Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-08-07 · Heft 32 (7.8.1841) · p. Seite 450

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 32 (7.8.1841)
Date
1841-08-07
Page
Seite 450 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225206--03712-3313265
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

450 ein sinnreicher Spruch (transparant) welcher jeden Abend, so wie die ganze Stadt, so lange Se. Majestät hier verweilten, beleuchtet war. 24 Mädchen, weiß gekleidet mit National-Scherpen umhangen, und Blumenkränzen in den Haaren, bildeten vom Eingangsthor bis an das Portal der Synagoge ein Spalier. Um 3 Uhr erschienen Se. Majestät mit Begleitung der höchsten Civil- und Militärbehörden an dem äußersten Thor der Synagoge; die Vorsteher und die Schulkommission traten H. D. entgegen, und die Mädchen streuten Blumen, eines derselben aber, Rosalea Lcvy, trat mit vielem Anstande vor, hielt eine Anrede an den König und bot H. D. einen Lorbeerkranz an; Se. Majestät gerührten sowol die Rede mit Aufmerksamkeit anzuhören als den Kranz anzunehmen; dem Kinde dankend traten H. D. in die Synagoge. Der König,chen Israel. Gebrauch in der Synagoge kennend, setzte seinen Hut auf und sagte: „Meine Herren bedecken Sie sich." Nun wurde der 21ste Psalm und das Gebet für den König gesungen. Nachdem Se. Majestät das ganze Gebäude besichtigt und dessen schöne Bauart bewundert hatten, statteten H. D. ihren Dank für die angeordneten Festlichkeiten huldreichst ab und begaben Sich darauf mit den Morten „Auf Wiedersehen Meine Herren!" hinweg, und allgemeiner Jubelruf tönte dem vielgeliebten Könige nach. X. Frankreich. Paris, I. Juli. (Privatmitth.) Unter den Israeliten von Paris herrscht eine große Aufregung, deren Ende noch nicht gekommen. Sonderbar, nicht Synagoge, nicht Schule vermochte das Interesse dieser Leute auf eine nachhaltige Weise in Anregung zu bringen, sondern die Todten, die Ruhe der Tobten brachte erst Leben in sie, diese vermochte sie aus ihrer Ruhe herauszuscheuchen. Statt aller. weitern Schilderung wollen wir hier nach einem gut geschriebenen Referat in den Aich. israel. die Sache historisch besprechen. Im Jahre 1790 zählte man zu Paris nur 70 jüdische Familien, und diese kleine Gemeinde hatte einen kleinen Gottesacker in der Gemeinde Montrouge. Die Revolution erklärte die Gottesäcker für Eigenthum der Gemeinden, nicht der Religionsgenossenschasten. Nach dem Dekrete des Kaisers aber überwies die Stadt Paris für die Gräber der Israeliten einen Theil des Kirchhofs Pore- Lachaise, und wurde dies so ausgeführt, daß in den dessallsigen Bestimmungen nirgends die Rede ist von einem Recht, den Boden der Gräber wieder zurücknehmen zu können. Im Jahre 1820 wurde der jüdische Kirchhof auf Pvre-Lachaise ungenügend, und auf Ansuchen des Konsistoriums ließ die städtische Behörde ein großes Stück Land, welches den Kirchhof Montmartre begränzt, mit Mauern umgeben, und überwies es für die jüdischen Gräber. Auch hierbei machte die Behörde nicht die geringste Bemerkung, den abgetretenen Boden wieder zurückfordern zu können. Seit 20 Jahren theilen sich nun die beiden Gottesäcker in die sterblichen Reste der Pariser Israeliten, jedoch so, daß der östliche nur den Särgen der Reichen sich öffnet, die für das Grab 543 Fr. (144^ Thlr.) bezahlen müssen, während der Leichenwagen für die Aermcren sich nach dem nördlichen wendet. Aber auch auf dem letztem Gottesacker findet ein Unterschied statt, denn derselbe, von der Gestalt 'eines länglichen Vierecks, theilt sich in zwei fast gleiche Theile, von denen der eine aufwärtssteigt, der andre sich niedersenkt, so daß mehr als fünf Metres zwischen beiden liegen. Der obere Theil ist für zeitliche oder ewige Koncessionen, der niedere ist der gemeinsame Platz. Der letztere füllte sich mit großer Schnelligkeit, und das Konsistorium sah sich genöthigt, bei der Munizipalbehörde die Erlaubniß nachzusuchen, auf diesem niedern Theil des Gottesackers Montmartre eine Erdfüllung von einem Metre Dicke aufzuführen, um von neuem eine Lage Gräber für die arme jüdische Bevölkerung von Paris daselbst zu machen. Dabei kam denn die gräßliche Unordnung zur Sprache, die auf dem Gottesacker herrscht. Man hat Frauen und Kindern gestattet, sich neben den ihrigen Platze zu reserviren. Will man zu einem Grabe gelangen, muß man über ein andres klettern, das quer davor liegt. Keine Ordnung, keine Kontrolle, so daß viele Gräber anonym geworden, vielen fehlt ein Grabstein, an vielen hat die Zeit das hölzerne Bretchen verzehrt, anderen haben die Füße der Besucher den Erdhügel niedergetreten, zu anderen kann man wegen einer Sumpflake sechs Monate im Jahre gar nicht gelangen, auf anderen wucherte das Gesträuch, daß sie ganz ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.