Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-21 · Heft 34 (21.8.1841) · p. Seite 491

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 34 (21.8.1841)
Date
1841-08-21
Page
Seite 491 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225208--03755-3313310
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

491 noch, gerechter Weise, bemerkt, daß man voraussetzte, M. werde in Zukunft alle Individuen, die der Landrath ihm zuweist, dasjenige unentgeldlich lehren, was er in Berlin jetzt erlerne. Wir versuchen nicht die Dankbarkeit und Freude/ zu beschreiben, von welcher M. erfüllt und bei Erzählung dieser Sache Aeußerung that. In Berlin angekommen, wurde er angewiesen, während seines dast'gen Aufenthalts die Zeichnenstunden des Gewerbe-Instituts zu frequentiren, und was die besprochene Maschine anlangt, so war eine solche jetzt weder im Institute noch in ganz Berlin vorhanden. Daher wurde ungesäumt nach vorräthigem Modelle, auf beträchtliche Kosten des Instituts und unter der Leitung mehrerer Sachverständigen eine solche eigens für M. gebaut, und das Arbeitsmaterial dazu angeschafft. Unter Aufsicht eines andern Meisters, bei dem dieser großartige sehr complicicte Wcbestuhl aufgestellt war, begann M. jetzt zu arbeiten, theilS sich auf dieser Maschine einzuübcn, theils auch den Beweis zu liefern, daß er damit umzugehen wisse. So lebte dieser Handwerker über 6 Monate in Berlin , wo das Institut Tausende für ihn und zur Verpflanzung dieser Arbeit nach Preußen, verausgabte. Noch war das angelegte Gewebe nicht ganz vollendet, als man ihn für fähig erachtete, zu Hause ohne weitere Aufsicht seine Arbeit weiter fortsetzen zu können. Auf Anordnung des Instituts wurde nun der für ihn gebaute Webestuhl auseinandergcschlagen, in verschiedene Kisten eingepackt und sammt dem unvollendeten Gewebe und dem noch dazu gehörige« Material kostenfrei nach Heilsberg, seiner Heimarh, gesandt. Bald darauf reiste auch M. ab, und wir wünschen ihm Glück. Wenn wir hierbei zuvörderst des edelgesinnten Herrn Landrath von Buddenbrock dankbarst erwähnen, so müssen wir zugleich die Hochherzigkeit Eines Königl. hochlöbl. Gewerbe-Instituts zu Berlin mit ehrfurchtsvollem Danke gedenken, wo im gegenwärtigen Falle der hochgeehrte Geheime Rath Beuth und der Gewerbe-Kommissionsrath May wieder Beweise an den Tag legten, daß zur Beförderung einer guten Sache die Person einer jeden Konfession auf Dero kräftige Unterstützung rechnen darf. Ob die neue Maschine in Preußen Nachahmung findet, der Leinweberei einen besonder» Schwung giebt, wie dies in Schlesien der Fall ist, müssen wir abwarten. Wenigstens ist dem Einzelnen, kräftiger Beistand Seitens des Staats geworden, und der Herr S. Md. trägt doppelte Verpflichtung, alle seine Kräfte auf das Gelingen zu verwenden, und nie von der betretenen Bahn abzuweichen. Bei dieser Gelegenheit können wir die Bemerkung nicht unterdrücken, wie es erfreulich erscheint, die Juden unsers Preußischen Vaterlands in den letzten beiden Decennien sich recht häufig dem Handwerksstande widmen zu sehen. Es kann daher nicht befremden, fast unter allen Gewerken jüdische Meister zu finden, die mit Fleiße ihrem Melier obliegen; und so wie unsre Glaubensgenossen in Wissenschaft und Kunst verhältnißmäßig unfern andersgläubigen Mitbrüdern nicht nachstehen, so sucht der Handwerker durch neue Vervollkommnungen und Erfindungen in seinem Fache sich hervorzuthun und sich des bei uns nicht mehr auffallenden Rechts, in Zunft-Korporationen ausgenommen zu sein, würdig zu zeigen. Mehrere solche Erfindungen sind zur Ocffentlichkeit gelangt, ande^ haben Allerhöchste und hohe Anerkennung gefunden. Die jüngsten Fälle dieser Art, deren ich mich erinnere, sind, daß der Schlossermeister Arnheim in Berlin wegen Erfindung einer eigens konstruirten eisernen Bettstelle das Prädikat eines „Königl. Hofschlossermeisters" und der Klempnermeistcr (Blechschmidt) Bernstein in Berlin ein Patent auf eine besonders konstruirle Lampe erhalten hsllu)'-- Zx erfreulicher sich aber die stets merklichere Emanzipation der jüdischen Handwerker und Künstler herausstellt, desto schmerzlicher empfindet der Literat (Arzt, Jurist rc.) seine gleich dem Mittelalter noch statthabende Zurücksetzung als Jude, und er tröstet sich nur mit der Hoffnung, daß ein weiser König den alten in unsrer erleuchteten Zeit noch weniger geziemenden Druck der Intoleranz abwenden werde. Ist dies doch schon mit dem Kaufmanns- und dem Handwerksstande geschehen. Werfen wir einen Blick auf die Weberei insbesondere, so finden, wir nicht nur, wie schon in den frühesten Zeiten Juden sich vorzüglich damit beschäftigten und auch noch heute in Asien und Afrika eine große Anzahl unsrer Glaubensgenossen dieser Beschäftigung obliegen, sondern auch in Europa zu allen Zeiten hier und da von verschiedenen Stuhlarbeitcn sich nährten. So giebt es namentlich in Rußland viele jüdische Weber, wie z. B. im Gouvernement Minsk, wo unter den vielen jüdischen Handwerkern aller Art, namentlich in der Stadt Slucz und ihrer Umgegend besonders viele Juden nur von Weberei leben. — Nicht minder befinden sich schon seit lange, auch kn unserm Preußischen Vaterlande jüdische

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.