Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1841)
- Date
- 1841-11-13
- Page
- Seite 663 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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663 Erzieher weiß den Geist schon zu wecken, zu dehnen, zu kürzen und ihn nicht in ein Prokrustusbette einzuzwängen, wodurch jede freiere Bewegung gehemmt wird. Ein tüchtiger Lehrer, der mit ^n, den Kommentatoren, dem Talmud u. s. w. bekannt, kurz der so gebildet ist, wie das allerhöchste Regulativ vom 28. Januar 1828 vorschriftsmäßig geprüft haben will, der schöpfet aus der Urquelle, und bedient sich des einen oder andern jüdischen Katechismus nur als Leitfaden und laßt die Kinder seiner als Handbuch gebrauchen. Wer sich indeß von der Schädlichkeit der Einführung Eines Lehrbuches für die freie Bewegung des religiösen Geistes überzeugen will, .der gehe in unsere christliche Schulen. Hier ist die Methode des „Aufsagens" eines Pensums aus dem einmal eingeführten Katechismus zum allgemeinen Prinzip gestempelt. Das sinnlose, geisttödtende, monotone Ableiern gewisser Katechismusstücke regt das Gefühl des Kindes nicht an, laßt den ganzen innern, religiösen Menschen kalt und scharst höchstens das Gedachtniß, bringtaber der Religion keinen Gewinn. Ja, es ist sogar zweifelhaft, ob das Gedachtniß dabei gewinnt, weil auch dieses zur Natur des Geistes gehört, letzterer aber von allem ohne Thatigkeit der Verstandeskräfte Eingleierten, also der Sinnenwelt angehörend, ohne Vermittelungsorgan zwischen dieser und der Geisterwelt, nichts wahrnimmt. Man glaube aber nicht, daß dies blos in den schlechtem Schulen sei. O nein l Auch dieallerbesten, die in allen Fachern des Volksunterrichts Vorzügliches leisten, haben dies mit der schlechtesten Schule gemein. Aber auch kein Wunder. Es ist Ein Katechismus in allen Schulen eingeführt. Der Lehrer mag von einem Winkel in den andern des Landes versetzt werden, er findet überall dasselbe Material zu verarbeiten vor, er muß sich streng an dem Lehrbuch hatten, ec darf und soll und will und kann selten durch eigenes Zuthun etwas an dem Schlendrian andern, und so gehet das Ding seinen schneckenförmigen Gang fort. Ja, er kann selten. Denn, die Forderungen, die an den christlichen Schullehrer hinsichts der Religionswissenschaften gestellt werden, sind äußerst geringer Quantität und Qualität. Anders ist es mit dem israelitischen Religionslehrer. Er soll und muß Proben von seinen Kenntnissen in der Bibel, in der hebr. Sprache, in den mannigfachen Kommentarien, in Mischna und Gemara rc. ablegen, und stehet somit dem Rabbinen in seinem eigentlichen Fach- und Berussstudium wenig nach. Und —- die Hand aufs Herz — wie viele Lehrer übertreffen und müssen naturgemäß manchen Rabbinen in dem Umfang der hebräischen und talmudischen Kenntnisse übertreffen? Es muß ihnen also auch mehr Wirkungskreis eingeraumt werden, soll die heilige Flamme lieblich lodern und Herz und Geist junger Israeliten elektrisirt werden. Sonderbar ist es aber, warum der Herr Korrespondent das Eine Lehrbuch von Rabbinen gefertigt wissen wolle, wahrend der Lehrplan von sachverständigen Männern ausgehen soll. Sind denn die Rabbinen keine Sachverständigen, keine Pädagogen? Wir glauben fast, und erinnern uns bei dieser Gelegenheit eines Beispiels, das wir noch nicht lange gelesen. Herr Rabbkne Grüncbaum in Landau — ein übrigens sehr wackerer, für das Judenthum glühender Mann — wünschte von vielen Lehrern seines Distrikts mehr in religiöser Beziehung geleistet, macht deshalb über die numerischen Gegenstände des Unterrichts Vorschläge, die auch höhern Orts genehmigt worden, bei dem Bewußtsein der zu beschränkten Unterrichtszeit, und der anderweitigen, ins Gebiet der deutschen Volksschule gehörigen Unterrichtszweige aber, und daher in Verlegenheit, auf welche Weise das Aggregat von Material verarbeitet und für die Seele des Kindes annehmbar gemacht werden kann) ersucht er praktische Schulmänner um einen seinen gestellten Anfoderungen gemäßen Lehrplan. Zweckmäßiger und der Sache der Religion forderlicher ist jedoch der dritte fromme Wunsch des Korrespondenten. Der jüdische Lehrer soll und muß — was, beiläufig gesagt, bei den meisten dermaligen Lehrern, weil sie zur Zeit der Jeschibet den Grund zu ihrer religiösen Bildung legten, der Fall ist — in hebräischer Sprache, in *f3ri/ Kommentarien, Mischna und Gemara gründlich und tüchtig.unterrichtet sein, sott anders sein Unterricht belebend und jüdisch sein, und der Grund zu einer zu erlangenden Ertüchtigung kann daher nicht frühzeitig genug gelegt werden. Ist sie aber einmal erlangt, so arbeitet er an seiner Fortbildung von selbst und mit Freuden fort, und bedarf der Aufsicht nicht mehr, so wenig der tüchtige im Felde der jüdischen Literatur bewanderte Rabbi einer Aussicht zu seiner Fortbildung bedarf. Prov. 2, 11. Zum Schluffe wünschen wir allen den der jüdischen Theologie Beflissenen, zehn oder wenigstens fünf Jahre lang in jüdischen Landgemeinden als Lehrer fungiren zu müssen, nach Verlauf eines solchen Dezenniums oder