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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-02-12 · Heft 7 (12.2.1842) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 7 (12.2.1842)
Date
1842-02-12
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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88 Preuße«. Berlin, 31. Januar. (Privatmitth.) Gestern wurde hier das 50jährige Jubiläum der Gesellschaft der Freunde aus recht würdige Weise gefeiert. Die Gesellschaft hat das Glück noch 9 von den Stiftern, und 2 von den Mitgliedern des Jahres 1792 zu besitzen. Am Morgen fand ein. Redeakt statt, zu welchem die Jubelfteunde feierlich eingeführt wurden. Der Vorsteher, Herr I. Lehmann, hielt eine gute Rede,, die dem Druck übergeben wird, die Bildnisse zweier Stifter wurden enthüllt, auch eine allegorische Zeichnung von Hosemann als Andenken für die Mitglieder zum Vertheilen bestimmt, und eine Chronik der Gesellschaft, vom Sekretär Herrn Ludw. Lesser verfaßt, den Anwesenden übergeben. Aus dieser Chronik ersieht man, wie die Gesellschaft aus unverheirathetcr Männer schwieriger Stellung bei der strengen Herrschaft, welche die Orthodoxie ausübte, und die jeden verließ, der sich ihr nicht hingab, entsprang, und allmälig anwuchs. Zwei Zwecke waren es, welche die Gesellschaft verfolgte, den der Unterstützung, und sie hat ihn durch Verausgabung von 80,092 Thlrn. in den 50 Jahren erreicht, und den, gegen zu frühe Beerdigung anzukämpfen, wozu die Gesellschaft schon 1792 eine Kommission ernannte, und worüber die DD. Bing und Rintel und Löwe (Bril) wirkungsreiche Aufsätze lieferten: im Jahre 1794 schon gab die jüdische Beerdigungsgesellschaft es unsrer Gesellschaft nach, mit ihren Leichen 3 Tage warten zu dürfen gegen Bezahlung von 10—15 Thlrn. Es war dies der erste Schritt gegen das Unwesen des zu frühen Begrabens, und dieser Ruhm sichert der Gesellschaft auch ein allgemeines Verdienst. Der dieselben Gebete sind, nicht andere, nux wenigere, so daß der Tempelianer immer in der Synagoge, der Besucher letzterer im Tempel sich zurecht und seine Gebete wieder finden wird; ferner daß in Wien, Pesth, Prag, Kopenhagen und so vielen anderen Gemeinden bereits eine vollständige Uebereinfiimmung mit dem früheren nicht mehr statt findet; endlich daß, wenn wir warten wollen mit jeder Verbesserung des Gottesdienstes, bis das gesammte Israel solche übereinstimmend bis in's Kleinste sie beschließen wird — unser Gottesdienst unterdeß gänzlich verfallen sein wird. Wir glauben daher nicht, daß durch die Worte des Einsenders die Sachlage auch nur einen Finger breit verändert worden. D. Re da kt. Plan, ein Leichenhaus zur Verhütung der Beerdigung Scheintodter zu errichten scheiterte," bis ihn in neuester Zeit die Gemeinde selbst aufnahm. Nach außen trat die Gesellschaft bei folgenden Gelegenheiten. Beim Thronwechsel 1797 richtete sie ein Schreiben an den neuen König, um sich seiner Huld zu versichern, und erhielt sehr gnädigen Bescheid; 1799 unterstützte sie die jüdische Freischule mit einem Ge-. schenk; 1808 bei der Heimkehr des verstorbenen Königs nach Berlin verschenkte sie 150Thlr. an christl. und jüd. Institute, ähnlich feierte sie 1816 ein Fest; nach Moser's Tode gab sie 400 Thlr. zur Stiftung eines Stipendiums; eine Feier beging sie bei der Huldigung des jetzigen Königs. So gering diese äußere Thätigkeit der Gesellschaft war, und einflußlos auf das Allgemeine: so segensreich war doch immer ihr inneres Wirken für die Berliner Juden. — Nachmittags fand ein glänzendes Festmahl statt, welchem der Oberbürgermeister, der Polizeipräsident, die Geh. Oberregierungsräthe Streckfuß und Brüggemann beiwohnten. Auf. öftere Toaste antworteten diese Herren in wahrhaft herzlichem Tone, indem sie ihre Vorurtheilslosigkeit gegen verschiedene Glaubensansichten aussprachen. Ergreifend war eine kleine Rede, welche der Veteran Dr. Rintel sprach. Von anwesenden Künstlern wurden einige Gesangstücke vorgetragen, die eigens von Neidhardt, I. Meycrbeer und Felix Mendelssohn komponirt waren. Die Komposition des Letztern trug zweifellos den Preis davon. — So wurde dieses seltene Fest gefeiert, und die ganze Feier war, was anerkennenswerth ist, würdig, angemessen, nicht eindruckslos, erfreulich. Freilich vermißte man. jede religiöse Weihe. Was wäre wirksamer gewesen, al§ bei dem Redeakte, in dem vor dem Tageslichte abgeschlossenen, durch Kerzen erleuchteten Saale ein Psalm, ein Choral, ein Gebet! Freilich Hätte wenigstens ein neuer Gedanke der Gesellschaft zu diesem Feste einverleibt werden müssen. Denn wenn die Gesellschaft nur Unterstützungsverein ist und bleibt, noch dazu da der ihr verbundene gesellige Verein auf sehr schwachen Füßen stehen soll, so wird sie keinen völlig gesicherten Boden haben. Jndeß war doch das Fest sinnig ausgeschmückt. Zu bemerken ist noch, daß die Gesellschaft wieder einen Schritt abwärts von den bis jetzt gültigen Grundsätzen in neuester Zeit gethan. Bis jetzt nämlich hatte sie Mitglieder,

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