Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1841)
- Date
- 1841-09-11
- Page
- Seite 534 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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534 ,/gesagt, der Simele, welcher sich hat wollen Ipf* „sen schmatten (b. h. taufen). Da bin ich in „mich gangen, und nachdeme ich in Tandelmarkt „kommen, habe ich nach des Lazar Abeles Hand- „schuhladen geschauet, und solchen gesperrt ge- „sunden. Nachdeme ging ich zu dem Herrn Con- „stantin Frenklin und habe ihm dieses ingeheim „vertrauet, worauf er Constantin mir gesagt, wo- „her ich dieses wüßte, daß der Knab sich hatte „wollen taufen lassen, ich ihme geantwortet, daß „ich es hin und wieder in der Judenstadt auf „der Gassen gehört hätte. Auch dieses Zeugniß wurde dem Löbl Kurzhandl vorgehalten und ihm überdieß mit dem Scharfrichter gedroht, aber seine Antworten bestanden wie immer in Widersprechungen; und -selbst als er zur Leiche gebracht und beim Anblick derselben aufs feierlichste und nachdrücklichste zum Geständniß seiner Thal ausgefordert wurde, behauptete er fort seine Unschuld und beklagte sich bitter, daß man widerrechtlich mit ihm verfahre. Da es für jetzt an noch weitern Beweismitteln gebrach, und keine Gründe zur Bermulhung Vorlagen, daß sich künftig dergleichen bieten werden, glaubte man um so mehr die Untersuchung als geschlossen betrachten zu müssen, als man aus den bisherigen Verhandlungen und den abgelegten beschworenen Zeugnissen als rechtlich gewiß annehmen zu können glaubte, daß der Knabe Simele Abeles wirklich wegen seiner Neigung, zur Taufe von seinem Vater Lazar und dessen Mitschuldigen Löbl Kurzhandl gewaltsam ums Leben gebracht worden sei. Ob die Untersuchung wirklich materiell und formal so weit vollständig war, daß die criminalrechtliche Gewißheit der Schuld hergestellt war, wollen wir der Beurtheilung des Juristen überlassen. Die Zeit dieses Vorfalls liegt zuweit hinter unsre zurück. Das processearische Verfahren war in derselben noch zu sehr mangelhaft, die criminalrechtliche Beweistheorie noch zu wenig ausgebildet und Richter und Partheien in ihrer wechselseitigen Glaubensantipathie zu sehr befangen, als daß wir heute nach einem Zeitraum von beinahe anderthalb Jahrhunderten, die Schuld oder Nichtschuld der Angeklagten ausmitteln könnten. Daß zu einer Zeit, wo der Fanatismus und Glaubenshaß noch in dem Grade herrschten, daß man einerseits in der Verfolgung eines Andersgläubigen nur das Gericht Gottes zu vollstrecken wähnte und in jedem Uebergetretenen eine gerettete Seele willkommen hieß, andrerseits aber der jüdische Bat« in dem Abfall seines Kindes nicht nur des Kindes, sondern auch seine eigene verlorne Seligkeit beweinen zu müssen glaubte; daß in einer solchen Zeit, eine That der Art, vor der unser heutiger sittlich geläuterter Sinn mit Schaudern zurückbeben muß, möglicherweise geschehen konnte, und vielleicht auch geschehen ist, wollen wir nicht in Abrede stellen. (Schluß folgt.) Korrespondenzen. Von der russisch-polnischen Gränze, im Juni. Die Gemeinde Lublin« (Fortsetzung und Schluß.) Wohlthätige Anstalten, von deren Zahl und Beschaffenheit man stets auf den Zustand der Bildung einer Gemeinde schließen kann, giebt es in Lublin drei. Haknasat Orchim (ötpvhs nöisn), ein schmutziger Schlupfwinkel, wo armen Reisenden eine allerdings nicht vorzügliche Zuflucht gestattet ist. Die Talmud Tora, die dem Bilde gleicht, welches in dieser Zeitung (Nr. I, Jahrg. 1840) von der Lemberger entworfen worden. Dennoch muß man zugestehen, daß man wirklich das Bedürfniß, sie zu verbessern fühlt, und wenigstens Reinlichkeit und Ordnung km biblischen Unterrichte hineinbringen will, aber den Vorstehern sind durch den Mangel an eigenem Lokal und sonstigen Mitteln die Hände gebunden. Denn alle Unkosten für die T. T. liefern blos die Geldbüchsen und die milden Beitrage der Wöchnerinnen für die ihnen geschenkten Talismane °), welche zusammen erst eine kärgliche Summe abwerfen. *) Diese Talismane, Schutzmittel wider die feindliche Göttin der Niederkunft Lilit, werden überall gebraucht, und da sie schon in den Meassim von Aron Halle und im Massa Bearab von Römanili witzig beschrieben worden, braucht man nicht ferner darüber zu sprechen. Weil