Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1842)
- Date
- 1842-04-09
- Page
- Seite 4 (sequence 20)
- Language
- German
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4 verhüten; was wahrlich ein frömmeres Werk ist, als den Armen monatlich durch Darreichung einer milden Gabe zu beschämen; haben Sie auch nur an solches Thun gedacht? Wol haben Sie an solches Thun gedacht. Seit zehn Jahr, wenn nicht noch länger, liegt eine Bittschrift dieser Art an Sr. Durchlaucht den Herzog fertig, ^doch zum Abgeben derselben kam es niemals. Sie wurde immer nur als Popanz benutzt, wo es galt, etwas Anderes zu erschweren. Woher kommt das? Unsere Regierung ist wahrlich eine väterliche und humane gegen die Juden. Sie hat noch immer das Bessere gewollt. Sie giebt aus der Landeskasse jährlich zur Dotirung der Franzschule eine sehr ansehnliche Summe; hat der Gemeinde noch kaum eine Bitte verweigert; allein wie kann die Regierung glauben, daß sich die Juden gedrückt fühlen, so lange nicht eine einzige Vorstellung eingereicht wird? Und wie kann sie daran denken, eine Gemeinde bürgerlich besser zu stellen, so lange diese ihr nichts weiter bietet, als gelinde gesagt, Schmählichkeiten. Ihren Grundsatz, meine Herren, haben Sie von Ihren Vorgängern ererbt, die von ihren Vorgängern u. s. w:. — er datirt aus jener alten Zeit, wo die Aeltesten zu Dessau das Recht hatten, jedes Mitglied der Gemeinde nach Belieben arretiren zu lassen. Er lautet: perea-t mundus, wenn nur unsere Autorität bestehet. Da Sie diese Autorität den Gemeindegliedern gegenüber nicht mehr geltend machen können, so wollen Sie wenigstens Ihre Beamten dieselbe fühlen lassen. Lesen Sie Ihre Gemeindegeschichte, lesen Sie die Geschichte der Anstellung, der Verwaltung und der Absetzung von Herrn Lippschütz —; obgleich die schmählichsten Akten wolweislich fehlen, so - sind doch deren noch genug da, um Ihnen den Geist zu! kar^kterisiren, der damals die Aeltesten beseelte — lesen Sie das, was nach der Absetzung Lippschützens vorfiel, erinnern Sie sich nur des Jnjurienprozesses, den ich noch zu schlichten bekam; erinnern Sie sich endlich einer gewissen Session des Schulvorstandes so wie gewisser Mittet, die bei einem gewissen Streit in Anwendung kamen, und wagen Sie es ferner zu behaupten, daß Rache mir die Feder führe! Ja benutzen Sie die gemachten Erfahrungen! Stellen Sie einen Mann in Ihrer Gemeinde an, der nach Innen und nach Außen dem Judenthume Achtung zu verschaffen weiß; verleumden Sie diesen das Bessere wollenden Mann nicht tag-! täglich, bei der Behörde; erinnern Sie sich, daß wenn j der Rabbiner schlecht erscheint, die Juden der! Behörde gegenüber noch schlechter erscheinen müssen, daß wenn die jüdische Religion so ohnmächtig, wie Sie dieses sogar öffentlich zu sagen die Keckheit haben, gegen die Karakterfthler des Rabbinen bleibt, sie noch ohnmächtiger bei den Laien erscheinen muß, entschließen Sie sich Ihren künftigen Geistlichen mit Achtung und Liebe zu behandeln, statt ihm nichts als Ihre Autorität fühlen lassen zu wollen, statt ihm „diplomatische^ — einer von Ihnen weiß, was ich meine — oder gemeine Briefe von Ihrem Tisch herab zu zuschleudern— und ich will Sie Hochschatzen, wenn Sie mich auch nicht Lieben.?. 8. Indem ich Ihre Erwiderung in No. 12. nochmals durchlese, finde ich, daß dieselbe nicht mit wenig Injurien, die zu einer gerichtlichen Anklage berechtigen, angefüllt ist. Mir kann es nicht auffallen, daß Sie sich so aussprechen, weiß ich ja, daß Sie bisher bei jeder Gelegenheit dieselbe Meinung über meinen Karakter' bei Jedem mich persönlich nicht Kennenden zu verbreiten suchten. Und auch dieses ist mir nicht ausgefallen. In meinem Briefe vom 20. März 1839 habe ich mir ja auch dieses Schicksal prophezeihet. Sie fühlen sich bei jedem Fremden angeklagt; Sie glauben, daß Jeder Ihnen den Vorwurf mache, daß Sie leichtsinnigerweise die Rabbinen an- und absctzen. Entweder Sie hätten Lippschütz nicht an- oder ihn nicht absetzen sollen und ebenso in Bezug auf mich, glauben Sie in eines jeden Fremden Miene zu lesen. Da wissen Sie denn Ihre Ehre nicht anders zu retten, als indem Sie mich moralisch z-u vernichten suchen. Es kommt denn noch dazu der persönliche Aerger, daß ich, Gott sei es gedankt, so unabhängig von Ihnen jetzt dastehe, daß Ihre Schlage und Verfolgungen mich nicht mehr, wie früher, unmitt-elbar treffen. Kann es mir daher auch nicht auffallen, wenn Sie sogar Injurien gegen mich drucken lassen, so glaubte ich doch Sie wolwollend darauf aufmerksam machen zu müssen, indem rs Ihnen gewiß unlieb ist, blos meiner Großmuth es anheimstellett zu müssen, ob ich Sie gerichtlich verfolgen lassen will, oder nicht, was ich übrigens, auch wenn Sie die Injurien gegen mich fortsetzen, so wenig zu thun gesonnen bin, als ich es nach Ihrem geehrten Schreiben vom 13. September 1840 that. Dr. Samuel Hirsch. Druck von Z. B. Hirschfeld