Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1841)
- Date
- 1841-06-19
- Page
- Seite 361 (sequence 9)
- Language
- German
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361 Aus den dichtbelaubten Zweigen, Sich die hohen Halme neigen, Und sich murmelnd drängt die helle Gcünumsäumte' blaue Welle. Felsen werden Rosenbeete Auf des alten Porphyrs Rothe, Und der Berge schlankes Strebe» Sprießt ein immer frisches Leben. Ewig lächelndes Grancda! Deine Kinder lächeln immer, Ob der Sterne Silberschimmer, Ob der Sonne Strahlenglühen Auf die Erde niederziehen; Ob die Kriegsdrommcte schallet. Ob der Ruf des Friedens hallet; Ob Dir düster glühend Fieber Rastlos mordend zieht vorüber: Hüpfend in des Tages Glanze, In des Lebens raschem Tanze, Lächelnd gleiten sie von hinnen, Ohne Sorgen, ohne Sinnen. Ewig lächelndes Graneda! Liebe athmet Dein Gefilde, Deine Kinder athmen Liebe, Und im süßesten der Triebe Flieht die Zeit so süß, so milde; Wie sie ewig sich gebierst. Kömmt sie jugendlich gezogen, Und auf ihren frischen Wogen Sie die Liebe tragt und führet. Und der Liebe Reiz umwebet Deine Kinder, Dein Gefilde, Daß der Grazie Lächeln schwebet Um die lieblichen Gebilde. (Fortsetzung folgt.) Pädagogik. Ueber die religiöse Erziehung i» Israel. I. Wenn irgendwo sich die Zerrissenheit, die, man sage dagegen, was man will, im neuern Zudenthum herrscht, den trüben Blicken des Freundes seiner Glaubensgenossen maniftstirt, so ist es im Gebiete der religiösen Erziehung. Denn freilich in dtzr Erziehung müssen sich Unmündigkeit des Geistes, Verworrenheit der Begriffe, Spaltungen und auseinandergehende Richtungen und Bestrebungen am ehesten und deutlichsten offenbaren. Tief in der menschlichen Natur ist die Liebe zum Kinde begründet. Was wünschen wir mehr, was ersehnen und erzielen wir mehr, als das Glück unserer Söhne und Töchter? Und eigenthümlich und den Menschen auszeichnend ist es, daß er nicht blos das physische Wohl seiner Lieben wünscht. Nein, es ist ihm so wohl, er fühlt sich so glücklich, wenn er den geistigen Fortschritt seines Kindes sieht, die Entwickelung seiner Anlagen, die Zunahme des Gedankenreichthums, wenn er fich an den frischen Blüthen des jugendlichen Seelenlebens laben kann. Darum wünscht der Mensch nicht allein, daß das Kind gut werde, sondern daß es besser werde, als er selbst (und das ist eben ächt menschliche Elternliebe), unsere Kinder sollen noch mehr lernen als wir, sie sollen moralisch besser und glücklicher, tugendhafter, gemüthlicher, religiöser werden als wir, sie sollen sich einst viel mehr als wir durch Kenntnisse und Wissenschaft, durch Berufsauszeichnung und praktische Thätigkeit Hervorthun, und so sieht der Gelehrte, der Geschäftsmann, der Bürger, der Krieger nur bei Einem größere Berühmtheit, Betriebsamkeit, Wohlfarth und Tapferkeit ohne Neid und Scheelsucht, ohne Beklemmung und Beschämung — nämlich bei seinem Sohne. — Wenn irgendwo sich aber dies ächte Humanitätsgefühl zeigte, so war es insbesondere in Israel, bei israelitischen Eltern, es war und ist dies eine rechte Glanzseite im israelitischen Charakter, und mit wahrer Wollust weilen die Gedanken bei diesem Momente des israelitischen Lebens. Der arme Jude, der nichts hatte als sein Marktbündel, womit er eine zahlreiche Familie ernähren sollte, gehetzt und verfolgt die Woche über, das Jahr lang von großem und kleinem Pöbel, geplagt von Polizeibeamten, Gensdarmen und Douaniers, er dachte in allem diesem Drangsal an — sein Kind zu Haus, wie der Sohn ihm am Sabbat die Sidra Pentateuch, das Blatt Talmud vortragew werde, wie die Mutter bei den scharfsinnigen Expectorationen des Knaben freund- 2L»