasche geben, und sei es auch nur, um zu zeigen, daß das .. b2, gegen dessen Abschaffung er doch gewiß auf's heftigste eifern würde, ihm keine leere Formel sei! — Doch ich will eine einzelne, eine der sprechendesten Thatsachen anführen. Im vorigen Jahre war der Präses der hiesigen Gemeinde kurz vor N22 in P— und wandte sich an den dortigen Rabb. mit der Bitte: er möchte es doch möglich zu machen suchen, daß man die zwei Juden aus P—, welche sich im Korrektionshause befinden, mit den nöthigen niLn versehe, wobei er ausdrücklich bemerkte: sie würden sonst yan essen müssen, da sich die hiesige Korporation weder im Stande, noch überhaupt verpflichtet fühle, für den Unterhalt fremder Gemeindemitglieder zu sorgen. „Gewiß ist es schlimm" entgegnete der Herr Rabb. kalt, und das war Alles, was er in dieser Angelegenheit gethan hat. Diesmal wandte man sich brieflich an ihn, aber mit noch geringerem Erfolg, denn er hat nicht einmal geantwortet. Und dieser Mann soll seiner Stellung nach seinen Amtsgcnossen zum Muster dienen, und dieser Mann hat schon Schritte gethan, um zu einer Art Superiorität über seine Kol-! legen zu gelangen, und dieser Mann ist noch oben-! drein sehr reich, und dieser reiche, hochgestellte, nach l Macht strebende Rabb. erfährt, daß zwei Juden aus j seiner Gemeinde einen ms ^2'« begehen müssen, j wenn man für sie nicht vier Rthlr. einschickt, und; das rührt ihn so wenig, daß er es völlig ignorirt!! — Wahrlich! ich kann mich beim Niedcrschreiben j dieser Zeilen des schmerzlichen Ausrufes: b? bun! ysnwa «bi yrasn nicht enthalten! Wie ganz anj ders würde sich der selige —r hiebei benommen haj den. Sein Theuerstes, sein letztes 122 würde er! verkauft haben, wenn es der Verhütung eines ni2->« I -,i2N gegolten hätte —! 1 Und wie der Hirt, so die Heerde. Arbeitsfähigen Bettlern versagt man fast nie die oft mit empörender Frechheit verlangte Gabe, weil man ihre Flüche fürchtet, und eine achtbare Gemeinde scheint nicht die geringste Berücksichtigung zu verdienen, weil sie in den höflichsten Worten bittet, wo sie zu fordern berechtigt ist; abenteuerlichen Betrügern mit Turban und Kaftan öffnet man leichtgläubig die Hand,- und drückt sie hartherzig zu, wenn es sich um Dinge handelt, a'n die sich die theuersten, heiligsten Erinnerungen knüpfen. Und das Alles von Gemeinden, die mit Rabb. von altem Schrot und Korn gesegnet sind und darum viel aus 2^n:a halten. — Unsere, nur aus 30 Mitgliedern bestehende Gemeinde dagegen hat gar keinen Rabb., und ist daher auch schon so entartet, daß sie nicht bloß den Verkauf der rnsa seit Jahren von heiliger Statte verbannt hat, sondern noch mehr, sie läßt sogar öffentlich in der Synagoge konsirmiren. Bei all' dieser Irreligiosität aber herrschte hier eine wahre Seelenangst, als noch an einem Tage vor vsib zu befürchten stand: die jüd. Korrigenden werden den Genuß des yan nicht vermeiden können; bei all' dieser Gottlosigkeit verwandelte sich jene Angst in allgemeinen Jubel, als