Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-23 · Heft 17 (23.4.1842) · p. Seite 253

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 17 (23.4.1842)
Date
1842-04-23
Page
Seite 253 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225227-3225245--04335-3313918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

258 alten Königsstadt Jerusalem ihre Tage zu beschließen. Sie waren sehr gutmüthige und aufrichtige Menschen; denn wo sich nur Gelegenheit darbot, irgend einem Passagier einen Dienst zu erweisen, waren sie immer die ersten, welche hilfreiche Hand leisteten. Auch vertrauten sie mir mit vieler Offenheit alle ihre Verhältnisse; daß sie zwar so und so viel tausend Dukaten mit sich führten, daß sie aber doch sehr sparen müßten, da sie nicht wüßten, wie viel sie zur ersten Einrichtung im fremden Lande bedürften. Sie sagten dies vielleicht zur Entschuldigung ihrer Lebensweise, die allerdings später auffallen mußte. Die Passagiere des dritten Platzes, der das Verdeck ausmacht, haben nämlich keine Ansprüche aus die Küche; sie müssen sich daher selbst mit Lebensmitteln versehen. Es wird jedoch vielfach davon abgewichen, weil es allerdings hart wäre, diesen armen Leuten gar nichts zu verabreichen, denn wenn sie auch das Recht haben, sich in der Küche etwas warmes Wasser zu Kaffee :c. zu holen, so fällt das von selbst weg, weil jene sehr klein ist und mehr als zwei Personen nicht gut aufnehmen kann. Der Koch ließ daher den Meisten wenigstens Kaffes -und Suppe für den gewöhnlichen Preis zukommen. Die Juden machten jedoch von dieser Vergünstigung keinen Gebrauch. Auf der ganzen Strecke von Galacz bis Konstantinopel habe ich sie auch nicht das geringste Warme zu sich nehmen sehen. Sie hatten sich in Galacz verproviantirt, und zwar bloß mit Brod, Obst, Zwiebeln in Essig, etwas gekochtem Fleisch und Zitronen. Letztere waren, wie sie sagten, für ihre Weiber und Kinder, zu Limonade, bestimmt, im Fall ihnen die Seekrankheit sehr zusetzen sollte. In ihren Religionsübungen waren die Männer der jüdischen und türkischen Familien sehr gewissenhaft und pünktlich. So wie die Sonne ihre ersten und letzten Strahlen auf's Schiff warf, suchten sie sich einen wenig betretenen Platz und verrichteten ihre Andacht, welche die Juden mit allen dabei üblichen Zeremonien Vornahmen, bis zu deren Beendigung oft zwei Stunden vergingen. Anfangs erregte das natürlich allgemeine Aufmerksamkeit. Man konnte dabei die Bemerkung machen, daß, während dem Türken ein jeder ernst zusah, wenn er auf die Knie fiel und mit zusammengelegten Händen das Haupt bald erhob bald senkte und den Boden zu küssen schien, wobei er mit vielem Eifer betete, die Betrachtungen über die jüdischen Gebräuche sich in einem stillen Lächeln aussprachen, was in Folge des vielen Wackelns mit dem Kopfe, des Zudrükkens der Augen und der außerordentlich schnellen Bewegung der Lippen im ersten Augenblick kaum zu unterdrücken 'war. Allein dieses Lächeln verwandelte sich bald in höhere Theilnahme, wenn man sich erzeugte, daß ein inneres, tief durchdrungenes Gefühl religiöser Ergebenheit den eigenthümlichen Formen (wie dem Ueberhängen des Sterbehemdes, dem Entblößen der Arme und Andeuten der Bundeslade u. s. w.) zu Grunde liege. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Ein junger, unverheirateter, jüdischer Lehrer, der zugleich die Fähigkeiten besitzt, das Schächter- und Kantoramt mit zu verwalten, kann Michaelis d. I. bei der Unterzeichneten Gemeinde, bei einem jährlichen Einkommen von mindestens 100 Thlrn. nebst freier Wohnung und Beköstigung, ein Engagement finden. Dabei wird besonders bemerkt, daß sich für diese Stelle Bewerbende einer besondern Prüfung bei der hiesigen Schulen-Behörde unterwerfen müssen. Nur solche Bewerber wollen sich entweder persönlich oder in portofreien Briefen mit nöthigen Attesten versehen, an Unterzeichneten wenden, der die näheren Bedingungen mitzutheilen, sehr gern bereit ist Sp rottau in Schlesien, im April 1842. I. Prager jun., Vorsteher der iscael. Gemeinde.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.