Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1841)
- Date
- 1841-05-29
- Page
- Seite 306 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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306 einigen andern Städten Palästinas übersandt wor-! den. Ein glänzendes Gastmahl wurde dem Kolonel! Churchill am 1. März im Hause des Signor Farki, | des Hauptbanquier's von Damaskusgegeben. Alle brittischen und österreichischen Offiziere vom Stabe des General Jochmus waren cingeladen. Die tapfern Gäste wurden bei ihrem Eintritt in den großen Hof durch den Signor Farki und eine Deputation der vorzüglichen hier j wohnenden jüdischen Kauflcute empfangen, und soi fort in das bei dieser Veranlassung eröffnete Staatszimmer geführt. Der große Hof nimmt einen Raum von 50 Pards im Quadrat ein, durch und durch mit breiten Marmorsteinen gepflastert, und in dem Centrum von einem prächtigen Wasserbehälter mit einem Springquell geziert; mehre Orangebäume mit Früchten beladen, von ohngefähr 40 Fuß Höhe, zieren verschiedene andere Theile dieses schönen Hofes. Beim Eintritt in den großen Empfangssaal wird das Auge vollständig geblendet von dem Reichthum der Ornamente, welche die Wände und die Decke bekleiden; diese letztere ist gänzlich mit einer großen Mannigfaltigkeit gemalter Arabesken, in reicher Vergoldung , mit Zeichnungen in verschiedenen Farben bedeckt, und 25 Fuß über dem Boden. Sieben ungeheure Glaskronleuchtcr hängen regelmäßig vertheilt, im Zimmer. Ein Marmor-Bassin, 8 Fuß im Quadrat, nimmt einen Platz nahe bei dem Eingänge ein, in welchem das klarste Wasser ununterbrochen in sechs Strahlen aufsteigt. Nach einem Zwischen, raum von 4 Fuß ist der Estricht an drei Seiten des Saals s Pard erhöhet, um Divan zu bilden, welche in drei Richtungen 40 Fuß lang laufen, belegt mit seidenen - und Sammtkissen, und bedeckt mit den reichsten persischen Teppichen. Nachdem die Gesellschaft zu den Divans geführt worden, und die Juden sich selbst rings herum gereiht hatten, wurden Pfeifen, Kaffee und Scherbe herumgereicht- Um l 1 Uhr wurde das Mahl angekündigt, und die Gesellschaft begab sich nach einem breiten und luftigen Korridor, wo eine lange Tafel ganz auf europäische Weise mit 70 Kouverten servirt war. Das Gastmahl bestand auS den delikatesten Speisen, welche Natur und Kunst herbeischaffen konnten, die Zwischengerichte und das Desert waren außerordentlich ausgesucht, und reizten die Sinne durch ihren Reichthum und Mannigfaltigkeit. Am Schluffe des Mahles wurden Toaste auf das Wohl der Königin Viktoria, des Kaisers von Oesterreich, der alliirten Mächte, und des Sir Moses Montefiore ausgcbracht und mit Enthusiasmus beantwortet. Um 7 Uhr wurde das Staatszimmer erleuchtet, und der Glanz der Kronleuchter strahlte mächtig entgegen. Wenige Minuten, nachdem die Gäste ihre Sitze auf dem großen Divan wieder eingenommen» brach der große Hof wie durch magische Gewalt, in Lichtglanz auf, die Korridore an der Seite boten die herrlichste Illumination dar, indem jeder Orangebaum in Festons mit den verschiedensten Lampen behängen war, welche tauscndfarbige Lichter zurückstrahlten. Der Nachthimmel darüber war mit Sternen besäet, die Wasser der großen Fontaine sprangen aus verschiedenen, bis dahin verschlossenen Oeffnungen, eine Musikbande ließ die. Luft von orientalischen Melodien in reichen Tönen erklingen, und zuletzt trug die Gegenwart der Damen der Gemeinde zu der Schönheit und dem Glanze der unvergleichlichen Szene das ihrige bei. Die Lieblichkeit einiger der jungen Jüdinnen war sehr einnehmend und die graziöse Manier, in welcher sie die Aufmerksamkeit der galanten Fremdlinge aufnahmen, hinterließ einen Eindruck, der nicht erlöschen wird. ' Als der Abend zum Ende sich neigte, kehrte Kolonel Churchill zum Staatszimmer zurück, und sprach ein Lebewohl an die versammelten Gäste aus. Unter diesen waren auch die 14 Juden gegenwärtig, welche so schrecklich bei der letzten Verfolgung geduldet hatten, und die meisten von ihnen litten noch sehr an den Wirkungen ihrer barbarischen Behandlung. Der Kolonel sprach französisch, und wurde sehr geschickt vom Signor Pistochi, dem Sohne des österr. Konsul's zu Kairo, unterstützt, der den Dolmetscher machte. Nachdem er die außerordentliche Befriedigung, die er bei der glanzenden Gastfreundschaft des Kreises um ihn empfunden, und das eigenthümliche Gefühl des Glückes, indem er in eine so neue und interessante Situation gestellt sei, ausgedrückt hatte, sprach er in der belobendsten Weise von dem exemplarischen und patriotischen Betragen des Sir Moses Montefiore, der mit so großem Erfolge dahin gelangt sei, den Hebräern der Levante und Syrien's die volle Anerkennung von der Hohen Pforte in ihren politischen Rechten und Privilegien zu verschaff