Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1841)
- Date
- 1841-09-11
- Page
- Seite 523 (sequence 3)
- Language
- German
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523 Amte von seinen Mitbürgern gewählte Jude das durch die Wahl ihm bewiesene Vertrauen nicht nur bei der Ausübung seines Amtes sich zu erhalten weiß, sondern dasselbe sogar zu steigern fähig ist. Nach der von dem Oberlandesgerichte zu Köslin im Amtsblatte Nr. XV. am 6. April 1840 veröffentlichten amtlichen Uebersicht über die Erfolge der schiedsmännischen Thätigkeit, sind im Departement dieses Oberlandgerichts 145 Schiedsmänner gewählt worden, von welchen im Jahr 1839 70 unbeschäftigt blieben, während bei 47 unter 10, bei 7 unter 20, bei 5 unter 30, bei 10 unter 100, bei 5 zwischen 100— 200, bei 1 endlich 269 Streitfragen angcmeldet worden. Und dieser Eine ist der Kaufmann Joseph Joseph zu Bublitz — jüdischen Glaubens. Von welcher Behörde die Wahl des Mannes bestätigt ward, und auf welche Weise er vereidigt worden, mag auf sich beruhen; nur darauf kommt es hier an, wie er sein Amt verwaltet. Wenn nun aber schon aus den eben angegebenen Zahlen hervorgeht, daß von 1856 Streitsachen bei 145 Schiedsmannern 269 der erstern einem Einzigen zur Schlichtung übergeben wurden, und dieser Eine zugleich unter den Schiedsmännern der einzige Jude war; so wird dieses Resultat dadurch noch ehrenvoller, daß derselbe laut des amtlichen Nachweises von jenen 269 Streitsachen, nachdem 3 zurückgenommen worden sind, 266 geschlichtet hat: ein Verhältniß, welches zeigt, mit welchem Eifer, aber auch mit welch großem Vertrauen er sein richterliches Amt verwaltet hat. Dies ist denn auch der hohen und nächsten Behörde nicht entgangen, wovon folgendes, am 23. April d. Jahres an Herrn Joseph gerichtete Schreiben des Oberlandgerichtspräsidenten von Bähr zu Köslin Zeugniß giebt: „Die angefertigten Nachweisungen von den von den Schiedsmännern in diesem Departement des Jahres 1840 verhandelten und verglichenen Sachen liefern nicht nur im Allgemeinen ein sehr günstiges Resultat von der Wirksamkeit dieses Instituts, es hat auch insbesondere ergeben, daß, Ew. Wohlgeb. sich bei Verwaltung dieses Amtes rühmlich ausgezeichnet und das in Sie gesetzte Vertrauen Ihrer Wahlmänner vollkommen gerechtfertigt haben. Nur allein wenn die Schiedsmänner mit einem solchen Eifer, wie Sie gethan, ihr Amt verwalten, kann ein Institut gedeihen, welches den schönen Gedanken ausspricht, Prozesse zu vermindern und Streitigkeiten von Männern schlichten zu lassen, die allein durch das Vertrauen ihrer Mitbürger zu diesem ehrenvollen Amte berufen worden. Von des Herrn Justizministers Ercellenz bin ich angewiesen worden, Ew. Wohlgeb. wegen des von Ihnen bewiesenen Eifers dessen volles Anerkenntniß hiermit auszusprechen." Jede weitere Bemerkung scheint uns überflüssig, wiewol wir die Hoffnung hegen, daß es nicht immer blos dem Zufall überlassen bleiben wird, zu zeigen, daß auch die jüdischen Unterthanen Preußens als Kinder des gemeinschaftlichen Vaterlandes sich betrachten und als solche betrachtet zu werden verdienen. Trier, 24. August. (Privatmitth.) Bei der hiesigen Rabbinenwahl am 18. dieses von fünf und zwanzig Notabeln aus dem ganzen Regierungsbezirk, welche von der Regierung durch die Landräthe gewählt werden, und wovon auch nicht Einer ausblieb, siel die große Majorität von neunzehn Stimmen aus den Kandidaten Joseph Kahn, gebürtig zu Wawerm, einem Dorfe bei Trier. Von den übrigen Stimmen sielen vier auf den Kandidaten Heß, Eine auf Frank von Osann an der Mosel, und ein! Stimmzettel ward blank gefunden. Herr Kahn ist! unstreitig der freisinnigste unter den angemeldeten | Kandidaten. | Unter den Kandidaten waren cs vorzüglich drei,! die eigentlich in Betracht kamen. Der Herr Heß,? der allerdings Anspruch machen konnte, wie denn! auch seine Zeugnisse allein von dem königlichen Landi rath und Oberbürgermeister zu Trier, der von der Regierung beauftragt war, die Wahl zu leiten, genügend befunden worden hatte, wie es sich auswies nur vier Notabeln für sich. Herr Kahn hatte ebenfalls eine Partei, die sich aus den edelsten Motiven nicht irre machen ließ.. Unser Vorsteher Herr Altmayer hatte auch eine Partei geschaffen, und zwar mit Leib und Seele für Herrn Dr, Roscnberg in Düsseldorf, der sich auch als Kandidat gemeldet hatte. Da aber auch nicht Einer der Notabeln denselben persönlich kannte, er es auch abgelehnt hatte, hierher -zu kommen, und eine Predigt oder Derascha zu halten; so konnte derselbe keinen Anklang finden. So zeigte es sich auch den 17. August Abends bei einer vorläufigen Berathung, als einer Seits der Saarbrücker Postwagen, andrer Seits das neue Mosel-Dampfschiff ein frisches Korps von Notabeln her-