Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1841)
- Date
- 1841-11-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. Jahrgang, Allgemeine R». 45. des Zudcnthmns. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Dr. Ludwig Philipps»«, Geistlicher der israelitischen Gemeinte zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mt König!. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 6. November 1841. Diese Zeitung erscheint wöchmtlich ei st mal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrigr mit A Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Ieitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Säch^. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. ZeLtilngsnachrichte«. Rußland. Von der russischen Gränze, im Oktober. (Privatmitth.) Der treffliche, seinem amtlichen Berufe treu lebende Herr SB. Tugendhold, Censor zu Wilna, dessen edle Gesinnungen und tüchtige Feder uns, den in Rußland lebenden Israeliten, seit mehr als 15 Jahren zur Freude und Belehrung gereichen, hat vor Kurzem ein für uns wichtiges Schreiben in russischer Sprache an eines der gefeiertsten Mitglieder der hohen russischen Regierung zu St. Petersburg unterthänigst eingesandt. Durch einen günstigen Zufall gerieth ein Auszug dieser Schrift in unsre Hände, den Herr Tugendhold selbst aus seinem russischen Original in deutscher Sprache abgefaßt hatte, und wir übersenden ihn Ihnen, Herr Redakteur, in der Hoffnung, daß Sie ihm einen Platz in der den gutdenkenden russischen Israeliten so theuern Allg. Zeit, des Judenrh. vergönnen werden, zugleich es als Pflicht erachtend, Herrn Tugendhold, wegen dieser Veröffentlichung,, um Nachsicht zu bitten, wenn wir damit seiner wohlbekannten Bescheidenheit zu Nahe treten *). Die Einsender. *) Je wichtiger eS ist, de» Zustand der russische» Juden der Wahrheit gemäß kennen zu lernen, um so (I. Der russische Jude, wie er ist.) Niederschlagend und fast entmuthigend für jeden Menschenfreund, der Deutschlands jüdische Bevölkerung, in ihrem zeitgemäßen Fortschritt, in ihrem Aufschwünge zu allem Guten, Rechten und Edlem, kennen zu lernen Gelegenheit hatte, ist der Anblick der hiesigen Juden, die, obgleich sie mit jenen dieselben Religionsgrundsätze theilen, doch ihnen um Jahrhunderte, in jeder sittlichen, geselligen und wissenschaftlichen Beziehung, nachstehen. — Wenn in Deutschland der Israelit seine Bestimmung, sein Zeitalter, seinen Standpunkt, schon völlig begreift, und darnach aus allen Kräften strebt, dem christlichen Mitbruder keinen Anlaß zu irgend einer Rüge zu geben, so lebt der hiesige Jude, im Dunst einer noch länger als vor tausend Jahren ausgebreiteten Gelehrsamkeit, hält sich noch immer für den geliebten Mittelpunkt und Zweck der Schöpfung, geizt gröfitentheils nur nach Reichthümern, und Trotz seiner Entartung, glaubt er jedoch ein ganz eigenes Vorrecht auf die Jenseits verheißene Glückseligkeit zu haben. — Wirft man die Frage auf, worauf verwenden die Mirjaden Juden, die die hiesigen Provinzen bewohnen , die kärglich zugemessene heilige Lebenszeit? williger lassen wir hier den russischen Israeliten über sich selbst frei aussprechen. D. Redakt.