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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-04-09 · Heft 15 (9.4.1842) · p. Seite 210

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 15 (9.4.1842)
Date
1842-04-09
Page
Seite 210 (sequence 2)
Language
German
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210 aus derselben heraus. ES wäre durchaus falsch, zu sagen, die Juden negirreu ihre Nationalität, weil sie chbrr dieselbe hin Bewußtsein haben, da die Nationalität Ln ihrem eigentlichsten Elemente gerade die That probuzirt, ohne Bewußtsein. Würden hierin nur einige besonders Gebildete haben im Namen der Masse handeln wollen, so würden jene von dieser sofort Ln Stich gelassen worden sein. Denn man muß wol bemerken, es handelte sich hier vorerst um etwas ganz Materielles, das an sich nur Bürde ist, die Militärpflichtigkeir; und um so weniger kann man sagen, daß die Juden jene Protestationen sich vom Eigennutz diktiren ließen, oder von der Befürchtung von reellen Nachtheilen, da sie bis jetzt dienen mußten, ohne avanciren zu können. Die Vorgänge haben daher die große Bedeutung, daß eine wichtige Frage, die bis jetzt nur durch Wort und Diskussion beantwortet worden, faktisch gelöset ward. Neben diesem darf man aber die Wichtigkeit nicht vergessen, welche die Sache für die Juden auf ihrem eigenthümlichen Gebiete hat. Wir dürfen nicht vergessen, Laß sich hiermit die jüdische Masse selbst von Allem losgesagt hat, was eine Nationalität wirklich enthielte. Vieles nämlich ist in der jüdische» Synagoge stehen geblieben, was nicht rein religiös, was nationell ist. Den Rest der Idee, welches diesem einwohnte, haben somit die preußischen Juden hiuweggenommen, und die Reform hat dadurch neue Basis, neue Festigkeit und neue Nothwendigkeit erlangt. Man glaube doch ja nicht, daß wir dieses niederschreiben, um aufzuregen, niederschreiben aus der leichtsinnigen Lust, die Gemüther zu erhitzen. Wenn Jemand seine Ruhe, das Streben nach sicherm und besonnenem Gange dem Publikum bewährt hat, so glaubt Schreiber Dreses seit den neun Jahren, in welchen er fast täglich zu den Lesern spricht, Anspruch darauf wachen zu können. Allein es gilt hier, zum allgemeinen Bewußtsein zu bringen, was in ihm, wenn auch unausgesprochen, verborgen liegt; es gilt, die nothwendigen Konsequenzen aus einem Faktum zu ziehen, bevor sie sich tumultuarisch selbst Bahn brechen; eS gilt, jene Halbheit zu verdrängen, welche nach außen paradirt, nach innen alle Uebel auf sich beruhen läßt. Nämlich. Das palästinensische, wie das mittelalterliche Judenthum hat das Eigenthümliche, Nation und Glauben identisch zu tragen, und Ln einer und derselben Phase zu enthalten. Die Nation gehörte dem Glauben, der Glaube gehörte der Nation an. Was natürlicher, als daß die äußere Form des Glaubens auch die Nationalität umschloß und zur Erscheinung brachte, so daß viele -Ritualien viel weniger Religiöses, als Nationelles enthielten. Das.palästinensische Jsraelitenthum, wie es durch die göttliche Offenbarung begründet wurde, band nothwendig den Glauben an die politische Existenz des Volkes, es sollte ein Volk der durch die Offenbarung gegebenen Gotteserkenntniß und GolteSanbetuug sein. Das Mittelalter zwang die Juden, ein gesondertes Volk zu sein, und so band sich da die politische Existenz an den Glauben. Die neuere Zeit brachte aber eine neue, eine dritte Phase des Judenthums herbei, und arbeitet unablässig daran, nämlich die: die Juden als Volk ganz aufhören zu lassen, und sir lediglich innerhalb der Sphäre des Glaubens zu erhalten. Es soll also das Judenthum rein zu einem Glauben geklärt, und aller narioneller Stoff niedergeschlagen und abgesctzt werden. Das vorherrschende Verlangen nach Emanzipation, der Kampf um dieselbe, den Orthodoxe wie Nlcht-Onhodoxe gleicherweise, im Oeffentlichen und im Privalkreise, fuhren, endlich die Ableugnung aller Nationalität durch die preußischen Juden in dem Augenblicke, wo die Negierung selbst ihnen die Erhaltung derselben anbietet — sie geben offenes Zeugniß genug. Hat nun aber die bestehende äußere Form des israelitischen Glaubensbekenntnisses nothwendigerweise viel nationelles Element, weil sie sich aus einer Zeit herschreibt, in der Volk und Glauben identisch waren : so liegt in der Abstreifung und Entsagung aller Nationalität auch die Nothwendigkeit, das, was Ln der äußern Form der israelitischen Religion noch Nationelles enthalten ist, zu sondern, weil es inhaltslos geworden. Dies ist völlig klar und logisch. Es muß dies aber wol und besonnen erwogen und aufgefaßt werden. Die Gegenwart schließt nie die Vergangenheit, und ebensowenig die Zukunft aus. Darum, daß das Gegenwärtige anders ist und Anderes will, ist noch nicht gesagt, daß das Vergangene für sich und Ln sich nicht sein Recht hatte. Und ebensowenig ist damit gesagt, Laß die Zukunft nicht wieder anders sein wird. Die, allerdings von der heiligen Schrift begründeten Lehren des Judeuthnms von der Zukunft der Bekenner unsres Glaubens ($. B. 5 Mos. 30) werden nicht im Geringsten durch den gegenwärtigen Zustand und seine Tendenzen negirt und verkürzt, (spricht sich doch schon Jeremias 29, 4 ff. über einen ähnlichen Zustand aus; ) und die innere Eigenrhüwlichkeit nnserS Glaubensbekenntnisses hat nichts gemein mit der nationalen Existenz, und darf

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