Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1841)
- Date
- 1841-05-15
- Page
- Seite 274 (sequence 2)
- Language
- German
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274 ächtem Gemeinsinn durchdrungen sind, um das Gute, woher es auch komme, mit Dank anzunehmen und zu fördern. Im Gegentheil halten sie die wahrhaft selbstständigen Mitglieder gern aus ihrer Nähe fern, von denen sie eine Dienstbarkeit ihrer egoistischen Meinungen nicht zu erwarten haben. In neuester Zeit ist zwar ein reicher junger Gelehrter gewissermaßen auf hereditärem Wege zur Hauptverwaltung mitgelangt, und dem auch Kenntniß, Einsicht und guter Wille nicht abzusprechen ist, allein eine Schwalbe macht keinen Sommer, und auch ihm ist weit mehr Energie zu wünschen, um thatkräftig einzugreisen, und wenn er hier gut als ein Melanchton gelten könnte, fehlen ihm noch die Luther zur Seite. — Von dem hier kürzlich ins Leben getretenen Kultur-Verein zur Förderung der literarisch-artistisch fortschreitenden Entwickelung der jüngern Kräfte unter uns, wird vielleicht durch seine Preisfragen die öffentliche Aufmerksamkeit auf einige jüdische Talente lenken, aber ganz gewiß damit auch nur Opfer dem Heilande zuführen, wie dies schon vor 16—17 Jahren mit demähnlichen vom sel. Prof. Gans gestifteten Verein der Fall war, welcher bekanntlich, nachdem er und die Mitglieder dieses Vereins den Erd geleistet, dem Zudenthum für immer treu zu bleiben, doch bald hinterher dem Christenthume sich zugewendet hatte. Doch genug solcher Andeutungen, die schon theilwerse von Andern vor mir in diesen und in andern Blättern spezieller erörtert sind. Akkusationspunkte liegen chier nicht in meinem Plane, ohnehin müßten zu einer ausführlichen Begründung derftlbeü viele eben nicht erfreuliche Personalverhältnisse berührt werden, für die ich weder Zeit noch Lust habe, obschon sie so eindringlicher gemacht, ihren Zweck vielleicht nicht verfehlten, wenn sie auch von den Getroffenen als Verläumdungen ausgegeben werden möchten. Ich berühre dieses Bild des Standes und der Gesittung unseres Gemeindelebens nur, um mich hier gleichfalls auf die Seite derer zu stellen, welche das hiesige jüdische Gemeindewesen in mannigfacher Beziehung neu gestaltet, das Krankenhaus völlig organisirt uud von seinem kenntniß- und einsichtslosen Vorstände befreit, der den guten Willen der dirigirenden Aerzte. nicht zu würdigen versteht, und in den so höchst vernachlässigten Schul- und Religionsunterricht , einen frischen thatkrästigen Geist gebracht wünschen. Die hiesige Judenschaft in ihrem gegenwärtigen Zustande kann unmöglich als Repräsentantin unserer aller Glaubensgenossen Preußens gelten, und man darf nur oberflächlich auf den Inhalt der letzten Jahrgänge dieser Zeitung zurückblikken, um sich zu überzeugen, daß eine nicht geringe Zahl kleinerer, weit weniger bemittelter Sekundär- Gemeinden im Eifer für die geistige Selbst-Emanzipation der hiesigen weit vorsteht. Weil es nun aber in unserem Vaterlande noch Gottlob Männer von der wärmsten Theilnahme für die Verhältnisse Israels der Gegenwart giebt, denen die religiöse Zerfallenheit ihrer Glaubensbrüder tief zu Herzen geht, und weil aber die Restauration des ganzen äußern Glaubensgebäudes in der Art und Weise, wie es erforderlich ist, nicht Sache Einzelner, oder auch nur einzelner Gemeinden sein kann, wünsche ich die Bildung eines durch das ganze Vaterland sich erstrekkenden Vereins für eine lebendige und zeitgemäße Gestaltung des Kultus, der uns weit nothwendiger als eine Gesellschaft für Kultur ist. Erscheint die jüdische Theologie, deren wissenschaftliche Propädeutik doch schon mit Mendelssohn begonnen, nicht anders noch zu jung, ist die Anzahl der wissenschaftlichen Kultoren derselben nicht als zu gering — und ich möchte dies bezweifeln — so kann und muß das Zusammentreiben einer Synode, deren Mitglieder (Theologen ex professo und aufgeklärte unterrichtete Laien) sich die Stimmenmehrheit der Glaubensgenossen in denjenigen Städten und Kreisen, von denen sie gewählt werden, vorausgesichert haben, und die somit jeden elenden Oppositionsversuch Seitens der im Separatismus Verharrenden, gleichviel durch welche Mittel, im Entstehen zu erdrücken vermögen, für unsere religiöse Zeitfrage vom höchsten Nutzen sein. Mir liegt vorläufig an der geistigen und religiösen Selbst-Emanzipation daS Meiste; ist diese wahrhaft vorgeschritten, wird sie schon unsere vom Staate erstrebte politische um ft leichter nach sich ziehen. Nur eine solche allgemein preußische Kultus-Association (eine lokale, wie sie in Hamburg begründet sein soll, würde uns nichts 'fruchten,) kann die zu ergreifenden Mittel berathen, wählen und vorschreiben, mittelst welcher die Kluft zwischen unseren orthodoxen und heterodoxen Glaubensgenossen in der Entwickelung der Zeit ausgeglichen werde. Haben ja einzelne Rabbinen vor