Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1842)
- Date
- 1842-01-29
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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54 man erkannt hat, daß religiöse Gleichgültigkeit die Vernichtung aller Moral nach sich zieht, und daß man mehr bedarf als Systeme von menschlicher Erfindung, um auf einen festem Grund die durch Entfernung alles wahrhaften Glaubens so tief erschütterte, gesellschaftliche und politische Ordnung wieder herzustellen." „Unglücklicherweise trifft es sich hier, was man überall begegnet, wo es auf das Urtheil der Menschen ankömmt: man hat Mühe sich über die Mittel zu verständigen, durch welches ein Ziel, dessen Nützlichkeit allen einleuchtet, zu erreichen sei, und kaum hat man das Werk begonnen, so ist man verschiedener Meinung. Die Einen, sich stützend auf ein allgemein anerkanntes Faktum, daß gewisse Formen in unserm äußern Kultus, die aus der unglücklichen Lage der Israeliten im Mittelalter stoffen, nicht mit den Forderungen der jetzigen Zeit übereinstimmen, gehen hiervon aus, um die Hand an die Wesenheit unserer religiösen Gebräuche selbst zu legen; anstatt sich mit Verbesserungen zu begnügen, die mit unfern religiösen Vorschriften sich vereinbaren können, scheuen sie sich nicht vor Entwürfen, welche das Fundament des göttlichen Gesetzes umstoßen. Die Andern, durch die Forderungen dieser Neuerer in Schrecken gesetzt, stellen jedem Versuche der Besserung einen Widerstand gegenüber, dessen Hartnäckigkeit der Verwegenheit ihrer Gegner gleichmäßig ist; je mehr die Einen fordern, desto weniger wollen die Andern bewilligen: die geringste Veränderung in der Form, welche die Zeit und die Umstande in den äußern Kultus eingeführt haben, erscheint in ihren Augen wie der Anfang einer gänzlichen Zerstörung der Religion." „Man wird leicht alle die Folgen fassen, welche ein solcher Zustand der Dinge für die Zukunft unserer alten und heiligen Religion haben muß. Und wenn unser Herz davon lebhaft gerührt ist, so haben wir gerade dem Ewigen um so mehr zu danken, daß unser Bezirk sich in einer glücklichem Lage in dieser Beziehung befindet: hier sind die Meinungen weniger extrem und man hat frühzeitig angefangen, sich über die religiösen Bedürfnisse der Zeit zu verständigen. Von der Organisation unsers Kultus im Jahre 1808 an, sahen alle wahrhaft religiösen Menschen ein, daß es dringend wäre, unfern Gottesdienst mit der neuen Lage, welche unser Vaterland uns geschaffen, in Einklang zu bringen. Sie faßten den frommen Gedanken einen Tempel zu erbauen, und scheueten keine Mühe, kein Opfer, um diesen zu verwirklichen. So segnete Gott auch ihr Werk: bald erhob sich das Haus des Herrn, und ersetzte in seiner majestätischen Einfachheit die 8 oder 9 Betstuben ,.»"2 der Kultus mit Eifer und Wärme zwar, aber ohne die Ordnung und den äußern Glanz gefeiert wurde, die für den Eindruck auf die Herzen der Gläubigen so nothwendig sind. Das Beispiel des Konsistorial-Hauptortes wurde von mehreren Gemeinden nachgeahmt, insbesondere von denen zu St. Esprit und zu Bayonne. Auch da erhebt sich ein würdiger Tempel, auch da tragen ein Chor, die Harmonie der religiösen Gesänge, die Predigt in der Nationalsprache dazu bei, die Majestät der heiligen Ceremonien unsers Kultus zu heben." „Seitdem setzten wir soviel wie möglich das Werk unserer frommen Vorgänger fort. Alle Maßregeln, welche dem Gottesdienst seinen wahrhaften Charakter zu geben vermochten, wurden glücklich in Ausführung gebracht: wir verbannten aus dem Gotteshause alles, was die Ordnung, den Anstand und die Sammlung verhindern konnte, so z. B. den störenden Verkauf der Mizwot. Wir werden dieses Werk mit dem Beistände des Allerhöchsten vervollständigen, und die nahe Restauration unsers Tempels wird uns eine natürliche Gelegenheit geben, alles das zu vollenden, was uns in dieser Beziehung noch mangeln könnte." (Schluß folgt.) —. Die Synagoge zu Bayonne ist so eben ein Raub der Flammen geworden. Deutschland. Hamburg, 16. Januar. (Privatmitth.) Folgendes ist hier m diesen Tagen vertheilt worden. Das Comite für die Angelegenheit von Damaskus im Jahre 1840 macht den geehrten Kontribuenten zu einem Ehrengeschenk für Sir Moses und Lady Judith Montefiore die ergebene Anzeige, daß für den eingegangenen Belauf eine Medaille in Gold (geschnitten von den Gebrüdern Nathan Hieselbst) geprägt und dem gefeierten Paare nebst nachfolgender Adresse übersandt worden ist. Bronzene Abdrücke dieser Medaille können zu 2 Mrk. 8 Sch. und silberne zu 8 Mrk. geliefert werden; doch müß-