Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1842)
- Date
- 1842-03-26
- Page
- Seite 195 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225241--04259-3313838- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
195 dem römischen Imperator zu sagen, daß seine Krone bald der Raub von Barbaren werden würde, wer den damaligen griechischen Afterweisen, daß ihre hohle Bildung bald in den Staub begraben liegen würde? Aber das Judenthum blieb stehen! — So auch -jetzt. Je geübter unser Blick in die Schatten der stets anwachsenden Vergangenheit zuschauen wird, desto weniger darf er sich erkühnen, die Zukunft zu durchdringen. Hier sind geschliffne Glaser gerade nachtheilig, die mehr verdüstern, als erhellen, eher verkleinern, als vergrößern. — Dennoch wird der Denkende sich eine gewisse Anschauung zu bilden streben, die er zwar der Vorsehung als Ziel der Wirklichkeit nicht aufdrangen wird, die ihm aber zum Maßstabe, und zu eigner Beruhigung dienen soll. Das Judenthum hat die Elemente seines Bestandes durch das ganze Mittelalter hindurch in sich getragen, und sie haben sich da trefflich bewährt. Wohl mußte es eine eherne Rüstung sein, wohlvernietet und gut gestählt, daß alle die furchtbaren Schläge, die man gegen dasselbe führte, schadlos abprallten, daß keine Oeffnung, keine Blöße an ihm gefunden wurde, in das man das stets bereite Schlachtmesser hineinstoßen könrrn Es kam aber eine neue^Zeit, und mit ihr ein neuer Kampf. Die Folter ist in die Polterkammer geworfen, die Scheiterhaufen sind gelöscht, die Henkerbeile abgestumpft. Die Quartiere sind geöffnet, die Hohnworte verhallen. Wie das Mittelalter der Kampf der rohen Gewalten war, so ist die neuere Zeit der Kampf der Ideen. So wurden und werden denn alle alte Zwangswaffen gegen die Juden zurückgelegt. Man emanzipirt sie. Man sagt zu ihnen: treibet mit uns Gewerbe, nehmet Theil an unsren Ehren, ja selbst an unsrer Herrschaft, freuet euch und trauert mit uns, strebet und kämpfet an unsrer Seite — wir wollen sehen, ob das Judenthum bleibet. Unter diesen Reden und unter diesem Thun bleibet immer doch der Kampf. Früher bestritt man die Juden, jetzt vielmehr das Judenthum. Hat man doch schon oft die Karte verrathen, sndem man heimlich triumphirend sich zugerufen: wir wollen sie emanzipiren, und das Judenthum wird verschwinden. Wenn aber von der einen Seite die alten Zwangswaffen zurückgelegt wurden, so sieht man leicht ab, daß auch die alte Rüstung abgelegt werden muß. Es macht sich dies Alles im Plane einer hohem Vorsehung. Ja, das Judenthum besteht einen neuen Kampf, den Kampf der Idee, in diesem reicht der min'? :pd nicht mehr aus, sondern nur die mm selbst. Zu dieser Waffe müssen die Juden greifen, dies muß ihr Panier und ihre Citadelle sein, unter dem sie sich schaaren, und in die sie sich flüchten. Ich sehe dies aus allen Zeichen der Zeit heraus. Wenn auf der einen Seite di< jüdische Sitte sich fühlbar auflöst, so ist es auf der andern Seite fühlbar, wie das Wort des Judenthums sich lauter, vernehmbarer macht. Daß dadurch im Judenthume selbst Kampf entsteht, macht nichts , aus, als Vorbereitung und Uebung zu größerm ist es sogar nothwendig. — So, meine Freunde, sehe ich die Sachen an, und ich könnte noch viel zu weiterer Beweisführung heranbringen. Die Siegcshoffnung verläßt mich nicht. Nicht daß ich damit einen allgemeinen Sieg des Judcnthums weissagen wollte, denn das scheint mir jetzt noch eine zu weitausgreifende Schmeichelei. Wohl aber mein' ich den Sieg des Judenthums in seinem Bestände, in seiner Erhaltung, denn einen andern Sieg wollte das Judenthum bis jetzt noch nie, und wo es sich um eine allgemein angegriffne Existenz handelt, da ist diese selbst der Sieg. Mögen daher Industrie, Wissenschaft, Umgang an der alten Rüstung Jsrael's reiben immerhin, der Herr wird ihm unterdeß eine neue schon bereitet haben, daß, wenn die Außenmauer sinkt, eine neue innere bereits in die Höhe gestiegen sein wird, wie es eine heldenmüthigc Besatzung zu thun pflegt. Alles dies ist nur Mittel zum Zweck, um, wenn ich in Deinem Sinne, mein geistlicher Freund, schließen soll, den einigen Namen des Herrn zu heiligen. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1} Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Für einen mit den nöthigen Schulkenntniffen versehenen jungen Mann ist in meinem Materialwaarengeschaft eine Lehrlingsstelle offen. S. Levys Eidam in Landsbcrg an der Warthe.