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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-03-05 · Heft 10 (5.3.1842) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 10 (5.3.1842)
Date
1842-03-05
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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136 Und mögen wir es uns nur gestehen, Eins ist es hauptsächlich, was noch zu unserer vollen innern Befriedigung fehlt: die längstersehnte Ordnung unserer kirchlichen Verhältnisse, eine Ordnung, die bereits vor dreißig Jahren in dem Paragraphen 39 des denkwürdigen Edikts vom II. März 1812 in Aussicht gestellt worden. Aber wenn nicht alle Anzeichen täuschen, so ist auch die Zeit nahe, die diesen Wunsch endlich in Erfüllung gehen sieht. Möge dann der Geist unserer Gesellschaft, wie er in früheren Jahren gezeitigt und gefördert hat, was wir seitdem als Frucht geärndtet, auch dasjenige unterstützen, was uns nicht minder theuer ist,. als die Errungenschaft der bürgerlichen Rechte, ja unserm Herzen noch näher liegt, denn es hängt davon die religiöse Bildung unserer Kinder ab, die Erziehung derselben nicht bloß zu unbescholtenen Bürgern, sondern auch zu würdigen Mitgliedern einer gottesdienstlichen Gemeinde, — einer Gemeinde, der wir mit Liebe angehören, weil wir von dem sittlichen Werthe ihres Familienlebens die Ueberzeugung in uns tragen, und weil wir besser als irgend ein außerhalb Stehender wissen, daß als Ausnahmen in derselben nicht die Guten, sondern die Schlechten zu betrachten sind, nicht die mit den bessern Christen in jeder Beziehung gleichstehenden, sondern die Verworfenen, der Pöbel durch Gesinnung und That! Aber weil wir dies wissen, weil wir, ob dieser Ueberzeugung, auch in dieser unserer Gesellschaft zusammenhalten, wollen wir auch hier und mit dem vollen Bewußtsein aller der Erinnerungen, die uns heute erfüllen, den Vorsatz erneuern, einig zu sein, in der Unterstützung alles dessen, was die sittlichen Zwecke der Gemeinde fördern kann, und diese Einigkeit auch in weiteren Kreisen durch unfern Einfluß zu verbreiten. Sie ist um so dringender nöthig, diese Einigkeit, als der Kampf der Humanität gegen das Vorurtheil, der Kampf, den Moses Mendelssohn begonnen und der in unserm mit jedem geistigen Fortschritt befreundeten Staate im Jahre 1812 einen so schönen Triumph gefeiert, noch immer nicht ganz beendet ist. Ja, in manchen Gauen unseres deutschen Vaterlandes, wie im Königreich Sachsen, in Hannover, in Baiern und in den sogenannten freien Städten, sehen wir noch immer das alte Ausschließungssystem und die kleingeistigen Vertheidiger ungleicher Rechte und Pflichten ankämpfen gegen die Forderungen eines erleuchteten Jahrhunderts. Allerdings dürfen wir darauf vertrauen, daß dieses Jahrhundert sich und seinen auf Vernunft und Menschenliebe basirten Grundsätzen endlich den Sieg verschaffen werde, aber wir sollen doch darum nicht die Hände in den Schooß legen. Wir sollen beweisen, daß wir dieses Jahrhunderts würdige Söhne sind. Dies können wir jedoch nur, indem wir, obwol an den Traditionen unserer Väter und an dem mit dem Familienband verwobenen religiösen Gedanken derselben festhaltend, doch gegen jede Voraussetzung protestiren, die uns in dem Lande unserer Geburt, in dem Lande, das wir lieben, wie es nur von irgend Einem seiner Kinder geliebt wird, nicht bloß eine besondere kirchliche Stellung, sondern auch noch eine abgesonderte Nationalität, mit der wir gleichsam einen Staat im Staate bilden würden, vindiziren will. Nein, nicht bloß dem Worte nach sind wir keine „Nation" mehr; wir haben es auch durch die That bewiesen, daß wir es würdig sind, einem großen europäischen Lande und Volke anzugehören. Vor fünfzig Jahren allerdings hatten wir noch Ursache, uns eine „Nation" zu nennen, und die Stifter der Gesellschaft werden in den ersten Aktenstücken,derselben überall noch als „junge Männer jüdischer Nation" bezeichnet. Aber wie fremd klingt uns heute dieser Ausdruck! Es ist,- als ob er einem andern Zeitalter und nicht.auch noch dem Anfang unseres Jahrhunderts angehörte! Ja, unser ganzes Denken und Fühlen hat sich seitdem so identisizirt mit deutschen Gedanken, deutschen Gesinnungen, daß wir mit Herz und Sinn selbst dann noch Deutsche bleiben und unsere Kinder als Deutsche erziehen müßten, wenn auch unsere christlichen deutschen Mitbürger die Bruderhand, die -vir ihnen reichen, je von sich weisen könnten! Doch Gott sei Dank! dieser furchtbaren Kränkung unserer Ehre sind wir wenigstens in dem Staate, dem wir als Bürger angehören , nicht mehr ausgesetzt. Hier weiß man ja, daß wir zu jedem Opfer bereit sind, wenn es den Ruhm, die Vertheidigung unseres Landes gilt; hier lebt es noch in der Erinnerung vieler Tausende, daß kaum ein Jahr verflossen war, nachdem wir in die Ehren des Bürgerthums eingesetzt worden, als unsere Jugend, bereitwillig wie alle andere Landeskinder, dem

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