Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1841)
- Date
- 1841-07-10
- Page
- Seite 398 (sequence 2)
- Language
- German
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398 siedelt befinden; der des Ministeriums des Innern dagegen alle die, welche in diesem Verhältnisse auf eigenen, oder von anderen Personen gepachteten Ländereien stehen. (H. u. Sp. Z.) Großbritannien. Ueber die Verwerfung der Iewsdeclarationbill im Oberhause bei der dritten Verlesung tragen wir Folgendes nach, damit man sich auch klar bewußt werde, welche Argumente man dagegen vorgebracht. Der Marquis von Bute beantragte am 11. Juni die dritte Lesung der Iewsdeclarationbill, d. h. der Bill, welche die Zulassung der Juden zu Gemeindeämtern, besonders der Aldermanstelle (Grafschafts-Sheriffs können die Israeliten werden) bezweckt. Der Bischof von Llandasf (Dr. Copleston, ein ausgezeichneter Zögling der alnm mater Oxford) widersetzte sich mit Nachdruck. „Mylords!" sprach er, „es ist Ihre Pflicht durch Verwerfung dieser Maßregel zu erklären, daß Ihnen die Religion nichts Gleichgültiges ist. Als die Testakte aufgehoben, als die römischen Katholiken emancipirt wurden, blieb. doch ausdrücklich bestimmt, daß protestantische Dissenter und römische Katholiken, wenn sie Civilamter übernehmen, einen Amtseid bei ihrem Christusglauben abzulegen und zu geloben haben, daß sie ihre Autorität nicht zum Schaden der Staatskirche gebrauchen wollen. Hat man dieß für nöthig erachtet bei .'Christen anderer Konfessionen, um wie viel vorsichtiger muß man sein, solche Zugeständnisse, wie die in dieser Bill enthaltenen, einer Menschenklasse einzuraumen, welche ihrem Glauben gemäß den Stifter unserer Religion für einen Lügner und Betrüger hält! (Hört!) Soll für England der Grundsatz geltend gemacht werden, daß Niemand seiner religiösen Meinungen wegen von Civilämtern auszuschließen sei, dann bringe man eine allgemeine Maßregel vor das Parlament, suche diesen Grundsatz aber nicht mit einzelnen Bills so zu sagen einzuschmuggeln. Ich spreche hier ohne irgend eine Animosität gegen die Juden. Ich fürchte nicht, daß die Zulassung achtbarer und angesehener Juden zu bürgerlichen Aemtern dem Staat wirkliche Gefahr bringen könnte, selbst wenn sie es darauf anlegen sollten; aber die Gefahr, die ich besorge, ist, daß England als christlicher Staat in der öffentlichen Achtung sinken und daß religiöser Jndifferentismus im englischen Volk um sich greifen könnte. (Hört!) Ich trage darauf an, daß die Bill lheute nach drei Monaten zum drittenmal gelesen (d. h. verworfen) werde." Lord Lyttleton äußert, er würde dieBill unterstützen, wenn er gewiß wäre, daß man dann keine weitern Konzessionen verlangen wollte. Graf v. Winchelsea sieht in der Bill die größte Gefahr für die religiösen Interessen des Landes. Wenn einmal die Juden Gemeindeämter bekleideten, könnte man ihnen auch den Eintritt ins Parlament nicht mehr vorenthalten; Juden im brittischen Reichsparlament aber würden ein Gräuel und ein Scheue! vor der Christenheit sein, den reinsten Edelstein im brittischen Nationalcharakter vernichten, Englands Würde als eines christgläubigen Landes besudeln. Ein flacher Jndifferentismus behaupte, die Religion sei bloß eine. Angelegenheit zwischen dem Geschöpf und seinem Schöpfer; dieser Satz sei aber ganz unhaltbar und im Widerspruch mit der Schrift, welche ausdrücklich die nähere Gemeinschaft mit dem Menschen verbiete, der nicht an den Erlöser glaubt. Graf v. Wicklow (ebenfalls Tory) unterstützte die Bill, jedoch mit Verwahrung gegen weitere Zugeständnisse. Er argumentirte, die vorliegende Maßregel wolle nur eine Anomalie beseitigen, da mehrere städtische Korporationen in England bereits das Recht hätten Juden zu wählen, und in dreien wirklich Juden gewählt seien, und da sie überall zu Sheriffs gewählt werden dürften, was selbst in Middlesex (der Grafschaft, in welcher London liegt) vorgekommen. Gefahr für das Christenthum sehe er hier nirgend. „Zudem, schloß er, haben 38 von den größten Städten des Landes für die Bill petitionirt, keine gegen dieselbe. (Ein Pair ruft: „O ja!") Ich wenigstens habe von keiner Petition dagegen gehört." Bischof von St. David's (vr. I. B. Jenkinson): „Ich erachte es für politisch klug, in so weit es möglich, eine reiche und durch Reichthum mächtige Menschenklasse mit Liebe an ihr Geburtsland zu fesseln, welchem die Juden ergeben sein können, wenn sie auch bis zu einem gewissen Grad immer Fremdlinge bleiben müssen. Zu einem Gemeindebeamten ist, meines Erachtens, nichts weiter erforderlich als Redlichkeit und Treue — Eigenschaften, die der Israelit so gut wie der Christ besitzen kann. Man vergesse nicht, daß die Juden, wenn nicht an das neue, doch an das alte Testament glauben. Nach meiner Ansicht