Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1841)
- Date
- 1841-08-21
- Page
- Seite 490 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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490 Darauf erhielt Moses unterm 26. Oktober das I Privilegium. Die Chargenkasse verlangte von ihm verordnungsmäßig tausend Reichsthaler Gebühren. Diese erließ ihm der König auch im folgenden Jahre 1764. Im Jahre 1779 supplicirte Moses, aus Liebe für seine Kinder beim Könige unmittelbar: „Sein Privilegium auf seine Nachkommen beider- „lei Geschlechts auszudehnen, nach Inhalt der „General - Schutz - Privilegien." Dieß schlug ihm der König ab. Aber König Friedrich Wilhelm II. ertheilte es, auf Ansuchen der Wittwe des Philosophen, im Jahre 1787. Correfpondenzeu. Berlin, im Juli. Jüdische Handwerker. Der folgende Bericht wird einerseits wieder eine mit Dank anzuerkennende Würdigung des Verdienstes eines Juden Seitens unsrer Behörden besprechen; andrerseits die Anzahl derjenigen unserer Glaubensgenossen, weiHe sich im Handwerksstande rühmlich hervorlhun, abermals im Wachsen zeigen. Sirach Mendelssohn, 38 Jahr alt, geboren zu Neuenburg (R. B. Marienwerder), genoß eine nur mangelhafte Erziehung im elterlichen Hause. Sein Unterricht bestand nur in Religion, hebräisch und einigem Deutsch. Im vierzehnten Jahre wählte er das Leinweberhandwerk. Der jüdische Leineweber Schmalinzky, in dem nicht fernen Städtchen Mewe, welcher mehrere Gesellen und Lehrburschen beschäftigte, nahm ihn in die Lehre. Nach vollendetem dritten Lehrjahre und erhaltenem Gesellenbrief ging er auf die sogenanttte Wanderschaft, kehrte nach 3^ Jahr in seinen Geburtsort zurück und etablirle sich daselbst als Meister. Durch Fleiß brachte er es bald dahin vier Webestühle im Gange zu halten. Nach zwei Jahre» aber verzehrte eine in der Nachbarschaft ausgebrochene Feuersbrunst seine gänzliche Habe, die Webestühle mit eingerechnet. Wegen besonderer Bekanntschaft kn Heilsburg (R. 83. Königsb) und einiger Unterstützung zur Anschaffung neuer Webestühle, veränderte er seine» Wohnort, und ließ sich in ebengenannter Stadt nieder. Auch hier fand er bald so viel Arbeit, um stets mehrere Gesellen und Lehrlinge zu beschäftigen. Bemerkenswerth ist noch, daß die meisten seiner Gesellen und Lehrlinge stets Juden waren, obgleich er auch mehrere Christen ausgelernt hat, wovon zwei sogar gegenwärtig in Heilsberg als Meister etablirt sind. Bei seinem betriebsamen Fleiß sich und sein Metier mehr und mehr zu vervollkommnen wurde es ihm nach vielen Versuchen möglich, auf einem gewöhnlichen Webestuhle eine Arbeit anzufertigcn (nämlich leinenen Damast), wozu man sonst eine der größten und complicirtesten Maschinen bedarf. Er vollendete dieselbe, ohne jemals eine solche Maschine gesehen zu haben. Da seines Wissens, in der dortigen Gegend eine solche Arbeit niemals angefertigt war, so bemächtigte sich seiner der Wunsch, diese in Großem zu liefern und zwar mittelst einer größer» Maschine, von der er schon öfter sprechen gehört. Ohne Mittel ein solches Vorhaben auszusühren, so erzählt Mendelssohn, gab ihm die bekannte Menschenfreundlichkeit des dortigen Landraths, Herrn von Buddenbrock, den Muth, sich an denselben zu wenden. M. wagte dies in seiner einfachen Weise um so mehr, als er zugleich der Ansicht war, durch sein Unternehmen und Nachahmung desselben der dortigen Provinz einen neuen Nahrungszweig zu verschaffen; und zwar in der Weise, daß der häufig gebaute Flachs, welcher entweder nur grob verarbeitet oder ausgeführt wird, in der Heimath zu einem Fabrikat verwendet werde, welches in Preis, Güte und Feinheit vielleicht allen ähnlichen des In - und Auslandes gleich zu stellen, wenn nicht vorzuziehen wäre. Der edle und tolerante Herr v. Buddenbrock gab der Sache Gehör und zog sie in Ueberlegung, als ihm bald darauf M. eine neue noch bessere Probe seiner Arbeit vorlegte, die für so kunstvoller gehalten werden mußte, als solche auf einem sehr mangelhafte» Werke ausgeführt worden. Herr v. B. versprach nun, sich für M. beim Ministerium in Berlin zu verwenden. Schon nach kurzer Zeit erhielt Mendelssohn von Hrn. v. Buddenbrock eine Verfügung, nach welcher ihm zur weitern Ausbildung in dem Berliner Gewerbe Institute, nicht nur die Kosten zur Hin - und Herreise, sondern auch 1 Thlr. Diäten während der Reise und seines Aufenthaltes in Berlin, vom wirklichen Geheimen Ober-Regierungsrath Beuth bewilligt waren, deren Auszahlung in Berlin zu erwarten sei. In dem Schreiben war