Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1841)
- Date
- 1841-04-17
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
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ZT5- Mittel legt, um den Christen in Syrien freie Religiynsübung und den vollen Genuß aller Privilegien, welche sie jetzt besitzen, zu sichern, so wird sie dieser Bevölkerung eine große Wohlthat erzeigen. Es ist dabei weder die Absicht, noch der Wunsch, der Pforte, deren Unterthänigkeit zu entziehen, sondern nur ihnen Schutz unter den Auspizien der Brittischen Regierung zu sichern. Ich hoffe auch, daß man die Interessen der unterdrückten Juden im Orient nicht vergessen, sondern ihnen ebenfalls freie Ausübung ihrer Religion sichern wird, worauf sie gerechten Anspruch haben." Lord Melbourne versicherte, daß die Regierung diese Sache nicht unbeachtet gelassen habe. AbyffLnien. Ueber dieses, so vielfach unbekannte Land würde in den meisten Bezügen durch die zwei Bände umfassende Reisebeschreibung des Dr. Eduard Rüppell (1838 und 1840. Frankfurt am Main) neues Licht verbreitet. Wir erlauben uns, obschon derselbe über die abyffinischen Juden gar nichts sagte, auf Grund seiner Berichte einige Betrachtungen, die sich insonders auf die Zusammenstellung von des Verfassers Bemerkungen über den Zustand Abyffiniens in Bezug auf Religiosität und Sittlichkeit, wie sie im Theolog. Notizenblatt zur „Krit. Predigerbibl." geschehen ist, stützen, hier auszusprechen. So tief Abyssinien in sittlicher und religiöser Beziehung jetzt auch steht, namentlich in seinem christlichen Theile, und wir berufen uns hierin auf Rüppel's Schilderungen: so interessant ist es in religiös-historischer Beziehung. So viel wir mit Bestimmtheit davon wissen, wurde das Land in der Zeit Alexander des Großen mit jüdischen Kolonieen von Syrien her versehen, welche unter den ursprünglichen Bewohnern desselben eine höhere Kultur verbreiteten, und schreibt sich aus dieser Zeit noch die abyssrnische, im Lande selbst allgemein geglaubte Mythe her: es sei im II. Jahrhundert vor d. gew. Zeitr. Me nileck, ein angeblicher Sohn des Königs Salomo und der Königin von Saba, in's Land gekommen und der Stammvater der bis auf die neueste Zeit herab regierenden Kaiserfamilien desselben geworden"). So Biel läßt sich mit einiger Sicherheit annehmen, daß ein wer weiß wie sehr entstelltes Judenthum bis auf das vierte Jahrhundert herab in Abyssinien herrschend war. Nachdem im Jahre 333 durch den Missionar Abba Salama, späterhin Frumentius, Bischof von Axum, das arianische Christenthum nach Abyssinicn verpflanzt worden, entstanden im achten Jahrhundert heftige Kämpfe zwischen dem Jndenthum, Christenthum und Muhamedanismus, in deren Folge im zehnten Jahrhundert das Judenthum wieder zur Oberherrschaft des Landes gelangte, und sich bis zum dreizehnten Jahrhundert darin behauptete, wo das Christenthum den Sieg erfocht, und seitdem, obgleich mehrere Male nur durch Hülfe von außen, nämlich durch den Beistand der von der westlichen Küste Ostindiens herbeigerufenen Portugiesen, sich die Obergewalt wahrte. Abyssinien ist nun von Juden, Christen und Mohamedanern bewohnt, aber auch im abyssinischen Christenthum haben sich noch die Gesetze des Judenthums in großer Bedeutung erhalten, so daß die abyssinischchristliche Kirche nichts weiter ist, als eine rohe Vermischung der jüdischen und christlichen Ceremonieen, aus denen der Geist beider Religionen längst gewichen. Wir wollen einige Punkte bemerklich machen. Die Kirchen bestehen aus zwei hinter einander liegenden, fast ganz dunklen Zimmern, welche durch eine Flügelthüre mit einander verbunden sind. In dem hintern Zimmer befindet sich der Tabot (auch Manwer) oder die Bundeslade der Israeliten, die durch einen großen hölzernen Sessel oder Thron vorgestellt wird. Das Neujahrsfest feiern die abyssin. Christen ganz.um dieselbe Zeit, wie die Juden, um das Herbstäquinoctium, das Osterfest feiern sie ebenfalls acht Tage. Ferner werden alle Kinder zugleich mit der Taufe beschnitten, und zwar die Knaben ganz auf die jüdische Weise. Ebenso wird der Abyffinier möglichst noch am Sterbetage begraben. — Mit dunkeln Farben malt übrigens der Verf. den ganzen Kulturzustand der abyssinischen Christen sammt ihrer Geistlichkeit, und hebt im Gegentheil die Muhamedaner sehr vortheilhaft hervor. Neben diesen wohnen die Juden, Felasga's genannt, ganz abgesondert, Salomon verbringen jetzt in Schmach und Armuth ein bloß vegetieendes Leben, und bestürmte» den vr. Rüppel oft genug um Geschenke. *) Diese vermeintlichen Abkömmlinge des Königs