Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1841)
- Date
- 1841-03-27
- Page
- Seite 187 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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187 nieraden auf einem entfernten Posten, es war die erste Stunde der Nacht. Noch sehe ich vom Hügel, der mit Eschen umwachsen war, herab die weite Ebene, vom Mondesglanz beschienen, vor mir liegen. Ich stand auf mein Mordgewehr gestützt, und betrachtete das Thal. Weithin erstreckten sich in zwei Schlangenlinien die Wachtfeuer, Alles war still, nur aus einem nahen Kavallerielager hörte man Vas Stampfen und Wiehern der Streitroffe. Ernste Gedanken zogen durch' meine Seele, ernster als je. Es war mir, als kämen auf den Flügeln des Nachtwindes, die Geister der verlebten Zeiten-zurück, um meinem einsamen Herzen einen lang entwöhnten Besuch abzustatten/ Begebenheiten, an die ich ewig lang nicht gedacht, traten verkörpert aus Wind und Wolke, Mondesglanz und Baumesschatten an mich heran. Ich sah wieder den Leichnam meiner Mutter vor mir liegen, den Vater das schweißkalte Haupt röchelnd auf die Brust senken; ich sah die taube Tante hinter dem Ofen gekauert; die Bombe schlug auf das greise Haupt meines Wohlthäters ein, und Sara jagte in Todesangst die Stiegen hinauf; dann kamen die Freunde, denen ich auf dem Schlachtfelde die Augen zugedrückt; in weite Todtenhemden gekleidet zogen Schaaren in öde Lazarethsale ein, und nickten vorüberwandelnd mir zu; brennende Städte gingen am Horizonte auf, Schlachtgetöse umwogte mich, und — als Alles um mich versammelt war, riefen sie im Chorus mir zu: Morgen bist Du.„unser!" glaubte ich in den Lüften zu hören — als mein Kammerad meinen Arm ergriffen und mich schüttelte, mit dem Ausruf: Schläfst du, Bernhard? stehst du doch eine halbe Stunde schon, als hätte der Mond dich zur Salzsäule gewandelt, und rührst dich nicht! Trübe drangen die Sonnenstrahlen durch die Wolken, zu denen sich bald die Dampswolken des donnernden Geschützes gesellten. Ich war gefaßt, ruhig, fast heiter. Ich hatte meine Rechnung geschlossen, und gefunden, daß ich mich der Gnade des Allerbarmers ohne Zagen übergeben konnte ob meines Lebenswandels. Mein Regiment ward beordert, die Stellung des Feindes zu umgehen, und einer Batterie in die Seite zu fallen. Wir mußten hin und hermarschi-! ren, und kamen nicht zum Ziel. Es war schon i Wittag, und rechts hörten wir immerfort das Schlacht-! getöse. Endlich erreichte uns wieder ein kaiserlicher! Adjudant, und befahl uns, in Geschwindschritt rechts; abzuschwenken. Wir jagten durch ein Gebüsch, und! als wir heraustraten — lag die Batterie, die Schlacht, j die ganze durchwühlte Ebene vor uns. Doch wir j besannen uns nicht, und hinauf ging es den Hügel, von dessen Höhe die Batterie herabdonncrte. Kartätschen wütheten unter uns, aber wir gewahrten es nicht. Immer hinauf, Kammeraden, zum Tanz! rief ich, und war Allen voran. Da fühlte ich einen dröhnenden Stoß auf meine Hüfte, ein stechender Schmerz folgte, ich sank zusammen, eine Gewehrkugel hatte mich getroffen. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. Jrr'demselben werden Annoncen aller Art gegen 1-^Ngr. (IGgr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen gufgenommen. Die Verlagshandtung. C o rr c « t Kein heiteres Lied diese Nacht zur Beschleunigung der trägen Zeit, kein Scherz, kein muthiger Kampfesdrang. Ich trug die Ahnung des Todes in meiner Brust. Als ich abgelöst ward, eröffnete ich meinem Freunde meine Gefühle, und trug ihm die Verwendung meines kleinen Nachlasses auf. Ach, ich hatte Keinen, dem ich ihn überantworten konnte zum heiligen Andenken, er sollte ihn für verwundete Kammeraden verwenden. Mein Freund lachte mich aus, aber an meinem Ernste wurde auch er ernst. Die Israeliten-Gemeinde der k. Frei- und Hauptstadt Agram in Croatien giebt hiemit in öffentliche Kennt- «iß, daß an der, mit 25. April dieses Jahres, in ihrer Mitte ins Leben tretenden, höheren Orts legitimirten israelitisch-deutschen Lehranstalt, zwei Lehrerstellen noch zu besetzen stehen. Darauf reflektirende Schulmänner haben zur Nachweisung ihrer Lehramtstüchrigkeit darzuthun: 1. daß sie sich an einer deutschen Musterschule des österreichischen Kaisecstaates, durch den Besuch der pädagogischen Vorlesungen zum öffentlichen Lchramte qualisizirt haben;