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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-02-12 · Heft 7 (12.2.1842) · p. Seite 98

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 7 (12.2.1842)
Date
1842-02-12
Page
Seite 98 (sequence 14)
Language
German
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98 demselben eine immer ausgedehntere Konkurrenz geben. Daher legten sie den immer neuzugekommenen israelitischen Familien zur Erlangung des Ansiedlungsrechtes in ihrer Stadt — nicht wie es früher, vor dem jüngsten Landtage, in sehr vielen andern Orten, und meist zum eignen Nachtheile, zu geschehen pflegte — keine Schwierigkeiten in den Weg. Ja, sie sahen es ein, daß die israelitischen Einwohner nicht nur zur Belebung des Handels, sondern auch, da sie ihre Wohn- und Handelsgebäude in großartigen und stets im neuesten und geschmackvollsten Stile bauen, zur Verschönerung der Stadt sehr viel beigetragen haben, und noch immer beitragen. Deshalb herrscht auch hier unter den christlichen und israelitischen Einwohnern — etwaige Reibungen, die zwischen Einzelnen aus dem gesellschaftlichem Leben entspringen, abgerechnet — im Allgemeinen eine nicht so bald zu treffende Eintracht und Geselligkeit. An den öffentlichen Erholungsplätzen sind die Unterhaltungen' gemeinschaftlich , und man bemerkt hier nicht jenes steife Wesen, jenes stolze Naserümpfen, das man noch in so mancher Stadt wahrzunehmen Gelegenheit hat, wenn der Jude sich erkühnt, an einem solchen Unterhaltungsplatze - zu erscheinen. Im Jahre 1837 wurde das Band der Geselligkeit zwischen beiden Religionsbekennern dadurch noch enger geknüpft, daß die für höhere Bildung si'nnhabendern Glieder ein für Christen und Israeliten gemeinschaftliches Lese- und Konversations-Kasino, staturmäßig und in der Tendenz in's Leben gerufen haben: Eine größere gesellschaftliche Annäherung zwischen beiden Religionsparteien zu erzielen, und zugleich auch den Sinn für gemeinnützige Kenntnisse, wie für eine feinere Ausbildung durch konversationellen Gedankenaustausch immermehr zu wecken und zu erweitern. Es liegen uns jetzt die Statuten dieses Vereines vom Jahre 1839 vor, und ersehen wir aus diesen, daß dieses Institut schon damals an hundert vierzig Vereinsglieder, (worunter die Mehrzahl Israeliten,) zählte. Jetzt wird die Zahl wahrscheinlich um ein Bedeutenderes gestiegen fein. Von den zwei Direktoren dieses Vereines ist der eine Herr Jg. Chernet, Komitats-Asseffor und Advokat, und der andere Herr M. Horschetzky der Medizin Doktor, Spitalsarzt und Dirrigent der israelitisch-deutsch-ungarischen Jugendlehranstalt allda. Auch von den vierzehn Vereins-Ausschußräthen sind sieben israelitischen Glaubens. Unter den Lektüre- Blattern erblickt man in diesem Kasino nebst den bedeutsamsten politischen und belletristischen auch israelitische Zeitschriften. Dieses Kasino fand also jene Maximen „dem Juden entweder gar nicht, oder nur ausnahms- und herablaffungsweise, dem israelitischen Arzte, dem Lehrer, und Aehnlichen, Beitritt zu gestatten" vor dem Richterstuhle der wahren Aufklärung für unstatthaft, und folglich für nicht nachahmungswerth. Daher hat es sie auch in seinen Statuten sorgfältig vermieden, so daß hier dem christlichen Kasino-Gliede vor dem israelitischen nicht der geringste Vorzug, wie wir oben gesehen haben, eingeräumt ist. Jeder ist hier zum Beitritte qualifizirt, der soliden Benehmens ist. In den Statuten lautet der betreffende Paragraph hierüber: „Da das Einverstandniß, die Quelle alles Guten und Nützlichen, durch die Konversation am sichersten erreicht wird, werden sowol alle Hiesige als Fremde vom solidem Benehmen zum Beitritt in diesem Kasino-Verein eingeladen*). *) Es ist hier nicht am Unrechten Platze, folgenden Vorfall, den wir aus der Agramer Zeitung vom 27. Oktober-». c. wörtlich genommen, den Lesern dieser Zeitung vorzuführen: In Oroshäza (Bekeser Komitate) besteht eine Lesegesellschaft, zu welcher, laut der zeitgemäßen Statuten, jedem achtbaren Manne der Zutritt frei steht. Im Geiste dieser Statuten meldete sich ein dortiger Pachter, ein gebildeter Israelit, um den Zutritt zu dem Verein. In der zahlreichen Versammlung der Theilnebmer wurde mit Beseitigung aller Engherzigkeit und Vorurtheile beschlossen, den Bittsteller, als einen Ehrenmann, ohne Anstand aufzunehmen und die Sache wäre damit beendigt gewesen, wenn nicht kurz darauf, eine in heftigen und beißenden Ton abgefaßte Schrift den Frieden der Gesellschaft gestört hätte. Drei herrschaftliche Beamte, welche es für ihre Pflicht hielten, das Wohl der Gesellschaft zu überwachen, erhoben ihre gewaltige Stimme und machten mit Schimpfworten die Gesellschaft auf die Gefahr aufmerksam, welche ihrer Existenz dadurch drohe, daß sie einen geachteten, rechtlichen Juden in ihre Mitte aufnehme. — Der Hauptgrund, auf welchen sie ihre Behauptung stützten, war: „Man dürfe nicht über den eigentlichen Sinn der Statuten hinausschweifen, sonst könnte auch vielleicht jemand den Schein der Zulässigkeit dafür finden, daß auch ein achtbarer und gebildeter Bauer ein Mitglied des 'Oroshäzer Kasinos werden könne (Wenn diese Herren und ihres Gleichen eine Naturgeschichte der Saugethiere zu entwerfen hätten, würden sie den Bauer ohne Zweifel als eine eigene Species zwischen dem Menschen und Affen anführen) — der ehrliche Pachter trat, obwol er schon zum ordentlichen ■ Mitglied ausgenommen, unverzüglich wieder aus, mach-

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