Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1842)
- Date
- 1842-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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VI. Jahrgang. Allgemeine Ro. 13. Zeitnng des Audcnthums. unpartheiisches Organ Redacteur: Dr. Ludwig Philippson, Geistlicher der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg. für alles jüdische Interesse. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnadigfter Concession.) Leipzig, den 26. März 1842. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, 'Registers u.s.w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrigr mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen-, Postämter und Ieitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Leitender Artikel. Magdeburg, den 14. Marz. Man wundert sich oft, aber mit Unrecht, über die mannichfaltigen, sonderbaren, völlig kontrastirenden Erscheinungen, die sich in unserer Zeit auf dem Gebiete des jüdischen Kultus offenbaren; mit Unrecht, sage ich, weil sie im Geiste der Zeit natürlich sind. Von vorn herein betrachten wir es schon als einen Schritt zum Guten, daß in der Gegenwart die Kultusfrage von allen Seiten wieder zur Sprache gebracht wird. Denn vor zehn, fünfzehn Jahren fand im Allgemeinen eine solche Gleichgültigkeit in diesem Punkle statt, daß eß Niemandem einfiel)' aus dem Kultus eine Frage zu machen. Die Bestrebungen des westphälischen Konsistoriums waren noch, wie sie es nur fein konnten, da sich die Tendenz noch gar nicht gefetzt hatte, zu unwesenhaft, der Tempel zu Berlin zu schnell unterdrückt worden, der Tempel zu Hamburg noch rsolirt. Die Allgemeinheit der Kultusfrage, wie sie jetzt jedes Dorf bewegt, in welchem ein Minjan Juden zusammenfleht, ist noch jung, wir müssen sie freudig begrüßen, wir dürfen sie ja nicht fallen lassen, noch weniger sie .zurückstoßen. Es giebt Leute, die in ihrer herzlosen, naseweisen Superklugheit die Kultusfrage über die Achsel ansehen, und meinen, wenn nun der Gottesdienst verbessert, Predigt, Ehorgefang ff. eingeführt worden — dann sei es noch so. Nun, in den Augen dieser ist ja überhaupt nichts wichtig, außer ihrer eigenen Person und was sie gerade vor sich haben. Der Kultus ist die äußere Existenz, die Posirivetät,' der materielle Bestand eines Glaubens, darum der Mittelpunkt und Träger desselben, um welchen sich die Bekenner desselben reihen und versammeln. Wie daher der Gottesdienst an sich eines der wichtigsten Momente der Religion selbst ist, weil in demselben das Verhältniß des Menschen zu Gott zum Bewußtsein gebracht, und überhaupt genährt wird, so ist er auch für jede Konfession in Bezug auf ihre ganze Existenz von der höchsten Bedeutung. Doch kommen wir zu dem zurück, wovon wir ausgegangen. Es soll hier nicht von den strikten Grundsätzen des bestehenden Judenthums die Rede sein, sondern nur von den Ansichten und Richtungen, wie sie faktisch in dem jetzigen Geschlechte vorwalten, und die wirkliche Thätigkeit der gegenwärtigen Menschen bestimmen. In dem alt-jüdischen Geschlecht war und ist das Gebet eine Pflicht, und zwar das vorgeschriebene Gebet unumgängliche Pflicht, so daß wer eines der vorgeschriebenen Gebete zur rechten Zeit nicht gesprochen, eine Uebertretung, eine gethan. Gerade darum könnte das Gebet so leicht ein bloß äußerliches Thun wevden, indem viel weniger von dem Geiste, mit welchem gebetet wird, sondern nur daß das Gebet gesprochen worden, die Rede war. Nicht, als ob darüber keine Vorschriften vorhanden, nicht, als ob vom religionsgesetzlichen Standpunkt nicht auch die wahre Andacht und Inbrunst bedingt worden, nicht, als ob zahllose Seelen ihre Erhebung und Heiligung nicht aus dem bestehenden Gottesdienst geschöpft und schöpfen — davon