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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-14 · Heft 33 (14.8.1841) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 33 (14.8.1841)
Date
1841-08-14
Page
Seite 475 (sequence 11)
Language
German
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475 ren sollte. Die Hausekgenthümer glauben 'fest daran, und sind daher beim Ausbruch einer Feuersbrunst sehr gleichgültig. Vor der Wahl des R. Abraham Kaschau ging der erstere eines Abends in das Bet hamidrasch, um seine Studien fortzusetzen. Im Vorbeigehen hörte er in einem Keller, aus dem ein düsteres Licht schien, eine ihm schwierige Stelle im Talmud recht gut erklären. Er näherte sich, und als er bemerkte, daß bei seiner Ankunft das Licht sich verlor, beschwor er den Bewohner des Hauses, ihm sein Geheimniß zu entdecken. Dieser zündete das Licht wieder an, sagte, daß er sich R. Abraham Kaschau nenne, und unter der Bedingung der Verschwiegenheit erzählte er, daß er so eben mit dem Propheten Elias eine Disputation gehalten. Als nun R. Schachno seinen Geist aufgab, befahl er den R. Kaschau zu seinem Stellvertreter zu machen. Dieser nahm aber das Amt nur unter der Bedingung an, daß er keinen Gehalt anzunehmen brauche, sondern seine Frau, eine Speisehändlerin, ihr Gewerbr fortfetzen könne. Der Rabbineb litt hierbei keinen Mangel, da alle Frauen zu der Bude der Rabbineri'n strömten. Ein großer Mann — ich kann mich seines Namens nicht mehr entsinnen — der in seiner Gegend starke Wunder verrichtete, vernahm den Ruf des genannten Rabbinen. Um sich von der Wahrheit zu überzeugen, schickte er zwei seiner gelehrten Schüler zu ihm. Diese kamen, unterhielten sich mit ihm, und fanden in ihm blos einen großen Talmudisten, nicht aber, wie gehofft, einen Wunderthäter. Sie beschloffen also, falls sie auch Sabbat nichts von ihm sehen würden, nächsten Sonntag heimzukehren. Es kam Freitag Abend: sie glaubten, daß sie den Rabbinen mit begleitenden Engeln von der Synagoge nach Hause kommen sehen würden^), aber keine Spur von Engeln. Es kam der Sabbat, sie meinten, daß er von der Heiligkeit des Tages begeistert, etwas Außerordentliches thun werde. Kein Gedanke. Der Tag verging, die Dämmerung legte sich auf die Erde, ihre Erwartung war aufs Höchste gespannt, *) Talm. §ab. 118: R. Jose bar R. Juda sagte: zwei Engel begleiten Freitags einen Jeden von der Synagoge nach Hause, ein guter und ein böser. Finden sie zu Hause angezündete Lichter und gedeckte Tafeln u. s. w. spricht der gute: ich wünsche dir, daß ich kommende Woche gleichfalls so treffen soll, und der böse muß wider Willen mit einem: „Amen" zustimmen. Wenn aber nicht, so führt der böse das Wort, ertheilt einen ähnlichen Wunsch, was der gute wider Willen mit seinem Amen bestätigen muß. Corresp. es war die höchste Zeit der Wunderthaten. Aber sie sahen sich abermals getäuscht. Die Ueberbleibsel des Sabbat-Schmauses wurden abgetragen, und der Rabbi Kaschau verrichtete sein Gebet, segnete den Herrn für das Licht, und für die guten Gerüche, und die beiden Abgeordneten wollten Abschied nehmen. Da sagte er zu ihnen: Kinder, wir wollen erst noch ein wenig zusammen Bibel lesen. Er begann: im Anfänge schuf Gott Himmel und Erde — und siehe, da ward in seinem Zimmer ein Himmel und eine Erde. Er fuhr fort: da sprach Gott, es werde Licht — und das klare ungetrübte Licht der Schöpfung verbreitete sich durch den Raum. Dann sproß die Erde Pflanzen hervor, und trug schnell gereifte Früchte, die beiden - großen Leuchten, Sonne und Mond, standen am Himmel. Als er aber zum Satze kam: Die Erde bringe lebendiges Wesen hervor — und es allenthalben zu wimmeln ansing,- die Löwen brüllten, die Wölfe heulten, und die Ungeheuer ihre Rachen öffneten, um Alles zu verschlingen — da schrien jene Abgeordneten: genug, genug, wir zweifeln nicht mehr an deiner Größe. Er aber endigte: es ruhiten die Himmel und die Erde und all' ihre' Heere — da ruheten sie und verloren sich allmählig in die Luft. — Solcher Legenden und Fabeln erzählen sie sich unzählige, und wer an der Wahrheit derselben zweifelte, würde ihnen »och verwerflicher erscheinen als ein Gottesläugner. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1J Ngr. (1 Gr. cour.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Nachricht. Den Herren Subscribenten, des bei M. I. Landau in Prag erscheinenden Talmud in Kr. 8., daß der 13te und 14te Band desselben, enthaltend: Uenaobotii und Chagiga mit Moed Katan so eben an dieselben versendet wurde. Megine Erez Fortsetzung Vom Schulchan Aruch, wurde das 10—löte Heft ausgegeben, und Schluß folgt in Kurzem. Leipzig, ixn Juli 1841. C. L. Fritzsche.

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