Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1841)
- Date
- 1841-07-31
- Page
- Seite 447 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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447 Hier wird für die Frömmigkeit gesorgt, hier für die Erhaltung der talmudischen Lehre geeifert, hier zum Fanatismus angespornt, denn alle Vereine finden hier statt, alle Gesellschaften wachen hier die Nächte hindurch. Würde sich hier Jemand irgend lau zeigen, so wäre er allgemeinen Tadkls sicher, und brachte er gar an einem Sabbat ein Pentateuch mit Mendelssohn's Uebersetzung mit, so würde er als Epikores gestempelt, allerseits gemieden, und er kann sich wie in einer Verbannung achten. — v (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen 1J Ngr. (1 Gr. cour.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Preisaufgabe des Cultur-Vereins in Berlin. Der jüngst in Berlin gestiftete Cultur-Verein zur Förderung wissenschaftlicher und künstlerischer Bestrebungen unter den Juden ist, indem er dm §. 2. No. 4 seiner Statuten, Prersaufgaben zu stellen, welche eine besondre Beziehung auf Juden haben, hiermit zum ersten Male in Ausführung bringt, von der Ansicht geleitet worden, daß er eine Frage vorzulegen habe, deren würdige Beantwortung für Wissenschaft und Leben gleich ersprießlich sei. Als Gegenstand einer solchen Frage, bedeutsam in den "Beziehungen zu dem religiösen und zu dem bürgerlichen Leben der Juden, daher reich an Teilnahme und vielbesprochen, und dennoch einer wissenschaftlichen Aufmerksamkeit noch sehr bedürftig, erscheint uns das Rabbinenthum, oder: Bedeutung, Stellung und Wirksamkeit der jüdischen Rabbinen. Als geistliche Führer der Gemeinden bilden sie ein bedeutendes Moment in den Bewegungen, die im Schooße derselben, und auf dem Gebiet der theo> logischen Literatur sich kundgeben; ihre Befugnisse beschäftigen die Behörde, ihre Wirksamkeit das Interesse der Gemeinde. Und doch ist nichts so schwankend als die Meinung über Bedeutung und Wirkungskreis der Rabbinen, als die Ansicht von den gegenwärtig an dieselben zu machenden Anforderungen. Ist demnach eine klare Einsicht in das Wesen des Rabbinenthums in unsrer Zeit höchst wichtig, so kann solche nur wissenschaftlich und zwar auf geschichtlichem Wege erlangt werden; erst, wenn wir erfahren, woher diese Institution stammt, und wie sich entwickelt^hat, was sie den früheren Zeiten gewesen, in welchem Verhältnisse sie zu den Bedürfnissen und der Verfassung der Gemeinde gestanden, erst dann erhalten wir das Verstandniß von dem, was heute geschieht, und erkennen das Recht und das Rechte für unsre eigene Zeit. Demzufolge macht der Cultur-Verein die historische Erörterung des Rabbinenthums zum Gegenstände dieser seiner Pceisaufgabe, und fordert zur Beantwortung der Frage auf: was war, was ist, und was soll der Rabbine fein? Es wird eine aus Quellenstudium hervorgegangene, die Quellen nachweisende, wissenschaftliche Darstellung verlangt., die Aufschluß giebt über Ursprung und Fortgang der Rabbinen-Jnstitution; über die religiöse Bedeutung der Rabbinen und deren Stellung zu Gemeinde und Vorstand; über ihre Amtstätigkeit als Communalbeamte, Richter, Geistliche, Lehrer und Prediger; ihre Vorbildung, Qualifikation, Erwählung, Anstellung, Einkünfte und Gerechtsame; endlich ihre Wirksamkeit und ihren Einfluß im Allgemeinen. In der geschichtlichen Betrachtung sollen die verschiedenen Zeiträume, und wo der Gegenstand es erheischt, auch die verschiedenen Lander berücksichtigt werden. Bei der neueren Zeit wird die Erörterung folgender Punkte erwartet: 1) Beruf und Stellung des jüdischen Theologen nach allen Richtungen seiner Wirksamkeit, auch in seiner Eigenschaft als Mitglied eines Collegiums (Rabbinat, Consistorium, Synode); 2) die vorhandenen oder die erforderlichen Anstalten zur Bildung dieser Theologen; 3) Gesetze und Verfügungen in Bezug - auf deren Anstellung, Amtsverhaltniß und Autorität; 4) die Fordrungen der Gegenwart, der Meinungskampf und etwanige Vorschläge als Ergebniß der Untersuchung. Die beste Lösung dieser hier gestellten Aufgabe, d. i. die gekrönte Arbeit, erhalt von dem Vorstande des Cultur-Vereins einen Preis von zwei hundert Thalerrr. Die Arbeiten werden dem Sekretär des Unterzeichneten Vorstandes eingeschickt, und müssen spätestens am 31. Dezember 1842 eingegangen sein, indem spatere Zusendungen unberücksichtigt bleiben. Die Handschrift muß in Deutscher Sprache und deutlich geschrieben, an der Spitze mit einem Motto versehen sein. Dasselbe Motto befindet sich auf dem versiegelten Umschläge eines Zettels, der Namen und Adresse des Verfassers enthält. Den 8 bis 10 der Statuten zufolge, veranlaßt der Vorstand, nachdem die konkurrirenden Arbeiten eingegangen, drei kompetente Männer, inner- oder außerhalb des Vereins, mit begründetem Urtheil die beste, sowie die nächstbeste zu bezeichnen und deren Preiswürdigkeit anzugeben. Nur diejenige Arbeit erhalt den Preis, welcher die Preisrichter mit Stimmenmehrheit ihn zuerkennen. Wird eine Arbeit, wenn auch nicht für preiswürdkg im Sinne der Aufgabe, doch für die beste erklärt, so kann nach Ermessen des Vorstandes derselben der Preis ganz, oder theit-