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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-07-10 · Heft 28 (10.7.1841) · p. Seite 401

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 28 (10.7.1841)
Date
1841-07-10
Page
Seite 401 (sequence 5)
Language
German
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401 Wiesbaden, II. Zum. Neben einer Verordnung des Kaisers Anastasius ist jetzt (!) auch ein in den Reichsgesetzen enthaltenes Verbot, daß ein Jude seine Forderungen gegen einen Christen bei Verlust derselben nicht an einen andern Christen abtreten dürfe, als den jetzigen Verhältnissen nicht mehr entsprechend, außer Anwendung gesetzt. Magdeburg, 23. Juni. Sobald eine Zeit an politischem und poetischem Stoffe Mangel hat, so wendet sie sich an — die Juden. Schlagt jetzt irgend ein Zeitungsblatt auf, es begegnet Euch Etwas darin über — Juden. In der Literatur greifen Dichter und Dichterlinge zu Stoffen aus dem Gebiete der Juden. So schlage ich heute eine Nummer der Blätter für literarische Unterhaltung auf: in der Bibliographie finde ich gleich drei Piecen der Art — ein Sittengemälde „der Fluch des Rabbi" von Breier, ein Trauerspiel „die Verfolgung der Juden durch Emicho" von Carl, eine Novelle „die Jüdin von Toledo" von Jerrmann. Welch' ein Eifer! Theologie. Ein Wort zur Zeit*). (Eingesandt.) Berlin, im Juni. Es ist weit leichter, allgemeine, als spezielle Zustände zu schildern, zu loben, zu tadeln und für diese Verbesserungen anzugeben. Das hat jeder erfahren der schreibt, jeder, der aufmerksam liest; man bedauert es daher, seit längerer Zeit in diesen Blättern von hieraus lokale Angelegenheiten immer an *) Der folgende Artikel, anregend, charakterifirend, offenmüthig und redlich, wird mit vielem Interesse gelesen werden. Nichtsdestoweniger machen wir gerade darum von unserm Redaktionsrechte insofern Gebrauch, als wir den eingesandten Artikel unverändert abdrucken lassen, hie und da aber mit einer Anmerkung begleiten, welches auch der Wunsch des Herrn Verfassers in seinem Begleitschreiben besonders war. D. Redakteur. die allgemeinen Zustände angeknüpft zu sehen, und darin den Mangel des praktischen Blickes für das Ersorderniß des Augenblickes zu entdecken. Freilich will es manchmal scheinen, als sei das Individuelle, das Lokale untergeordnet; wer aber das Leben kennt, weiß, daß so wenig wie die allgemeinen Gesundheitsregeln, die sich sonst trefflich bewähren, in einer Zeit angewandt sind, wo ein Glied leidet, sso wenig helfen allgemeine Betrachtungen in speziellen Nebeln. Hier gilt es, auf den wunden Fleck selbst zu gehen, zu zeigen, wo das Nebel haust, und gerade auf die besonders Merkmale desselben, die es von andern üüszeichnen, aufmerksam zu machen. Einen solchen Versuch möchte ich hiermit wagen, in der Hoffnung, daß gründlichere Publizisten mit mindestens gleich gutem Willen sich dadurch angeregt fühlen mögen, .auf gleichem oder ähnlichem Wege fortzufahren, um vor allem die faden Gemeinplätze der schnell resormirenden Literaten aus dem Gebiet unserer Religion zu bannen, die alles mit einem Schlage abmachen zu können glauben. Unsere Zustände hier sind, es läßt sich nicht leugnen, sehr im Argen. In der Provinz kann man es kaum glauben, wie sehr das Leben, das bürgerliche Leben jede religiöse Sitte aus dem Hause bannt, selbst jene unschuldigen Sitten, die nicht den mindesten Anstoß darbieten und keine, die Subsistenz gefährdende Opfer kosten. Ich will vom Sonnabend, dem Feiertage schweigen; wer nicht mit der Elle handelt, und selbst vielen Manufaktur-Kaufleuten, ist es unmöglich geworden, das Geschäft zu schließen, und dies sehen jetzt selbst die Frommen ein, die erwachsene Kinder haben; mit Schmerz drücken die Alten jetzt schon ein Auge zu und schweigen mit solchen Anklagen gegen eine Generation, die viel zu kämpfen hat, um die Bedürfnisse zu befriedigen, die das Leben jetzt an jeden Familienvater unerläßlich stellt. Dagegen muß selbst in frommen Häusern der christliche Feiertag des Gesindes, des Buchhalters wegen «. s. w. gehalten werden, und sei es auch nur, daß der Tisch etwas reichlicher gedeckt wird. Dies finden Sie hier in jeder Wirthschaft, in den frömmsten Familien. Aber selbst die unschuldigsten, mit keinen Opfern sverbundenen Sitten und Gebräuche schleichen unvermerkt aus den Häusern, und machen christlichen Gebräuchen Platz, deren Grund nicht im entferntesten so heilig und wichtig ist, wie der jener

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