Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1841)
- Date
- 1841-09-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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v. Jahrgang. Allgemeine No. 36, Zeitung -es Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Verlag von Dr. Ludwig Philippfon, Baumgartners Buchhandlung Geistlicher der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit Königl. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 4. September 1841. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Ieitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Kleinasien. Smyrna, 29. Juli. In der vorigen Nacht brach hier eine schreckliche Feuersbrunst aus und zerstörte binnen 18 Stunden 9—10,000 Hauser des türkischen Viertels, das ganze jüdische Viertel, mehre Moscheen, Synagogen und Bazars. Das Unglück ist unermeßlich, die blühendste Stadt ist nicht mehr. Jnsonders sind die Stadttheile, wo die Juden und Türken wohnen, ganz' zerstört. Deutschland. Mainz, 12. August. Die L. A. Z. enthält folgenden Artikel von hier aus: „In dem Kulturleben der hiesigen israelitischen Gemeinde^ bekanntlich eine der stärksten in Deutschland, ist eine bedeutsame Epoche eingetreten, über die sich alle Freunde des Fortschrittes freuen müssen. Bisher nämlich sah es mit dem Gottesdienst und mit den Formen des Ritus noch ganz alterthümlich aus; mit eiserner Strenge hielt der Vorstand, der zur alten Schule gehört, jede, auch die unbedeutendste Neuerung ab, und während die kleinste Gemeinde um uns her bereits die deutsche Predigt, andere sogar Choralgesänge einführten, mußte sich die hiesige, zum größten Thcil sehr gebildete Gemeinde mit dem unerbaulichsten Gottesdienste begnügen. Unter diesen Verhältnissen riß hier nachgerade ein religiöser Jndifferentismus ein, der traurig war und sogar gefährlich zu werden drohte. Nun kam erst der Vorstand zur Einsicht, daß es doch besser sei, etwas nachzugeben, um das Gebäude zu retten, als durch starre Konsequenz dasselbe zu ruiniren. Mit wahrem Vergnügen vernehme ich, daß soeben ein gebildeter jüdischer Geistlicher als Prediger für die hiesige Gemeinde angestellt worden und bereits von der Staatsregierung genehmigt sei. Der Gewählte soll aus Norddeutschland hierher berufen sein, sich durch großes Wissen im Gebiete der Theologie und Philosophie, sowie durch ein ungemeines Predigertalent auszeichnen und, eine Hauptsache, er soll ein Mann sein, der das positive Element der jüdischen Religion zu retten und mit den Fortschritten des Zeitgeistes zu versöhnen weiß. Sein Name ist Dr. Frenzdorf. Ein solcher Mann that hier Noth, sehr^Koth, und glücklich die Gemeinde, wenn der neue Seelenhirt dieser Schilderung entspricht. Nun wird auch der intelligente Theil der Gemeinde endlich einmal eine Nahrung für das Herz in seinem Gotteshause finden, die jüdische Jugend wird nicht mehr durch die alten Formen erschreckt und abgestoßen werden, sie wird endlich die humanen Grundsätze ihres Glaubens, dessen göttliche Kraft schon in dem vieltausendjährigen Alter zu erkennen ist, in den wohlthuenden Lauten der Muttersprache verkünden hören. Dank dem Vorstande, daß er dieser gebieterischen Foderung der