Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1841)
- Date
- 1841-12-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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V. Jahrgang. Zeitung Ällgemeine No. SV. des Zudcnthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Vr. Ludwig Philippso«, Geistlicher der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit Königl. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 11. Dececkber 1841. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.s.w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrigr mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Ieitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sächf. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Rödelheim, 13. November. (Didaskalia.) In voriger Woche starb dahier im kräftigsten Alter ein sehr verdienter Mann israelitischen Glaubens, der Buchdrucker I. Lehrberger, Fortsetzer der weithin berühmten Heidcnheim'schen Verlagswerke, wie auch eine Meihe von Jahren Dirigent des israelitischen Gemeindevorstandes dahier und Vorsteher der israelitischen Volksschule. Seine Leichenfeier zeigte, wie sehr man ihn schätzte und bot noch in anderer Beziehung eine erfreuliche Erscheinung. Nicht nur die ganze israelitische Gemeinde, sondern auch fämmtliche Beamten und übrige Honoratioren des Orts nebst einer großen Anzahl christlicher Bürger bildeten den Leichenzug, dem sich auch der katholische und evangelische Geistliche in der Eigenschaft theilnehmender Freunde anschlossen. Letzterer, Herr Dekan Thudichum, der als Schulinspektor noch in besonderem amtlichen Verhältniß zu dem Verstorbenen gestanden hatte, war von dessen Familie, von dem israelitischen Gemeindevorstande und von vielen Mitgliedern der christlichen Gemeinde um eine Grabrede ersucht worden und entsprach bereitwillig diesem Wunsche. In dieser Rede davon ausgehend, daß es angemessen sei, von der Theilnahme sich Rechenschaft zu geben, welche diese große Versammlung hier vereinigt habe, wies er darauf hin: was die Familie des Verstorbenen in ihm verloren (er hinterläßt eine Wittwe mit neun, größtentheils unerzogenen Kindern), wie sein Fleiß und Unternehmungsgeist vielen Mitgliedern der beiden Gemeinden zu gut gekommen und sie bei ihm ihren Lebensunterhalt gefunden hätten, wie sein mildes Herz den Nothleidenden ohne Unterschied des Glaubens geöffnet gewesen, wie er als Vorsteher seiner Gemeinde diese durch. wahre Bildung zu heben und so ein Band herzlichen Wohlwollens mit der christlichen Gemeinde zu knüpfen gesucht und auch darum die letztere seinen Tod als einen Verlust für sie selber zu betrachten habe u. s. f. Er sei — wurde gegen das Ende gesagt — ein aufgeklärter Jsraelite gewesen, und habe diesen Namen verdient nicht dadurch, daß er die Anbetungsweise seiner Väter verachtet, sondern daß er den frommen Geist erkannt, der sie durchdringe, daß er den äußern Gebrauch darum heilig gehalten, weil er den Ausdruck frommer Gesinnung und ein Beförderungsmittel des Glaubens und der Tugend in ihm erblickt, daß er begriffen habe, wie Gott durch Mose von seinem Volke den Zehnten fodere nicht um des Zehnten willen, sondern „damit es lerne, den Herrn seinen Gott fürchten." — Diese in ihren wesentlichsten Punkten hier kurz angedeutete Rede, indem sie Jeden auf den rechten Standpunkt führte, aus welchem er die ganze eigenthümliche Feier zu betrachten habe, gab ihr den wohlthuenden erhebenden Eindruck, den sie bei allen Anwesenden zurückließ, und